.

© Roland Pittner

Chronik Burgenland
05/05/2019

Schloss Rotenturm: Von der Ruine zum Märchenschloss

Heinz Schinner hat dem Schloss Rotenturm mit Liebe zum Detail neues Leben eingehaucht

von Roland Pittner

Das Wort „unsanierbar“ klingt wohl für die meisten wie ein Albtraum, Heinz Schinner spornt es an.

Der 77-jährige Fachhochschul-Lektor und Versicherungsunternehmer ist nicht nur Mitglied in allen Museumsvereinen Wiens (wie er sagt), er stellt auch jährlich ein Stipendium für junge Musiker an der Musikuniversität, ist Präsident der Gesellschaft der Spanischen Hofreitschule und Schlossherr – und zwar seit 2008.

Wenn es sein muss, steigt Schinner auch über das Geländer am Balkon seines Schlosses, um eine Fahne zu hissen. „Ich war Extrembergsteiger, Höhenangst kenne ich nicht“, sagt der 77-Jährige. Nach einer Lehre und Stationen in der Versicherungsbranche machte er sich als Industrieversicherungsmakler selbstständig.

Die Liebe zu Antiquitäten begleitet Schinner sein ganzes Leben. Durch den Kauf einer Ringstraßenwohnung hat er sich die Restaurierung von Stuck oder alten Türen angeeignet. „Ich habe selber die Decke freigelegt und die Türblätter renoviert “, erzählt Schinner.

Falsche Grafen

2008 hat er das Schloss Rotenturm gekauft. Eigentlich hätte es eines in Ungarn werden sollen, auch in Venedig und Kärnten standen Objekte zur Auswahl. „Dann haben wir doch gesagt, wir bleiben im Burgenland“, sagt Schinner.

Das Schloss Rotenturm und das Castell Sulz habe er sich angeschaut. „Meine Frau war leicht verzweifelt und sagte, sie werde nie in diese Ruine kommen, aber ich habe mich für Rotenturm entschieden.“ Mittlerweile sei seine Frau überglücklich.

Seit er das Schloss gekauft hat, ist Schinner jeden Mittwoch und fast jedes Wochenende dort. Sogar Ehrenbürger der Gemeinde wurde er.

Hier ist man froh, dass sich jemand um das Wahrzeichen des Ortes angenommen hat. 1971 kam die Ruine in den Besitz des Landes, Anfragen von falschen Grafen und Scheichs gab es einige, aber keinen seriösen Käufer. „Ich habe der Gemeinde meine Pläne dargelegt, die sicher fantasiereich geklungen haben“, sagt Schinner. Das Land gab ihm die Auflage, das Schloss binnen zehn Jahren zu renovieren – mit Option auf Verlängerung auf 20 Jahre. Gedauert hat es schlussendlich sieben Jahre.

Arbeit gab es genug: Decken drohten einzustürzen, Fenster waren zugemauert, überall lag Schutt; das Gebäude stand jahrzehntelang leer. Geholfen habe Schinner die Expertise, die er sich bei der Sanierung seiner Ringstraßenwohnung aneignete – und das Bundesdenkmalamt, Mit dessen Unterstützung versetzte er das Schloss wieder in den Originalzustand. „Ich habe schon immer Dinge gemacht, bei denen andere gesagt haben: Lass’ die Finger davon“, erzählt der Schlossherr.

Mittlerweile kann das Erdgeschoß für Veranstaltungen und Hochzeiten gemietet werden. Tochter Constanze Schinner kümmert sich um die Events. Im Obergeschoß residiert die Familie privat. Das nächste Projekt steht auch schon an: die Renovierung des Parks.

Sammlungen

Einige von Schinners Sammlungen – von edlem Porzellan bis zu tausenden Schnapsgläsern – hat er im Schloss untergebracht. Auch ein Schnapsbrennereimuseum soll entstehen. Schinner liebt die Herausforderung. „Ich habe nie etwas aufgehört, bevor sich nicht der Erfolg eingestellt hat“, sagt Schlossherr. Mit seinem Schloss ist er zufrieden. „Es ist ein besonderer Platz.“

Große Pläne für Schloss Rotenturm

Das im maurisch-byzantinischen Stil des romantischen Historismus gebaute Schloss Rotenturm drohte zu verfallen. Seit Heinz Schinner das Anwesen erstanden hat, wurde das gesamte Gebäude renoviert.  Seit der Fertigstellung werden Veranstaltungen, Konzerte oder Hochzeiten im Schloss abgehalten.Doch die Familie Schinner hat noch weitere Pläne für das Anwesen und den rund elf Hektar großen Park.

Vor Kurzem wurde das Schloss Rotenturm in die Schlösserstraße aufgenommen. 35 Schlösser, Burgen,  Stifte und Wehrbauten in der Steiermark, Burgenland und Slowenien sind dort Mitglied. „Mit Rotenturm haben wir einen weiteren starken Partner gewonnen“, sagt Schlösserstraßen-Vorsitzender Andreas Bardeau.   Bei den vier Schlosskonzerten pro Jahr gibt es auch Führungen durch das Anwesen.

„Wir wollen  auch einen Kinderlehrpfad für Bienen und Schmetterlinge machen“, sagt Constanze Schinner, die sich um die Veranstaltungen im Schloss kümmert.   Pläne gibt es genug, sie reichen von einer Arena für Großveranstaltungen bis hin zu einer begehbaren Ausgrabungsstätte der alten Wasserburg Rotenturm. Der erste Schritt ist die Eröffnung eines  Schnapsbrennermuseums in der Gemeinde.

Info: schlossrotenturm.at