Gasthaus Leban: Ein blaues Kamel und kulinarische Kreativität
2003 haben Carina und Josef Leban den Betrieb übernommen, denn zuzusperren war für den Wirtssohn keine Option.
Von Achim Schneyder
Drei Dinge sind’s, die ins Auge stechen, wenn man beim „Gasthaus Leban“ vorfährt, dann vor dem Eingang steht und schließlich drin ist in der alten Wirtsstube:
- Beim Vorfahren ist’s ein lebensgroßes und blau angemaltes Kamel.
- Beim Reingehen ist’s eine Kreidetafel, auf der das Tagesmenü zweisprachig angepriesen wird.
- Und beim Drinsein ist’s ein gerahmtes und signiertes Plakat, auf dem der Deutsche Karl Mildenberger zu sehen ist, wie er anno 1966 in Frankfurt gegen Muhammad Ali um den WM-Titel im Schwergewicht boxt.
Wie’s zu alledem kam? Das Kamel war 1996 Teil einer Kunstaktion und eines von insgesamt sieben in Kittsee, die nicht zuletzt die neuen Wanderbewegungen symbolisieren sollten, nachdem 1989 der Eiserne Vorhang zur damaligen Tschechoslowakei gefallen war. Und die lag – und liegt heute als Slowakei – quasi vor der Haustür.
„Mit dem Rad bin ich in zehn Minuten in Bratislava. Daher auch die zweisprachige Menütafel, wegen unserer slowakischen Gäste“, sagt Josef Leban, Wirt und Hausherr in dritter Generation. „Und das Kamel hat mein Vater nach Ende der Aktion in unseren Besitz geholt, später hab’ ich’s restauriert und blau angemalt, und jetzt ist’s unser Markenzeichen.“
Und Karl Mildenberger?
Der ehemalige Europameister zog, nachdem er Ali im WM-Kampf mehr als bloß gefordert hatte und nur wegen eines tiefen Cuts über dem linken Auge nach der zwölften Runde vom Ringrichter aus dem Kampf genommen wurde, nach dem Karriereende in den frühen 1970ern nach – richtig – Kittsee.
„Er hat in einer Firma gearbeitet und über dem Café Strauss gewohnt. Im Café, das später ein Gasthaus g’worden ist, ist das von ihm signierte Plakat g’hangen“, erzählt Josef. „Und als das Gasthaus eines Tages zug’sperrt hat, haben wir die Holzvertäfelung für unseren Schankraum übernommen und mit ihr das Mildenbergerbild.“
Die prägenden Praktika
Es ist recht früh am Vormittag, Josef und seine Frau Carina, die er einst in Tirol kennenlernte, als er nach Hotelfachschule und Bundesheer im Hotel „Liebes Rot-Flüh“ am Haldensee am Herd stand, sind in der Küche zugange. „Wir haben dieser Tage Presswurst g’macht, und dann dachte ich mir, dass man ja Presswurstknödel draus machen könnte. So wie Grammel- oder Fleischknödel. Mit Sauerkraut dazu als eines von zwei Mittagsmenüs.“ Und so steht’s auch zweisprachig draußen auf der Kreidetafel.
Hauptverantwortlich dafür, dass Josef Koch werden wollte, waren zwei prägende Praktika während der Schulzeit. „Eines in München bei Alfons Schuhbeck, eines bei Jörg Müller auf Sylt. Jeweils zwei Monate, aber das hat gereicht, um draufzukommen, wohin meine Reise nach der Schule gehen soll.“ Auf die eineinhalb sehr lehrreichen Jahre am Tiroler Haldensee folgten schließlich noch zwei einjährige Engagements in München im „Glockenbach“ und im „Tantris“, ehe Josef der Ruf aus der Heimat ereilte.
Der alte Flügel im neuen Saal dient heute als Abstellplatz.
„Der Vater hat g’sagt, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht weitermachen kann, und dass es nur zwei Möglichkeiten geben würde: entweder zusperren, oder ich übernehme. Also hab’ ich gemeinsam mit Carina 2003 übernommen.“
Mehr als ein Geheimtipp
Und was der leutselige Wirt und kreative Koch seither aus diesem in den 1930ern erbauten und von den Großeltern 1956 übernommenen und 1962 gekauften Gasthaus im österreichischen Vorort der slowakischen Hauptstadt gemacht hat, sollte mehr sein als ein bloßer Geheimtipp. Nämlich ein Gasthaus, das man auch in einer deutlich weiter entfernten Hauptstadt wie Wien auf dem Radar haben sollte.
Ein Gedicht: die g’schmorten Schweinsbackerl mit Linsen.
Wobei sich Josefs Kreativität und Umtriebigkeit nicht allein auf die Kulinarik beschränkte, die Gerichte wie rosa gebratenen Kalbstafelspitz mit Paradeiser-Mozzarella-Ofenerdäpfeln oder gebratenes Welsfilet in der Nusskruste mit Kohlrabi und Linsen auf die Speisekarte brachte. So ließ er 2004 den Privatteil des Hauses wegreißen, vergrößerte das Gasthaus entsprechend und schuf obendrein Platz für Gästezimmer.
- Wo?
Untere Hauptstr. 4, 2421 Kittsee, Tel.: 02143/2234 oder 0680/1323207, gasthaus-leban.at. - Wann?
Mi. bis So. und Feiertag 9 bis 22 Uhr, Küche 11.30 bis 20.30 Uhr. - Was und wie viel?
Mo. bis Fr. zwei Menüs (Suppe, Hauptspeise) um 10,80 und 11,30 €; Vorspeisen: Rindsuppe mit Frittaten (4,20 €), Leberknödel (4,60 €), Cremesuppe (5,60 €); Geflügelleberparfait (9, 90 €), Blunzenstrudel (8,90 €), gebackenes Schweinshirn (6,80 €); Hauptspeisen: Gulasch mit Nockerl (14,20 €), gebackene Fledermaus (16,90 €), veganes Beuschel (15,90 €), gebackene Zucchini (11,80 €), gebratener Kalbstafelspitz (24 €), Welsfilet gebraten mit Gemüse, Linsen und Kohlrabi (18,90 €). - Warum
Weil’s ein Dorfwirtshaus vom ganz alten Schlag mit einem herrlichen Garten ist und überdies auch Gästezimmer hat.
2007 wurde schließlich auch der reaktivierte Gastgarten wieder in Betrieb genommen, und der ist – von der Küche abgesehen – Josefs liebster Platz. „Weil er zur Gänze von alten Weinstöcken überwachsen ist“, schwärmt der Wirt. „Da sitzt man immer im Schatten, und im Herbst pflückt man sich die Trauben runter und nascht sie.“ Und aus dem, was die Gäste übrig lassen, machen Carina und Josef dann Saft. „Weil“, sagt Josef, „für Wein reicht’s von der Menge her nicht…“
P.S. Ein Tipp noch für Kurzentschlossene: Am heutigen Sonntag und am kommenden Dienstag, am 6. Jänner also, gibt’s im „Gasthaus Leban“ ein Drei-Königs-Cordon-bleu-Buffet. Ein Ausflug, der sich lohnen sollte.
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