© Orovits Thomas

Chronik Burgenland
08/28/2019

Halbe Burgenländerin mit ganzer Kraft für die Neos

Anna Bozecski, Salzburgerin mit burgenländischem Vater, ist neue Parteimanagerin und Spitzenkandidatin

von Thomas Orovits

Bei den Neos herrschte in den vergangenen Jahren ein Kommen und Gehen. Spitzenfunktionäre verschwanden von der Bildfläche, ehe sich die Öffentlichkeit überhaupt ein Bild von ihnen machen konnte. Anna Bozecski ist nun gekommen, um zu bleiben.

Vorerst zumindest. Denn bis zur Gemeinderatswahl 2022 bleibe das Burgenland ihre politische Heimat, versichert die 28-jährige gebürtige Salzburgerin, die mit ihrem in Sachen „Künstliche Intelligenz“ forschenden Freund in Wien lebt und im Burgenland arbeitet. „Was ich in fünf oder zehn Jahren mache, weiß ich jetzt wirklich noch nicht“, sagt die Jung-Politikerin mit entwaffnender Ehrlichkeit. Ohne Umschweife gesteht sie auch ein, dass es bei den pannonischen Neos „intern Megaprobleme gab“. Grüppchenbildung in einer ohnehin sehr kleinen Partei war offenbar kein Erfolgsrezept.

Bozecski, deren Vater aus Oberpullendorf stammt, soll‘s besser machen. Im November hat sie die Landesgeschäftsführung der Neos übernommen, vor Kurzem auch noch die Spitzenkandidatur für die Nationalratswahl. In der internen Vorwahl hat sie auch ihren Parteichef Eduard Posch (62) ausgestochen. Auch für Bozecski kam die Kür überraschend, bisher fühlte sie sich hinter den Kulissen bedeutend wohler. „Ich habe mich mit Fragen der Strategie und des politischen Managements beschäftigt“, sagt die frühere Jus- und Politikwissenschaft-Studentin, die seit 2014 bei den Neos aktiv ist, etwa als Mitarbeiterin der jetzigen Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger und Büroleiterin von Ex-EU-Mandatarin Angelika Mlinar. Jetzt steht sie selbst ganz vorne, inhaltlich sind ihr Umwelt, Digitalisierung und Geschlechter-Gerechtigkeit wichtig und sie fordert ein Ende der seit Herbst 2015 bestehenden Grenzkontrollen zu Ungarn und Slowenien, denn die seien „ohne Notsituation illegal“, meint Bozecski.

Ihren bis dato größten Erfolg landete sie in ihrer Heimat Salzburg, wo sie 2018 den Landtagswahlkampf der Neos geleitet und danach auch die Regierungsverhandlungen mitgeführt hat – die Kleinpartei erreichte dort 7,3 Prozent der Stimmen, 3 der 36 Mandate und stellt in der Koalition mit ÖVP und Grünen eine Landesrätin.

Nicht vom Fleck

Im Burgenland können die Neos davon nur träumen. Noch ist nicht einmal sicher, dass sie bei der Landtagswahl am 26. Jänner 2020 antreten – Posch hatte das im März noch deutlich optimistischer gesehen. „Wir schauen, wie die Nationalratswahl am 29. September ausgeht“, bleibt Bozecski nun vorsichtig. Ziel für die Bundeswahl sei das Halten des EU-Wahlergebnisses. Im Mai erhielten die Neos fast 7.900 Stimmen oder 5,2 Prozent. Bei der Landtagswahl wäre das zumindest ein Mandat. Aber: Die EU-Wahl lief für die Pinken im Burgenland so gut wie kein anderer Urnengang. Bei der letzten Nationalratswahl kam man auf magere 2,9 Prozent, bei der Landtagswahl 2015 waren es 2,3 und bei der Gemeinderatswahl 2017 gar nur 0,3 Prozent und landesweit ein einziges Mandat von 3.143 – für Posch in Pinkafeld.

„Netz der SPÖ“

Vom pinken Paradies Salzburg ist Bozecski in die politische Steppe gekommen – neben Kärnten gilt in der Neos-Zentrale das Burgenland als Sorgenkind. Das „unglaubliche Netz der SPÖ“ führt Bozecski auch ins Treffen, um zu erklären, warum sich die Pinken im östlichsten Bundesland so schwer tun, Fuß zu fassen. In Salzburg etwa sei die ÖVP weit nicht so omnipräsent. Besonders im Südburgenland „ist es superschwer“ Parteistrukturen aufzubauen. In Eisenstadt wurde vor einiger Zeit zumindest wieder ein Stützpunkt eröffnet, die „Neosphäre“ am Domplatz. Und zu den beiden Angestellten Bozecski und Pressesprecherin Simone Pibernik wird noch eine dritte Kraft gesucht, die sich im „Eventmanagement“ auskenne.

Rüstet die Kleinpartei auf, weil die Wahl im Herbst die letzte Chance für Burgenlands Neos ist? „Nein“, wehrt Bozecski ab, „ich glaube nicht, dass Neos irgendein Bundesland liegen lassen“.