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Chronik Burgenland
08/29/2020

Corona hat sich im Eisenstädter Landhaus vorgestellt

SPÖ-Klubchef Hergovich (links) positiv; Chef der Landesbeamten in freiwilliger Quarantäne

von Thomas Orovits

Ein rot-weißes Absperrband, befestigt an einem Drehsessel und einer Tür, versperrte Freitagvormittag den Weg in den SPÖ-Klub. „Wir haben einen Covid-Verdachtsfall“, erklärte Klubdirektor Tobias Lang dem KURIER. Wenig später war klar, dass es sich um den Chef des Landtagsklubs, Robert Hergovich, handelt, wie der ORF Burgenland meldete. Aus dem Verdacht war inzwischen Gewissheit geworden.

Der Klubobmann (43) dürfte sich bei einem Wanderurlaub in Salzburg angesteckt haben. Er befindet sich mit grippeähnlichen Symptomen in Heimquarantäne. „In der Nacht auf Freitag habe ich zu fiebern begonnen“, sagte Hergovich dem KURIER. Auch seine Frau, sein Sohn und dessen Freundin wurden noch am Freitag getestet, in Quarantäne waren sie schon zuvor.

Zumindest bis zum U-Ausschuss zur Commerzialbank, der frühestens Ende September stattfinden dürfte, will Hergovich „wieder fit sein“.

Die BH Eisenstadt Umgebung prüfte am Freitag Kontaktpersonen. Hergovich hatte etwa  in Trausdorf an einer Gemeinderatssitzung teilgenommen. Kontakte zu anderen Mandataren oder Mitgliedern der Regierung habe es nicht gegeben. Sechs der acht Mitarbeiter des SPÖ-Klubs, die zum Chef zuletzt Kontakt hatten, mussten sich isolieren und testen lassen.

Am Freitagabend meldete sich ein Ehepaar beim KURIER, das den SPÖ-Klubchef und dessen Familie in einem Hotel in der Südoststeiermark gesehen hatte und am Nebentisch saß. KURIER-Recherchen ergaben, dass Hergovich der BH Eisenstadt Umgebung auch diesen Aufenthalt gemeldet hatte. "Wir haben die steirischen Gesundheitsbehörden am Freitag umgehend darüber informiert", so Nicole Schlaffer von der Corona-Koordination des Landes Burgenland. Es sei das übliche Procedere, dass eine Gesundheitsbehörde die im anderen Bundesland zuständige informiere - wie die Steirer dann weiter vorgegangen seien, könne sie aber nicht sagen, so Schlaffer.

Hergovich legt Wert auf die Feststellung, dass er nach dem Auftreten des Fiebers in der Nacht auf Freitag in der Früh gleich abgereist sei, um sich testen zu lassen. "Ich wollte zum Schutz der anderen Hotelgäste kein Risiko eingehen und war nach dem positiven Testergebnis auch sehr froh über meine Vorsicht". Er vermute, dass er sich vor dem zweitägigen Steiermark-Aufenthalt beim Wandern in Salzburg angesteckt habe - wissen könne er es freilich nicht. Beim Essen in Bad Waltersdorf habe zwischen den Gästen großer Abstand bestanden.

Freiwillig und vorsorglich in Heimquarantäne begeben hat sich Landesamtsdirektor Ronald Reiter, der jüngst bei einer Besprechung kaum 15 Minuten mit Hergovich zusammengetroffen war. Die Quarantäne wäre nicht zwingend, er wolle aber auf Nummer sicher gehen und lasse sich testen, so Reiter: „Ich treffe im Landhaus sehr viele Leute und möchte sie keinem Risiko aussetzen“.

Am Donnerstag hatte ÖVP-Parteimanager Patrik Fazekas von SPÖ-Visavis Roland Fürst eine Entschuldigung gefordert, weil Fürst von Ermittlungen gegen einen ÖVP-Ortschef gesprochen hat – die Staatsanwaltschaft Eisenstadt hatte die aber kurz davor eingestellt. Fürst sieht „keinen Grund“ sich zu entschuldigen. Erstens wundere ihn die Einstellung und zweitens sei noch etwas offen. So soll es eine neue Anzeige gegen den Osliper ÖVP-Ortschef Stefan Bubich geben, von der dieser aber nichts weiß. Bubich seinerseits hat die Obfrau des Prüfungsausschusses des Osliper Gemeinderats wegen Verstoßes gegen die Amtsverschwiegenheit angezeigt. Und Bubich will Beweise haben, dass auch höchste SPÖ-Kreise im Land involviert seien.

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