© Claudia Koglbauer

Stoob
07/19/2020

Im Garten Eden der alten Obstsorten

Das Schutzgebiet Biri am Noplerberg in Stoob bietet eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft

von Claudia Koglbauer-Schöll

Die Gemeinde Stoob im Mittelburgenland hat sich aus vielen Gründen einen Namen gemacht, der über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt ist. Die Keramikbetriebe, Ofensetzer und Fliesenleger sind ebenso ein Begriff wie die österreichweit einzige Landesfachschule für Keramik und Ofenbau. Von hoher kultureller Bedeutung ist die Bergkirche – eines der ältesten Gotteshäuser des Burgenlandes mit romanischen Fresken aus dem frühen 13. Jahrhundert. Eine rare Idylle finden Besucher wiederum am „Noplerberg“ – auch als „Biri“ bekannt. Es bietet eine burgenlandweit einzigartig hohe Dichte an zusammenhängenden Streuobstwiesen und gemähten Wiesenflächen, die teilweise unter Landschaftsschutz stehen (siehe auch Zusatzbericht).

Wer Liebhaber alter Obstsorten ist, der wird bei der Suche nach Früchten wie „Honigbirnen“, „Mirabellen“ oder „Zwiebel-Äpfel“ fündig. Manche der Obstbäume sind zwischen 150 und 200 Jahre alt. Das rund 110 Hektar große Biri wird auch als „Garten Eden“ bezeichnet.

Ziel der Gemeinde ist es, dass die Bevölkerung das Obst aus dem Biri verwertet, sagt Klaus Wukovits. Er ist einer der Organisatoren des „Biri-Teams“, das unter anderem Obstsammel-Aktionen organisiert. Die Bewohner werden angehalten, die Früchte aus ihrem „Obstgarten“ zu sammeln. Das Pressen der Früchte wird einheitlich in einem Betrieb in Niederösterreich organisiert, die Erzeugnisse bekommen die Abgeber zurück.

„So, wie es derzeit ausschaut, dürfte es heuer in Stoob eine gute Ernte geben“, sagt Wukovits. Voraussichtlich Ende September wird der Biri-Presstag stattfinden. Am Stoober Bauernmarkt, der am 17. Oktober über die Bühne gehen soll, wird der Saft ausgegeben und verkauft.

„Biaschtla“

Dieses Jahr haben die Organisatoren noch etwas Besonderes geplant: Aus Teilen der Stoober Apfel-Ernte solle auch ein Apfel-Sekt als „Biri-Cider“ erzeugt werden. Er soll den klingenden Namen „Stoober Biaschtla“ tragen.

Apropos Alkohol: Das Biri-Team will voraussichtlich am 20. November ein vertiefendes Seminar für die Stoober Schnapsbrenner abhalten. Die Teilnehmer werden dort Tipps zur Qualitätssteigerung der Brände erhalten. Wer die Produzenten persönlich kennenlernen möchte, der hat dazu beim Apfelkulinarium auf Burg Forchtenstein von 24. bis 26. Oktober Gelegenheit.

Einzigartiges Schutzgebiet

Im Jahr 2013 wurde das Gebiet „Noplerberg-Biri“ von der burgenländischen Landesregierung zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. „Schutzgegenstand ist die naturräumliche Ausstattung des Landschaftsschutzgebietes mit seiner typischen, traditionell geprägten Kulturlandschaft, insbesondere Streuobstwiesen, Wiesen, Feldgehölze, Hecken, Einzelbäume, Hangterrassen, Raine, Terrassenböschungen, Gräben und Hohlwege“, ist in der Verordnung zu lesen. 
6.000 ObstbäumeBis  Mitte  des  19.  Jahrhunderts gab es am Südhang des Noplerbergs noch etliche Weingärten, die durch den Befall  der Reblaus um 1880 aber immer weniger wurden, bis der Weinbau  schließlich komplett aufgegeben wurde. 
Rund um das Jahr  1960  hatte  das  Gebiet  mit  etwa  6.000  Bäumen  den  historisch  höchsten Bestand an Obstbäumen. Heute gibt es im Biri noch etwa zwei Drittel der Bäume. Bei  einer Erhebung wurden  140  Obstsorten    gefunden,  darunter verschiedene Kirschen-,   Apfel-, Birnen-  sowie   Zwetschken-  und  Pflaumensorten und auch  Edelkastanien, Walnüsse, Marillen, Quitten,  Mispeln  und  Speierling.  
Das  Biri  ist auch  Wohnraum für zahlreiche Tiere: Es beherbergt neben  98  Vogelarten,  unter anderem noch  170  Käfer-, 98 Spinnen- sowie  neun Fledermausarten.  
Info: www.biri.at

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