Chronik | Burgenland
22.10.2018

Ex-Freund rächte sich mit fiktivem Sex-Buch: Lehrerin als Opfer

Lehrerin im Burgenland aus dem Unterricht genommen. Ihr Anwalt sieht ungewöhnliche Dimension von Stalking. Verdächtiger beging vor kurzem Suizid.

Im Burgenland sorgt eine Stalking-Geschichte mit einer Lehrerin als Opfer für Aufregung: Wie der ORF berichtet, soll der Ex-Freund einer Lehrerin unter deren Namen ein Sex-Tagebuch verfasst und veröffentlicht haben. Der Anwalt der Frau, Rudolf Schaller, sprach gegenüber der APA von einer "ungewöhnlichen Dimension von Stalking". Die Lehrerin wurde wegen des Buchinhalts aus dem Unterricht genommen.

"Es war mir von der ersten Sekunde an klar, wer das war"

"Es war mir von der ersten Sekunde an klar, wer das war. Der erste Gedanke war, dass der seine Drohung, die er vor über drei Jahren gemacht hat, wahr gemacht hat, nämlich mich zu vernichten", erzählte das Opfer gegenüber dem ORF Burgenland. Mit dem Verdächtigen habe die Frau eine kurze Liebschaft gehabt. Die Lehrerin zeigte den 53-Jährigen wegen Stalking an. Belangt werden kann er dafür allerdings nicht mehr. "Das Verfahren gegen ihn wurde wegen Todes beendet", sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Roland Koch. Der Ex-Freund hat sich vor wenigen Wochen das Leben genommen.

In dem Buch, das es auch online zu kaufen gab und das nicht nur mit dem Namen der Lehrerin, sondern auch mit einem Foto von ihr versehen ist - geht es um Affären und Sex-Verabredungen. Die Frau wird als sexsüchtig dargestellt. Geschrieben ist das Werk in der Ich-Form. Laut Staatsanwaltschaft wurden darin Personen genannt, mit denen echte Personen gemeint seien. Dass die Lehrerin damit nichts zu tun habe, steht für die Anklagebehörde jedenfalls fest. "Wir haben keinen Hinweis darauf, dass das sonst jemand gemacht hat und gehen davon aus, dass es er war und auch sonst keiner beteiligt war", sagte Koch.

Dass wirklich niemand beteiligt war, ist für den Anwalt der Lehrerin noch nicht so klar. "Erst vergangene Woche ist ein Brief aufgetaucht - von ihm", schilderte Schaller. Von wem diese Briefe - es hat mehrere gegeben - versendet wurden, müsse geklärt werden. Daher sei der strafrechtliche Teil für den Verteidiger noch nicht abgeschlossen.

Dienstrechtliche Folgen?

Noch offen ist der dienstrechtliche Part: Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz bestätigte gegenüber der APA, dass die Lehrerin - auch zu ihrem eigenen Schutz - aus dem Unterricht genommen wurde. Nun sei eine Disziplinarkommission am Zug, um diesen Fall zu untersuchen. In dem Buch gehe es auch um "einige dienstrechtliche relevante Geschichten". Die Frau soll etwa im Turnkammerl Sex gehabt haben, während im Nebenraum die Schüler Turnunterricht hatten. "Wir sind den Eltern und Schülern verpflichtet und werden das - wie jeden anderen Fall auch - ordentlich untersuchen und die Dinge neutral betrachten. Was da (bei der Untersuchung, Anm.) rauskommt, daran halte ich mich", erläuterte der Bildungsdirektor.

Dass der Fall auch seitens des Landesschulrats untersucht wird, ist für den Anwalt der Frau verständlich. Allerdings hätte die Begründung im Bescheid anders lauten müssen. Außerdem kritisierte der Verteidiger, dass man seine Mandantin gar nicht gefragt hätte, ehe man den Bescheid ausgestellt hatte. Trotz allem, sei er aber zuversichtlich, dass sich "das alles in Nichts auflösen wird".

Der Mandantin gehe es aktuell "nicht gut". Ob es klug war, damit in die Öffentlichkeit zu gehen, dazu meinte der Anwalt: "Es ist eine schwierige Entscheidung. Aber so wie sie angepatzt wurde... Da gibt es keine ideale Strategie".