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Chronik | Burgenland
12/12/2018

Nazi-Bezug: Zweigelt soll „Blauer Montag“ genannt werden

Weil die Weinsorte den gleichen Namen hat wie ein Nazi, wird jetzt eine Namensänderung gefordert.

Das „Institut ohne direkte Eigenschaften“ will auf die NS-Vergangenheit Friedrich Zweigelts aufmerksam machen und fordert die Umbenennung der nach ihm benannten Rotweinrebe. Die Umbenennung sei längst überfällig. Im Rahmen der Aktion „Abgezweigelt“ wurde der neue Wunschname „Blauer Montag“ vorgestellt. Die Namensänderung soll auf die nationalsozialistische Vergangenheit Friedrich „Fritz“ Zweigelts aufmerksam machen.

Dem aus der Steiermark stammendem Zweigelt gelang 1922 die Kreuzung der Sorten St. Laurent und Blaufränkisch. Die Züchtung nannte er Rotburger. Im Jahr 1975 erhielt die Rebsorte durch die Qualitätsweinrebsorten-Verordnung den Namen seines Schöpfers. Damit wird für die „Abgezweigelt“-Initiatoren „eine traurige Wahrheit sichtbar“: Die österreichische Weinwirtschaft schweige sich wie kein anderer Wirtschaftszweig über die nationalsozialistische Vergangenheit aus. Schließlich sei Friedrich Zweigelt ein „glühender Nazi“ und seit dem April 1933 NSDAP-Mitglied gewesen. Dass die Namenswahl trotz Zweigelts Vergangenheit auf ihn fiel und zudem seit 2002 jährlich der Dr. Fritz Zweigelt-Preis verliehen wird, stößt den Initiatoren sauer auf.

Fakten am Tisch

Seit etwa einem Jahr sind Experten mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Namensgebung beschäftigt. Bei „Wein Burgenland“ wolle man die „Vergangenheit nicht unter den Teppich kehren“, wie der Geschäftsführer der Weinmarketingorganisation, Christian Zechmeister, erklärt. Man wolle aber „alle Fakten zu dem Thema auf dem Tisch haben, dann werden wir uns einer Diskussion stellen“. Bisher habe sich noch kein Winzer im Burgenland gemeldet, der den Wein künftig unter „Blauer Montag“ in Umlauf bringen will.