20 Meter Tüll und viel Leidenschaft: „Aha-Effekt“ zum Anziehen
Die Burgenländerin Dagmar Mikolics fertigt in Wien handgemachte Mode – von Hochzeitskleidern bis zu Bühnenroben.
Von Vanessa Halla
Christa Kummer weiß nicht nur, wie man Gutes tut, sondern auch, wie man gut angezogen ist. Die ehemalige TV-Wetterfee der Nation nahm ihre kürzlich verliehene Sonder-ROMY in einem Kleid von Designerin Dagmar Mikolics entgegen. Ein besonderer Moment auch für die gebürtige Südburgenländerin, die das Kleid gefertigt hat.
„Ich habe daheim vor dem Fernseher gleich das Handy gezückt, als Christa Kummer die Bühne betreten hat. Das Kleid hat herrlich geglitzert im Rampenlicht und sie hat toll darin ausgesehen“, freut sich jene Frau, für die schon als fünfjähriges Mädchen feststand, dass sie beruflich einmal etwas mit Mode machen wird.
Dagmar steht neben der Kleiderstange: Die Modemacherin mag es privat gerne schlicht und schwarz. Zumindest ein Kleidungsstück aus ihrer Kollektion trägt die Südburgenländerin immer.
Dass die kleine Dagmar aus der kleinen Gemeinde Sankt Michael im Bezirk Güssing über vier Jahrzehnte später noch immer als gefragte Modemacherin in der großen Stadt werkt, ist vor allem eines gewesen: harte Arbeit. „Ich habe mein Atelier 2009 während der Wirtschaftskrise eröffnet. Damals bin ich zu Hause gesessen und dachte bloß ,schlimmer kann es eh nicht mehr werden‘“, erinnert sich Mikolics an ihren Sprung in die Selbstständigkeit vor einigen Jahren zurück. 17 Jahre später liebt es die heute 49-jährige Frau immer noch, Entwürfe zu zeichnen und selbst an der Nähmaschine zu sitzen.
Vom Südburgenland in den ersten Bezirk
Mikolics, die an der HBLA Oberwart im Bereich Mode ihre Matura abschließt, geht anschließend nach Wien, wo sie den Beruf der Kleidermacherin in einer Maßschneiderei erlernt. Nach ihrer Meisterausbildung arbeitet sie weitere acht Jahre für eine Designerin, bevor sie ihr eigenes Atelier in der Börsegasse in Wien eröffnet.
Burgenlands Designerin Dagmar Mikolics kleidet Christa Kummer ein – ihr Weg führt von Sankt Michael ins Modeatelier nach Wien.
„Früher war hier das Textilviertel Wiens beheimatet. Heute ist die Gegend als Standort für ein Modeatelier sehr untypisch, aber ich war damals schockverliebt, als ich die Räumlichkeiten gesehen habe. Meine Kundschaft kommt gezielt zu mir ins Geschäft und hier habe ich auch die nötige Zeit zum Arbeiten, schließlich fertige ich jedes Kleidungsstück selbst.“
„MD Modedesign“ (link) – das sind einerseits ready-to-wear Kollektionen, andererseits Unikate nach Kundenwunsch. Außerdem entwirft und schneidert Dagmar Mikolics unter der Marke „Stolze Helden“ Accessoires wie trendigen Hauben, Schals und Unterwäsche für die ganze Familie.
„Ich habe noch nie ,Nein‘ gesagt zu einem anspruchsvollen Auftrag. Im Grunde nähe ich alles – egal ob Bluse oder Businesskleid, T-Shirt oder Abendrobe und natürlich auch Hochzeitskleider. Jeder Auftrag ist eine neue Herausforderung, das macht den Beruf auch so spannend. Kein Mensch gleicht dem anderen, keine Figur der anderen und jeder Anlass wird am Ende ganz individuell gefeiert“, so Mikolics, die in der Hochsaison sieben Tage die Woche in ihrem Atelier werkt.
20 Meter Tüll
„Die Ball- und Hochzeitssaison sind jene Monate, in denen ich am meisten zu tun habe. Neben den Bräuten gilt es auch die Mütter, Brautjungfern und andere Gäste einzukleiden. Eine Ballrobe ist schon sehr aufwendig, aber ein Hochzeitskleid noch mal eine ganz andere Liga. Der Tag ist speziell, die meisten Bräuten kommen mit konkreten Wünschen zu mir. Da setzt man sich an einen Tisch und bespricht alles, dann erst geht es ans Schnitte zeichnen und die Stoffauswahl“, so die Expertin.
20 Meter Tüll, hunderte Stunden Arbeit und ein Leben voller Mode: Designerin Dagmar Mikolics lebt ihren Kindheitstraum.
Apropos Hochzeit: „Das aufwendigste Kleidungsstück meiner bisherigen Karriere war ein Hochzeitskleid. 20 Meter Tüll, zehn Meter Satin, unzählige Strasssteine, Federn und hundert Arbeitsstunden hat es für die Fertigung gebraucht. Da ich auch viele Bräute aus dem Burgenland einkleide, verbinde ich das immer mit einem Besuch meiner Familie in St. Michael. Ich bin meiner Heimat sehr verbunden“, sagt die Modeschöpferin, die sich ihre Inspirationen aus dem alltäglichen Leben, der Natur aber auch der Architektur holt.
„Meine Handschrift hat sich im Laufe der Jahre verändert. Früher habe ich buntere Stoffe mit mehr Muster für meine Kollektionen gewählt. Heute greife ich vermehrt zu reduzierten Farben und Schnitten. Trotzdem muss bei allen meinen Arbeiten ein Aha-Effekt dabei sein. Eine Raffung oder ein Faltenwurf als Hingucker, der das Kleidungsstück besonders macht.“
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