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Chronik Burgenland
10/17/2020

Blaues Chaos: Haidingers Rauswurf dürfte nicht halten

Nach Hofer-Abgang. FPÖ muss innerhalb eines Monats neuen Parteichef küren

von Thomas Orovits

Nach dem unerwarteten Rückzug von FPÖ-Bundesparteichef Norbert Hofer von der Spitze der Landespartei am Donnerstag (der KURIER hat berichtet), stehen Burgenlands Blaue noch ratloser da als im März. Damals war Hofer beim FPÖ-Landesparteitag selbst in den Ring gestiegen, um seine Landestruppe vor einer Parteispaltung zu bewahren.

Weder Ex-Landesrat Alexander Petschnig noch Ex-Landtagsabgeordneter Manfred Haidinger, die um die Nachfolge von Langzeitparteichef Hans Tschürtz ritterten, würden eine deutliche Mehrheit erzielen, so die Befürchtung Hofers. Er trat anstelle Petschnigs gegen Haidinger an, der sich als Vertreter der Basis sah – erreichte aber nur 75,8 Prozent.

Dieses maue Ergebnis war der Anfang vom jähen Ende Hofers als Landesparteichef. Die beim März-Parteitag sichtbar gewordenen Gräben wurden auch in den Monaten danach nicht zugeschüttet, sondern noch breiter. Im Zentrum stand fast immer Tschürtz, der trotz starker Verluste bei der Landtagswahl als Klubchef weitermachte, als wäre nichts gewesen. Und Hofer, der im März angekündigt hatte, die Zügel straffer anziehen zu wollen, ließ die Zügel schleifen – zunehmend entnervt von den Scharmützeln. Dass er im Burgenland hingeschmissen hat, ist ein Indiz dafür, dass er nach dem Debakel der Blauen bei der Wien-Wahl alle Kraft gegen seine Demontage an der Bundesparteispitze braucht.

Vor seinem Abgang als Landesparteichef griff Hofer doch noch hart durch. Aber nicht gegen Tschürtz, dessen Ausschluss Haidinger gefordert hatte – sondern gegen Haidinger. Der streitbare Bundesheergewerkschafter wurde aus der FPÖ ausgeschlossen, weil er Interna an Medien gespielt haben soll.

Haidinger „guten Mutes“

Der frühere Abgeordnete aus Halbturn weist diesen Vorwurf zurück und erinnert am Freitag im KURIER-Gespräch an die Vorläufigkeit seines Ausschlusses. Der Landesparteivorstand müsse den noch absegnen. Dass dort die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit für den Rauswurf Haidingers zustande kommt, darf bezweifelt werden.

Haidinger dürfte also Parteimitglied bleiben und könnte beim außerordentlichen Parteitag, der innerhalb eines Monats stattfinden muss, wieder antreten.

Ob Petschnig, der als Hofers einziger Vize derzeit die Partei führt, kandidiert, will er übers Wochenende entscheiden. FPÖ-Doyenne Ilse Benkö sagt „apodiktisch nein“ zu einer Kandidatur, „die Jungen sind jetzt an der Reihe“ und es sollte ein Mandatsträger sein: Dann bleiben nur die Landtagsabgeordneten Petschnig und Géza Molnár sowie Nationalrat Christian Ries.

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