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Chronik Burgenland
07/09/2021

Ein junger Spund als Seniorenombudsmann

Der 32-jährige Jurist Martin Huber (Mitte) leitet die neu geschaffene Anlaufstelle für rund 87.000 über 60-Jährige. LH Doskozil ermutigt Huber beim Amtsantritt, die Politik ordentlich „zu fordern“

von Thomas Orovits

Angesichts des höchsten Seniorenanteils aller Bundesländer verwundert es eigentlich, dass es so lange gedauert hat, bis das Burgenland eine eigene Ombudsstelle für die ältere Generation einrichtet. Denn für Bankkunden, Tierschutz oder Sportvereine gibt es solche Anlaufstellen schon seit Jahren.

Durchaus „sportlich“ ist auch der Auftrag an den 32-jährigen Seniorenombudsmann Martin Huber (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Landespolizeidirektor), den er von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil mit auf den Weg bekommt: „Er muss die Politik im Sinne der Vertretung der älteren Generation fordern und aufzeigen, wo es Handlungsbedarf gibt“. Salopp formuliert, ein Enkel, der sich für Eltern und Großeltern starkmacht.

Junger Jurist

Der Jurist aus dem Südburgenland, der in Wien lebt, hat sich unter 12 Bewerbern durchgesetzt. Sein Credo: „Senioren sollen so lange wie möglich im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben bleiben und ihre Unabhängigkeit und Selbstständigkeit bewahren“.

Wie das umgesetzt werden kann?

Huber möchte den Zugang zur Verwaltung erleichtern, in Fragen des Sozialrechts und des Konsumentenschutzes zur Seite stehen und gegen Altersdiskriminierung vorgehen. Und der Ombudsmann will sein Büro hinter dem Eisenstädter Landhaus auch regelmäßig verlassen und zumindest einmal im Quartal in den Bezirkshauptmannschaften Sprechtage abhalten.

Mit der Einrichtung der Ombudsstelle hat die Landesregierung auch einer Forderung des Landes-Seniorenbeirats entsprochen, betonten Helmut Bieler und Kurt Korbatits, Präsidenten der Seniorenorganisationen von SPÖ und ÖVP.

Mächtige Gruppe

Dass Senioren im Burgenland beileibe keine Randgruppe sind, erhellt schon aus einer bemerkenswerten Zahl: Im Land leben 87.000 über 60-Jährige, das entspricht knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung. „Diese ältere Generation wollen wir servicieren und unterstützen. Dafür braucht es auch gewisse Institutionen und Positionen“, begründete Soziallandesrat Leonhard Schneemann, der für Seniorenangelegenheiten, aber auch für Pflege zuständig ist.

Dass die Gruppe der über 60-Jährigen so groß ist, macht sie nebenbei auch als Wähler attraktiv, besonders für Sozialdemokraten und Volkspartei. Bei der vergangenen Landtagswahl im Jänner 2020 haben die Meinungsforscher von Sora erhoben, dass beide Parteien bei den Senioren besser punkten konnten als in der gesamten Wählerschaft.

Die SPÖ kam insgesamt auf 49,9 Prozent, bei Pensionisten auf 53 Prozent; bei der ÖVP waren es 30,6 zu 33 Prozent. Aber das ist eine andere Geschichte.

ÖVP-Senioren: Kurt Korbatits übergibt an  Rudi Strommer

„Ich habe diese ehrenamtliche Funktion 18 Jahre lang  ausgeübt – das genügt“, erklärt der 83-jährige Kurt Korbatits, warum er bei der  Landesversammlung des ÖVP-Seniorenbundes am 9. September in Pamhagen nicht mehr kandidiert. Nachfolger von Korbatits, früher Eisenstädter Bürgermeister und Landtagsabgeordneter, für die kommenden vier Jahre soll der Illmitzer Rudolf Strommer werden, bis 2020 Zweiter Landtagspräsident.

„Strommer ist mein Wunschkandidat“, sagt Korbatits, „er ist ein guter Organisator und kennt Land und Leute“. Der Seniorenbund ist mit rund 11.000 Mitgliedern die größte Teilorganisation der Volkspartei.
Der wortgewandte 63-jährige Strommer hat in seinen 21 Jahren im Landtag   keinen verbalen Schlagabtausch gescheut, „im Alter wird man aber ruhiger“, brummt der leutselige Milizoffizier im KURIER-Gespräch.

Um klare Worte ist der Seewinkler auch nach dem unfreiwilligen Ende seiner Polit-Karriere nicht verlegen – er hätte im Landtag gern weitergemacht, wurde von seiner Partei aber  nur auf der Landesliste platziert. Gefragt zum geplanten Spital-Neubau  für den Bezirk Neusiedl in Gols, sagt er: Sanierung und Ausbau des bestehenden Hauses in Kittsee und eine echte 24-Stunden-Ambulanz in Frauenkirchen wären wohl vernünftiger und kostengünstiger. Glaubt er, dass Gols bis 2030 fertig wird? „Nein“.

 

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