© Thomas Orovits

Commerzialbank
12/17/2020

Die letzten Stunden der Bank

Im Untersuchungsausschuss ging es am Mittwoch um Telefonate am 14. Juli

von Thomas Orovits

Er wundere sich über die „Akribie“, mit der Telefonaten am Vorabend der Schließung der Commerzialbank Mattersburg nachgeforscht werde, meinte Landesholding-Chef Hans Peter Rucker angesichts hartnäckiger Fragen von ÖVP-Mandatar Thomas Steiner. Tatsächlich stand die 10. Sitzung des Untersuchungsausschusses zur Skandalbank am Mittwoch im Zeichen der letzten Stunden der Commerzialbank. Neben Rucker waren Landesamtsdirektor Roland Reiter und Harald Horvath, Geschäftsführer des Regionalmanagements Burgenland (RMB), als Auskunftspersonen geladen. Letzterer verlangte aufgrund gesundheitlicher Probleme den Ausschluss der Öffentlichkeit.

Vor allem die ÖVP war daran interessiert, „wann wer, welche Informationen erhalten hat“. Sie wirft SPÖ-LH Hans Peter Doskozil (er ist am Donnerstag geladen) vor, verschiedene Versionen aufgetischt zu haben und drängt auf die Offenlegung seiner Telefonprotokolle.

Hintergrund ist auch ein gescheiterter Versuch des RMB am Abend des 14. Juli, die bei der Commerzialbank veranlagten 1,4 Millionen Euro noch abzuziehen und damit zu retten.

Rucker konnte zur näheren Aufklärung dieser Frage nichts beitragen, das RMB gehöre nicht zu den rund 70 Landesunternehmen unter dem Dach der Holding.

Telefone liefen heiß

Im Bereich der Holding habe es vor Schließung der Commerzialbank jedenfalls „keine Versuche gegeben“, noch rasch veranlagte Gelder zurückzuholen, so Rucker. Neben der Energie Burgenland (EB), die als Aktiengesellschaft auch innerhalb der Holding eine Teilautonomie genießt und rund fünf Millionen Euro bei der Commerzialbank verloren hat, habe nur eine weitere Landesgesellschaft Geschäftsbeziehungen zur Commerzialbank unterhalten:

Die Burgenländische Risikokapital Management hatte auf einem Girokonto ein Guthaben von 22.000 Euro, dieses Geld sei von der Einlagensicherung gedeckt.

Was den Informationsfluss am Tag vor dem Aus der Bank betrifft, deckte Rucker den Abend ab – Landesamtsdirektor Reiter den Nachmittag. Reiter bestätigte eine frühere Aussage von Bezirkshauptfrau Franziska Auer, die ihn am späten Nachmittag von einer Selbstanzeige von Ex-Bankchef Martin Pucher informierte. Reiter hat bei Landespolizeidirektor Martin Huber nachgefragt (der wusste nichts von einer Selbstanzeige) und Doskozils Bürochef Herbert Oschep und die für die Finanzabteilung des Landes zuständige Marlies Stubits informiert.

Rucker sagte, Doskozil habe ihn kurz nach 21 Uhr telefonisch über „Probleme“ bei der Bank in Kenntnis gesetzt. Danach hat Rucker den Finanzchef der Holding, den EB-Vorstand und den Chef der Wirtschaftsagentur des Landes kontaktiert. Einen Auftrag Doskozils, Gelder abzuziehen, habe es „nie gegeben“.

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