Ein doppeltes Jubiläum: Schloss Kohfidisch und der "Erfinder" der Tulpe
Seit 2016 finden die Gartentage im Schloss Kohfidisch statt. An zwei Veranstaltungstagen strömen mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher auf das drei Hektar große Areal.
Von Vanessa Halla
Carolus Clusius wäre heuer 500 Jahre alt geworden und die Gartentage feiern ihr zehnjähriges Jubiläum. Jetzt darf man als Laie schon fragen, wer denn dieser Herr Clusius eigentlich war. Die Gartentage im Schloss Kohfidisch wiederum, die muss man kaum mehr groß vorstellen – da gehen landesweit nicht nur die grünen Daumen hoch.
2016 öffneten die Initiatorinnen Sarah Keil und Tina Schabhüttl erstmals die Tore von Schloss Kohfidisch und luden zu den Gartentagen. Ein Jahrzehnt später zählt man an den zwei Veranstaltungstagen über 6.000 Besucher und 100 handverlesene Aussteller auf dem drei Hektar großen Areal mit Traumkulisse. Zum zehnjährigen Jubiläum rückt mit dem Botaniker Carolus Clusius jener Mann ins Zentrum, der Europas Gartenwelt bis heute prägt.
Eine illustre Runde präsentierte das Programm zu den Gartentagen 2026.
Blühendes Universalgenie
Clusius, dessen 500. Geburtstag sich heuer jährt, kam 1576 ins Burgenland – nicht freiwillig, wohlgemerkt. Seine Lebensgeschichte liest sich wie ein Gartenkrimi von Martina Parker: Er musste aufgrund seines Glaubens flüchten und fand in Balthasar Batthyány, dem Burgherrn von Güssing, einen Freund und Förderer. „Was folgte, war kein stilles Gelehrtenleben, sondern ein nachhaltiger Eingriff in die Gartenkultur“, weiß Ernst Breitegger, Obmann der Clusius Forschungsgesellschaft.
Tulpen, Narzissen, Schneeglöckchen und Kaiserkronen gelangten durch Clusius nach Mitteleuropa. Außerdem wird er als „Vater der Kartoffel“ auf deutschem Boden angesehen – und auch die Gartenbohne fand durch ihn ihren Weg in die Region.
„Carolus Clusius war ein Universalgenie. Ich bin bei uns im Südburgenland immer wieder über ihn gestolpert. Dass genau dieser Botaniker, dessen Geschichte heute auf der ganzen Welt bekannt ist, auch viele Gewächse am Csaterberg erforscht hat, also in unmittelbarer Nähe zum Schloss Kohfidisch, das ist sensationell“, sagt Gartentage-Gründerin Tina Schabhüttl.
Geschichtsträchtig
Selbsterklärend, dass das Erbe des Botanikers die diesjährigen Gartentage am 6. und 7. Juni prägen wird. Gezeigt werden nicht nur nach Carolus Clusius benannten Pflanzen, sondern auch seine Bücher, Zeichnungen und wissenschaftlichen Arbeiten. Staudengärtner haben speziell für die Jubiläumsausstellung seltene Pflanzen vermehrt, die sonst nur schwer erhältlich sind – darunter alpine und mediterrane Raritäten für Liebhaber.
„Sarah und ich wollten vor 10 Jahren eine Gartenveranstaltung schaffen, die nicht nur anders ist, sondern bei der wirklich die Pflanzen im Mittelpunkt stehen. 75 Prozent des Angebotes müssen Pflanzen sein, das war von Beginn weg unser Anspruch. Auch die Vielfalt dabei spielt eine wichtige Rolle. Bei den Gartentagen findet man nur handverlesene Aussteller mit ausgewähltem Sortiment“, so Tina Schabhüttl. Was man bei den Gartentagen neben blühendem Angebot und Programm außerdem findet? Vor allem die Damenwelt. „70 Prozent unseres Publikums sind weiblich und kommen aus dem urbanen Bereich“, informiert Schabhüttl und sagt außerdem: „Die Gartentage sind ein Erlebnis, da läufst du nicht einfach mal so in einer Stunde durch. Viele Besucher fahren Hunderte Kilometer wegen einer Pflanze und gehen mit ihren Einkäufen mehrmals zum Auto, bis alles verstaut ist.“
Clusius brachte die Tulpe nach Mitteleuropa.
„Enormes Potenzial“
Die Gartentage im Schloss Kohfidisch sind längst über die Landesgrenzen hinweg bekannt. Gäste und Aussteller reisen mittlerweile aus ganz Österreich und dem benachbarten Ausland ins Südburgenland. „Gartenerlebnisse haben enormes Potenzial für den Tourismus“, betont auch Burgenland-Tourismus-Geschäftsführer Didi Tunkel.
Schlossherrin Sarah Keil: „Carolus Clusius werkte während seiner Zeit im Südburgenland nicht nur rund um das Schloss Kohfidisch, sondern auch auf den Burgen Schlaining und Güssing. Er war schon vor einem halben Jahrhundert sehr gut in der Region vernetzt. Wir machen mit den Gartentagen das Gleiche und schaffen für ein Wochenende einen Ort, an dem Pflanzenliebhaber sich austauschen und vernetzen können.“
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