Vom Eislaufen zur Eiswein-Ernte: So erlebt das Burgenland den Winter

Unendliche rSpaß am Eis
Die eisigen Temperaturen lassen das Burgenland aufblühen. Am See wird Schlittschuh gelaufen, in Wiesen Bogerl gefahren und in den Weingärten warten die Winzer auf den richtigen Frost für ihre edelsten Tropfen.

von Johanna Worel

Rote Wangen, kalte Zehen, laufende Nasen. Der gefrorene Neusiedler See ist mit bunten Mützen, gemusterten Daunenjacken und dicken Skihosen geschmückt. Sie bewegen sich vorsichtig, wild oder ganz entspannt über die unebene Eisdecke.

Wo im Sommer Windsurfer ihr Revier haben, bewegen sich jetzt Menschen auf Kufen, zu Fuß oder mit dem Kite über die Fläche. Der Steppensee ist zugefroren – und für kurze Zeit zum (inoffiziellen) Eislaufplatz geworden.

Auf eigene Gefahr

Denn eine offizielle Freigabe zum Eislaufen gibt es auf dem Steppensee nie. Da trotz einer durchschnittlichen Eisstärke von acht Zentimetern (Messung von Donnerstag) große Einbruchsgefahr herrscht.

Wer sich dennoch aufs Eis wagt, tut gut daran, es langsam anzugehen. Nicht alleine unterwegs zu sein, Abstand zu halten und die schilfnahen Bereiche zu meiden, kann helfen, Risiken zu reduzieren – denn die Eisfläche ist nicht überall gleich stark.

Um zuvor auf Nummer sicher zu gehen und sich nach den Eisverhältnissen zu erkundigen, betreiben mehrere Gemeinden rund um den See ein sogenanntes Eistelefon. Sonja Grapa vom Stadtmarketing Rust berichtet, dass zwischen dem Dreikönigstag und Donnerstag, dem 8., schon mehr als 100 Anrufe eingegangen sind. „Wir verbieten das Eislaufen nicht, dürfen aber auch niemanden dazu ermutigen. “

Eine Pistenraupe steht auf einem teilweise verschneiten Hang neben Gebäuden und Bäumen.

Die Schneekanonen liefen  auf Hochtouren, um die Saison rechtzeitig starten zu können.  

Bogerl fahren in Wiesen

Ab Samstag wird es auch abseits der Eisfläche lebhafter. Im Seebad Rust öffnen die Betreiber einen Schlittschuhverleih – die Gemeinde ist daran nicht beteiligt. Zudem haben Lokale in der Umgebung geöffnet und laden zum Aufwärmen ein. Wer das Eis lieber meidet, kann den Wintertag also auch vom Ufer aus genießen.

Der Winter zeigt sich im Burgenland aber nicht nur am See von seiner aktiven Seite. Einige Kilometer weiter kann man von Kufen auf Bretter wechseln. Auf der Skiwiese Wiesen wird nicht geglitten, sondern Bogerl gefahren – seit Tagen laufen dort die Schneekanonen auf Hochtouren. Gestern wurde die Piste freigegeben. Ein Schlepplift, Ski- und Snowboardkurse sowie eine Hütte gehören zum Angebot. Das Nötigste ist vorhanden, um Winterstimmung aufkommen zu lassen. Wie lange der Betrieb möglich ist, entscheidet das Wetter. Der Verein rechnet derzeit – wenn die Temperaturen mitspielen – mit drei bis vier Wochen Betrieb.

Reife Weintrauben hängen an kahlen Reben in einem nächtlichen Weinberg.

Eiswein wurde zur seltenen Spezialität – der Jahrgang 2026 ist aber vielversprechend.

Eiswein, das flüssige Gold

Die frostigen Temperaturen erfreuen nicht nur Wintersportlerinnen und -sportler, sondern auch die Winzer: Sie schaffen die nötigen Bedingungen für die Eiswein-Ernte.

Dafür müssen die Trauben bis in den Winter am Rebstock hängen und werden erst gelesen, wenn sie natürlich gefroren sind. Bleibt der Frost aus oder tauen die Trauben zwischendurch auf, fällt die komplette Ernte aus.

Weil dabei alles vom richtigen Frost abhängt, ist Eiswein heiß begehrt – und keine Selbstverständlichkeit. Im vergangenen Jahr blieb die Eiswein-Ernte im Burgenland aus, da es an ausreichend kalten Nächten fehlte.

Ob auf dem Eis, auf der Piste oder zwischen den Reben – der Winter im Burgenland zeigt viele Facetten. Wie lange Frost, Schnee und Eis bleiben, ist offen. Klar ist: Solange die Temperaturen mitspielen, werden Seen und Wiesen umfunktioniert.

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