© Koglbauer Claudia

Mittelburgenland
09/22/2019

Ex-Feuerwehr-Chef muss vor Gericht

Verdacht der Verleumdung und Urkundenfälschung; Ortsfeuerwehr klagt über Imageschaden

von Thomas Orovits

Kameradschaftlichkeit ist ein hohes Gut der Freiwilligen Feuerwehren, manche meinen das höchste. Am Mittwoch muss sich ein ehemaliger Orts-Feuerwehrkommandant vor dem Bezirksgericht Oberpullendorf verantworten, der gegen diesen ehernen Grundsatz der Florianis verstoßen haben soll.

Der Mittelburgenländer, für den die Unschuldsvermutung gilt, soll auf Namen und Rechnung „seiner“ Feuerwehr Möbel für seinen Privatgebrauch bestellt, aber nicht bezahlt haben. Erst als der Exekutor im April vor der Tür stand und die Feuerwehr gepfändet werden sollte, kam der Fall ins Rollen und die Feuerwehrseele kochte über. Denn der Kommandant soll nicht nur behauptet haben, ein Arbeitskollege habe Zugang zu seinem Computer und seine Daten für die Bestellung verwendet, sondern bei der Polizeiinspektion Oberpullendorf auch eine gefälschte Selbstanzeige eines Kollegen vorgelegt haben.

Die knapp 50 Feuerwehr-Kameraden glaubten ihrem Kommandanten – der die rund 3.000 Euro inzwischen beglichen hat – kein Wort und gaben dies bei der Polizei auch zu Protokoll.

Die folgenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Eisenstadt wegen des Verdachts des Betrugs wurden eingestellt, bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt dem KURIER: „Wegen Verjährung“.

Geblieben sind aber die Vorwürfe der Verleumdung und der Urkundenfälschung, über die das Gericht am Mittwoch entscheidet.

Comeback geplant

Der Ex-Kommandant, der mittlerweile nur noch einfaches Feuerwehr-Mitglied ist, will vor der Verhandlung „nichts sagen“. Er sei freiwillig zurückgetreten, betont er. Die Vorwürfe seien „ein großer Misstrauensgrund“ gewesen, stellt Bezirksfeuerwehrkommandant Martin Reidl klar, er habe das Rücktrittsgesuch „sofort angenommen“. Keinen Grund für einen Rückzug sieht der Ex-Kommandant hingegen in seiner Funktion als SPÖ-Gemeinderat. Auch der rote Bürgermeister wiegelt ab. Das sei eine „private“ Sache des Mandatars.

Bei der Feuerwehr spekuliert der Beschuldigte mit einem Comeback: Sollte er freigesprochen werden, wolle er sich wieder um den Chef-Posten bemühen. Das sorgt in der Mannschaft, die derzeit einen Interims-Leiter hat und bis Ende des Jahres einen neuen Kommandanten bekommen soll, für ungläubiges Staunen. Beim Tag der Feuerwehr im Mai musste das obligatorische Spendensammeln in den Haushalten abgesagt werden. Kein Kamerad wollte sich nach den Vorfällen um den Ex-Chef Anpöbelungen nach dem Motto „Kauft‘s mit dem Geld Möbel?“ aussetzen.

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