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Chronik Burgenland
08/03/2019

Burgenland: Roter Coup setzt zwei Gegner Schachmatt

Dass der Sauerbrunner Bürgermeister Gerhard Hutter bei der Landtagswahl für die SPÖ antritt, schwächt Kölly und Ortslisten massiv.

von Thomas Orovits

Dass der frühere LBL-Abgeordnete Gerhard Hutter bei der kommenden Landtagswahl am 26. Jänner 2020 als Parteifreier auf einem SPÖ-Ticket antreten wird, lässt nicht nur seinen früheren engsten Mitstreiter, LBL-Chef Manfred Kölly, Gift und Galle spucken. Auch beim Unabhängigen Gemeindevertreterforum (UGVF), unter dessen Dach ein Großteil der 44 Ortslisten versammelt ist, stößt der Ende Juni publik gewordene Schritt von Hutter (er ist auch UGVF-Obmann) auf Unverständnis.

Man sei von Hutter „zwei Wochen vorher“ informiert worden und habe das „zur Kenntnis nehmen“ müssen, sagt UGVF-Vizechef Christian Schaberl zum KURIER. Trockener Nachsatz des Eltendorfers: „Ich war nicht sonderlich begeistert“.

Wichtiger als persönliche Betroffenheit ist die politische Dimension. Hutters Seitenwechsel hat auch zur Folge, dass es nun bei der Landtagswahl „keine Kandidatur“ der Kölly-kritischen Listen des UGVF geben wird, wie Schaberl bedauernd einräumt.

Zum Hintergrund: Als der Bad Sauerbrunner Bürgermeister Hutter Ende Februar just im Rahmen der Landtagssitzung zur Wahl von Hans Peter Doskozil (SPÖ) zum Landeshauptmann bekannt gab, er verlasse wegen unüberbrückbarer Differenzen mit Kölly das Bündnis Liste Burgenland (LBL) und mache als freier Mandatar weiter, wurde der tiefe Graben in der Listen-Familie offenbar.

In den vergangenen Monaten hätten sich immer mehr Listen für eine Kandidatur gegen Köllys LBL starkgemacht, versichert Schaberl. Dass gegen den Deutschkreutzer Bürgermeister Kölly wegen des Verdachts der Wahlmanipulation ermittelt wird, mache ihn für die Listen zum Mühlstein, glaubt der Südburgenländer. Kölly ist indes von der Einstellung des Verfahrens ebenso überzeugt wie von seiner Rolle als Zugpferd im Wahlkampf.

Das Potenzial für eine alternative Listenkandidatur läge landesweit bei bis zu drei Mandaten, glaubt Schaberl.  Ohne Spitzenkandidat sind aber all diese strategischen Planspiele  Makulatur.

Hutter werde  die Obmannschaft im UGVF „definitiv“ zurücklegen. Davor erhalte er  noch die Chance zur „Rechtfertigung“. Für längst überfällig hält Schaberl auch den Abschied Köllys. Bis zur Neuwahl des UGVF-Vorstands nach der Landtagswahl werden Schaberl und  Parndorfs Bürgermeister Wolfgang Kovacs das Forum interimistisch leiten.

Lachender Dritter dieses Konflikts könnte die SPÖ sein: Mit Hutter an Bord hat man einen Konkurrenten (Kölly) entscheidend geschwächt und einem anderen (UGVF) schon vor dem Start den Wind aus den Segeln genommen. Für die Listen des Forums könnte es zumindest ein Trostpflaster geben, wenn Hutter für deren Anliegen die Tür zur künftigen Landesregierung  öffnet – so er denn in den Landtag kommt.