© Koglbauer Claudia

Chronik Burgenland
11/21/2019

Drei Jahre Haft: Frau soll Männner betäubt und ausgeraubt haben

Eine 20-jährigeRumänin wurde am Donnerstag nicht rechtskräftig zu drei Jahren Haft, eines davon unbedingt, verurteilt.

von Claudia Koglbauer-Schöll

Gespannt warten Zuhörer am Donnerstagvormittag auf die Angeklagte, die sich am Landesgericht Eisenstadt wegen des Vorwurfs des schweren Raubes verantworten muss. 

Kurz vor 9.30 Uhr wird die 20-Jährige von zwei Justizwachebeamten zum Schwurgerichtssaal gebracht. Im Arm hält die Frau ihr vor Kurzem geborenes Kind. Unter Tränen nimmt die junge Frau auf der Anklagebank Platz. Die Vorwürfe, die Staatsanwalt Christian Petö in seinem Anklageplädoyer verliest, wiegen schwer.

Die Frau soll im Rahmen einer kriminellen Vereinigung  – gemeinsam mit anderen Komplizen – im Frühjahr und Sommer ältere Herren in deren Wohnhäusern im Bezirk Mattersburg aufgesucht und sie mit starken Medikamenten betäubt haben. 

Rund eine Viertelmillion Euro

Als die Opfer dann in einen tiefen Schlaf verfallen seien, soll die Beschuldigte gemeinsam mit Komplizen  das Haus der Bewohner ausgeräumt haben.  
Eines ihrer späteren Opfer soll die damals Hochschwangere in der Ortschaft getroffen haben. Dann soll die damals 19-Jährige den 83-Jährigen nach Hause begleitet haben. Dort soll sie ihm die Medikamente in ein Getränk gegeben haben. Knapp 220.000 Euro sollen die Bandenmitglieder im ersten Fall erbeutet haben.

Wenig später soll die junge Frau bei einem zweiten Mann im Bezirk Mattersburg an dessen Tür geläutet haben. Auch er bat die junge Frau in sein Haus, gab ihr zu trinken. Sie soll ihm ebenfalls stark sedierende Medikamente verabreicht haben.

"Erst am nächsten Tag aufgewacht"

„Ich bin erst am nächsten Tag munter geworden. Da habe ich bemerkt, dass das Geld fehlt“, sagt der 70-Jährige im Gespräch mit dem KURIER. 24.000 Euro sowie unter anderem zwei Goldringe soll die Beschuldigte erbeutet haben. Warum er so viel Geld zu Hause hatte? „Ich wollte es meiner Tochter und der Enkelin für den Führerschein geben“, sagt der 70-Jährige. 

Bei zwei weiteren Kontakten mit den Opfern sei es beim Versuch geblieben. Einer der Männer verständigte die Polizei, worauf die Frau festgenommen wurde. Ihr Kind musste die 20-Jährige hinter Gittern zur Welt bringen.

 

"Wurde gezwungen und geschlagen"

Die Angeklagte zeigt sich am Donnerstag teilweise geständig. Sie sei von der Mutter ihres Freundes zu den Taten gezwungen worden, sagt die junge Mutter unter Tränen vor Gericht. „Sie (der Kindesvater und dessen Mutter, Anm.) haben mich gezwungen. Mein Freund hat mich im fünften Monat so fest geschlagen, dass ich gar nichts gesehen habe.“ Die Schwiegermutter in spe habe ihr gar gedroht, das Kind wegzunehmen, wenn sie  nicht mit den Männern mitgehe und sie betäube.

"Ich bin ihr nicht böse"

Der 83-Jährige, der eine Großteil seines Ersparten bei den Vorfällen verloren hat, zeigt sich im Gespräch mit dem KURIER dennoch voller Mitleid für die Beschuldigte. „Sie ist vor meiner Tür gestanden und hat gesagt Papa, bitte, Hunger“, schildert der Pensionist. Da habe er sie ins Haus gebeten. Die hochschwangere junge Frau habe ihm leidgetan. „Ich bin ihr nicht böse. Sie wurde ja selbst zum Opfer.“

Der Schöffensenat verurteilte die Angeklagte wegen schweren Raubes zu drei Jahren Haft, ein Jahr davon unbedingt. Die Angeklagte nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. 

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