Falscher Polizist brach Zeitungszustellerin das Kiefer

Eine Person steht vor einem Schaufenster mit der Aufschrift „Pannonische Tafel“ und bunten Bildern an der Scheibe.
Eine vierfache Mutter lieferte Zeitungen aus, als ein vermeintlicher Polizist sie kontrollieren wollte. Es kam zu einem folgenschweren Handgemenge.

Von Gernot Heigl

Als selbstständige Zustellerin lieferte eine vierfache Mutter im September des Vorjahres in Oberwart routinemäßig Zeitungen aus. Da sie in dieser Nacht die Tour eines Kollegen übernommen hatte, unterstützte sie ihr Ehemann ausnahmsweise.

Beide arbeiteten auf jeweils einer Straßenseite. Nachdem die 43-jährige Burgenländerin fertig war, kehrte sie zum Auto zurück und setzte sich ins Fahrzeug.

Während sie auf ihren Gatten wartete, bemerkte sie im Rückspiegel einen Radfahrer, der mit seinem Handy zuerst das hintere Kennzeichen des Wagens fotografierte und dann bei der Fahrertür des Pkw stoppte. Die Zeitungszustellerin ließ daraufhin die Scheibe herunter und bekam vom Unbekannten barsch zu hören: „Polizei. Die Fahrzeugpapiere bitte.“

"Wenn du die Polizei bist, bin ich der Weihnachtsmann"

Ungläubig erwiderte die Burgenländerin: „Wenn du die Polizei bist, bin ich der Weihnachtsmann!“ Da der „Polizist“ plötzlich mehrmals ins Fahrzeuginnere griff, schrie die Frau: „Lass mich in Ruhe und verschwinde, sonst ruf ich die echte Polizei.“

Der in diesem Moment zum Auto zurückkehrende Ehemann der 43-Jährigen setzte sich ins Fahrzeug und wurde Zeuge eines Wortgefechts. Da der Unbekannte trotz mehrmaliger Aufforderungen keine Ruhe gab und sich auch nicht vom Fahrzeug entfernte, wählte der Gatte (42) den Notruf. Als der „Polizist“ das bemerkte, radelte er auf die Beifahrerseite und erklärte dem Mann: „Deine Frau ist schiach und sieht aus wie eine Schlampe.“

„Ich musste noch zahlreiche Zeitungen zustellen und wollte, dass die Situation bereinigt ist, bevor echte Polizisten eintrafen. Also bin ich ausgestiegen und auf den Unbekannten zugegangen“, schildert die Burgenländerin dem KURIER. „Meine Aufforderung, dass er sich endlich schleichen soll, ignorierte der Mann nicht nur, sondern er streckte seine Hand gegen mich aus und forderte mich auf, Abstand zu halten.“

Doppelter Kieferbruch

In diesem Moment setzte es mehrere Fausthiebe gegen den Kopf der Frau, die durch die wuchtigen Attacken einen doppelten Kieferbruch erlitt. Die geschockte vierfache Mutter wehrte sich mit Leibeskräften. Sekunden später kam der Ehemann zu Hilfe und prügelte auf den Täter ein.

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Rechtsanwalt Gerhard Ederer aus Oberwart vertritt das Gewaltopfer.

Mit Blaulicht eintreffende Polizeibeamte nahmen daraufhin den Angreifer fest. Im Verhör gestand der 23-Jährige, sich als Polizist ausgegeben zu haben, meinte aber auch, dass es nur ein Scherz gewesen sei. Zudem hätten ihn ja die beiden Personen angegriffen, gekratzt und geschlagen. Er habe sich nur gewehrt und dabei blind mit dem Ellbogen zugeschlagen. Erst als die Frau auf Abstand gegangen sei, so der Burgenländer, will er bemerkt haben, dass er sie getroffen hat.

Täter untergetaucht

Vor einigen Tagen hätte der Beschuldigte, von der Staatsanwaltschaft angeklagt wegen des Verbrechens der schweren Körperverletzung sowie des Vergehens der Amtsanmaßung, „vor dem Landesgericht Eisenstadt erscheinen sollen“, so Rechtsanwalt Gerhard Ederer aus Oberwart. „Der Prozess musste aber abgesagt werden, weil der Mann derzeit nicht auffindbar ist und daher die Ladung nicht zugestellt werden konnte.“ Aktuell wird nach dem 23-jährigen Gewalttäter gefahndet.

Seine Mandantin habe seit dem Vorfall ein psychisches Trauma und fahre deshalb nicht mehr alleine nach Oberwart. Weiters mussten abseits der Behandlung des Kieferbruchs, in einer Zahnklinik die Zähne mit einer Schiene fixiert werden, um diese erhalten zu können.

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