© Wirsind100/Christian Steinbrenner

Chronik Burgenland
08/17/2021

Cari-Cari-Sänger Köck erhielt Zuspruch und wurde beflegelt

Der international erfolgreiche Künstler ließ bei den 100-Jahr-Feiern des Burgenlandes mit Kritik aufhorchen

von Thomas Orovits

Cari Cari ist seit Samstagabend gewiss nicht mehr Liebkind der pannonischen Politik – seit Alexander Köck, Mörbischer Hälfte der international erfolgreichen Indie-Band, im Rahmen der Eröffnungsfeier zu „100 Jahre Burgenland“ auf Burg Schlaining Kulturpolitisches ohne Schmeichelei zum Besten gab: Köck beklagte vor den verdutzten Ehrengästen von LH Hans Peter Doskozil abwärts, dass die Orchestermusiker nur 30 Euro bekämen. Das sei „beschämend“ für ein Kulturland, noch dazu ein sozialdemokratisch geführtes. Was folgte, war erst eine heftige Replik von Alfons Haider, Moderator des Abends und hauptberuflich Generalintendant der burgenländischen Musiktheater, der die 30 Euro im Wesentlichen damit begründete, dass es sich um Studenten handle, und danach die Versicherung von Doskozil, er werde sich persönlich damit auseinandersetzen – der KURIER hat berichtet.

Am Montag hieß es, die jungen Musiker des Eisenstädter Haydnkonservatoriums (Köck hat dort übrigens klassische Gitarre studiert) und der Oberschützener Expositur der Musik-Uni Graz hätten pro Person 120 Euro Aufwandsentschädigung bekommen, allerdings inklusive der mehrtägigen Proben, die aber nirgendwo extra honoriert würden ...

„Das war mein erster ziviler Ungehorsam“, sagt Köck am Montag zum KURIER. Ein bisschen wundert sich der 28-Jährige selbst, dass er sich das vor der Phalanx des burgenländischen Who-is-Who getraut hat, aber er ist auch nach zweimaligem Drüber-Schlafen überzeugt: „Das gehörte gesagt“.

Er habe seither viel Zuspruch bekommen, auch noch am Samstagabend hätten sich Künstler für seine Courage bedankt und ihr eigenes öffentliches Schweigen damit begründet, „abhängig“ zu sein. Aber er sei nach seinem Auftritt auch „beflegelt“ worden. Wer das gewesen sei, wisse er gar nicht, so Köck: „Ich bin ja ein politisches Nackerbatzerl“.

Und nun – war‘s das?

Köck hofft, dass es tatsächlich zu dem von ihm auf der Bühne angeregten Gespräch kommt.

Wobei: Wer genau hinhört, was Köck gesagt hat, merkt, dass es ihm nicht bloß um die 30 oder 120 Euro für die Musikerkollegen geht. Sondern um die Anerkennung des eigenständigen Werts von Kunst, die sich weltweit behauptet und deshalb selbstbewusst genug sein sollte, sich von der Politik daheim nicht als behübschendes Dekor missbrauchen zu lassen.

Die 2014 von Köck und der Steirerin Stephanie Widmer gegründete Band, die einen ganz eigenen Ton geschaffen hat, in den Country-Weisen ebenso einfließen wie Motive von Ennio Morricone, bestreitet 80 Prozent ihrer Konzerte im Ausland. Das Duo kennt Australien ebenso wie die USA und Japan, spielt aber auch in der Osliper Cselley Mühle.

Doskozils Büro hat am Montag bekräftigt, der Landeshauptmann werde sich „des Themas annehmen und mit den Beteiligten Gespräche führen“.

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