Tourismus-Talent: Qualifiziert, aber nicht startberechtigt

Obwohl sie Vize-Landessiegerin wurde, darf Tourismus-Lehrling Uli Bauer wegen formaler Regeln nicht zum Bundesbewerb antreten.
Uli Bauer mit ihrem Chef Josef Puchas im Hotel im südburgenländischen Stegersbach.

Von Gernot Heigl

In die Freude über den Titel „Vize-Landessiegerin“ bei den burgenländischen Lehrlingsmeisterschaften für Tourismusberufe 2025 mischen sich bei Uli Bauer aus dem Bezirk Güssing nun Enttäuschung und Ärger. Denn aus bürokratischen Gründen wird der Berufsschul-Vorzugsschülerin die Teilnahme am heurigen Bundeswettkampf in Tirol verweigert.

Zur Vorgeschichte: Josef Puchas, Hotelier aus Stegersbach und Kukmirn, schwärmte Anfang Dezember im KURIER-Interview über seinen Vorzeigelehrling: „Wir sind stolz auf unsere Uli und schätzen ihre Leistungen sehr. Sie ist wirklich ein toller und engagierter Lehrling. Das hat sie jetzt mit dem Titel als Vize-Landesmeisterin eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

Zweitbeste des Landes

Für ihre Leistung erhielt Ulrike „Uli“ Bauer, die in der Sparte „Hotel- und Gastgewerbeassistentin“ angetreten ist, von der Wirtschaftskammer eine Urkunde.

Als Zweitbeste des Burgenlandes hatte sie sich damit auch automatisch für die Bundesausscheidungen (JuniorSkills Austria 2026) qualifiziert und wurde deshalb von der WKO zu den „Staatsmeisterschaften“ eingeladen. Diese finden Ende April in Landeck statt.

46-223327440

Uli Bauer erhielt für ihre Leistungen eine Urkunde der Wirtschaftskammer.

„Klar habe ich mich auf diesen Wettkampf gefreut. Es ist schon eine große Ehre, wenn man das Burgenland dort vertreten darf“, sagt die 20-Jährige, die derzeit die Berufsschule besucht und anschließend die Lehrabschlussprüfung zur „Hotelkauffrau“ ablegen wird.

Gen Z gibt Gas

Eigentlich wollte die AHS-Maturantin Volksschullehrerin werden. Da sie jedoch keinen Studienplatz bekommen hat, absolvierte sie einen Interessentest beim AMS. Seither gilt Uli Bauer in der Hotelleriebranche als Paradebeispiel dafür, dass die „Generation Z“ im Burgenland auch anders kann.

Denn nicht nur, dass sie im Berufsschulzeugnis lauter „Sehr gut“ hat: Die 20-Jährige absolviert zusätzlich die Ausbildung zur Sommelière und besucht parallel einen Baristakurs sowie einen Barkurs.

Als sie jüngst von Mitschülern erfuhr, dass es bereits Vorbereitungstermine für den Bundeswettkampf gibt, fragte sie bei der burgenländischen Wirtschaftskammer nach. Zunächst hieß es, sie möge noch Geduld haben, da Coaching-Termine und Örtlichkeiten erst koordiniert werden müssten.

Ich konnte es nicht glauben. Natürlich war ich traurig, aber auch wütend. Immerhin bin ich ein Lehrling und durfte ja auch bei den Landesmeisterschaften antreten.

von Uli Bauer

Vize-Landessiegerin

Danach folgte jedoch nicht – wie schriftlich angekündigt – eine Information zum Treffen mit der Trainerin, sondern eine Absage. Darin heißt es, „dass es sich hier um eine Stiftungsausbildung handelt und somit um keine reguläre Lehre. Eine Teilnahme am Wettbewerb ist daher leider nicht möglich.“

„Ich konnte es nicht glauben. Natürlich war ich traurig, aber auch wütend. Immerhin bin ich ein Lehrling und durfte ja auch bei den Landesmeisterschaften antreten“, sagt die Südburgenländerin.

„Eine unglückliche Situation“

Auf KURIER-Nachfrage erklärte der Tourismus-Spartengeschäftsführer der WKO, Franz Perner: „Eine unglückliche Situation. Frau Bauer hat keinen normalen Lehrvertrag, sondern eine Vereinbarung, also eine Art Arbeitsvertrag bei einer Stiftung, weil sie die Lehrlingsausbildung über das AMS begonnen hat. Da die Kriterien beim Bundeswettkampf aber sehr streng sind, ist ihr dadurch eine Teilnahme verwehrt.“

Leider gibt es keine Chance, ihren Ausbildungsarbeitsvertrag in einen normalen Lehrvertrag umzuwandeln.

von Franz Perner

Tourismus-Spartengeschäftsführer der WKO

Der WKO-Experte weiter: „Bei unseren Landesmeisterschaften konnten wir die Regeln großzügiger auslegen. Wir wollen ja unsere Lehrlinge fördern. Streng genommen hätte sie dort aber auch nicht teilnehmen dürfen.“

Vom Lehrling zur Trainerin

Franz Perner, der tagelang nach einer Lösung wegen der bürokratischen Hürde gesucht hat, sagt: „Leider gibt es keine Chance, ihren Ausbildungsarbeitsvertrag in einen normalen Lehrvertrag umzuwandeln.“ Trotzdem unterbreitete Perner ein Angebot: „Als Ersatz bieten wir Frau Bauer an, dass sie in Eisenstadt als Trainerin die teilnehmenden Lehrlinge auf den Bundeswettbewerb vorbereitet.“

Uli Bauer zeigt sich erfreut: „Als Lehrling ein Coach für Lehrlinge, das klingt interessant. Danke für das Vertrauen. Ich werde mich demnächst mit den Verantwortlichen in Verbindung setzen.“

Kommentare