Vom Drucker zum Kaufmann mit eigenem Supermarkt
Von Gernot Heigl
Die erste Billa-Filiale im Südburgenland ist seit etwa zwei Wochen in privater Hand. Übernommen hat den Supermarkt in der Oberwarter Umlegungsstraße Richard Willax, ein diplomierter Kaufmann aus Schandorf (Bezirk Oberwart). Der 57-jährige, verheiratete Familienvater ist Chef von 30 Mitarbeitern und hat einen ungewöhnlichen Lebenslauf.
Der Burgenländer erlernte zunächst den Beruf des Druckers, ehe er vor rund 30 Jahren in die Feinkostabteilung bei Merkur wechselte. Dort arbeitete er sich im Laufe der Zeit zum Leiter von Feinkost und Backwaren hoch, stieg anschließend zum Rayonsleiter auf und wurde schließlich – nach der Zusammenlegung von Merkur und Billa – Frischemanager für die Steiermark und das Burgenland.
„Dazwischen habe ich über den zweiten Bildungsweg im BFI die Abendschule besucht und den Handelsfachwirt inklusive Matura gemacht“, schildert Willax. „Seit 11. März bin ich selbstständiger Kaufmann und Geschäftsführer einer mit Billa gegründeten OG.“
Der Weg zum Supermarkt
Nach der Bezahlung einer Ablöse für Ware und Markt ist der Schandorfer nun für Zehntausende Artikel verantwortlich, die er frei wählen kann. „Mein Hauptpartner ist natürlich Billa, aber ich habe freie Hand und kann auch von anderen Händlern Produkte beziehen. Da gibt es keine Einschränkungen.“
Vor allem möchte er Erzeugnisse aus der Region ins Sortiment aufnehmen. „Es gibt bereits Kooperationen, die ich ausweiten möchte. Dabei orientiere ich mich an den Wünschen meiner Kunden.“ Selbst bestimmen kann der Kaufmann auch Preise, die Gestaltung seiner Filiale und die Öffnungszeiten. Der Mitarbeiterstand ist derzeit ausgelastet, demnächst sollen auch Lehrlinge aufgenommen werden.
Richard Willax hat einen ungewöhnlichen Berufsweg eingeschlagen.
Warum hat Willax diesen Weg eingeschlagen? „Ich wollte nicht mehr so viel im Außendienst sein und die Aufgabe hat mich gereizt. Aufgrund meiner aktuellen Arbeitswoche werden zwar meine Hobbys leiden, aber das wird bald besser. Denn ich habe einen tollen Stellvertreter und ein super Team.“
Schon fünf „private Billas“ im Burgenland
Neben der Franchise-Variante in Oberwart gibt es laut Willax bereits vier „private Billa-Filialen“ im Norden, nämlich in Forchtenstein, Pöttsching, Rust und Zurndorf. „Seit circa drei Jahren wird dieses Geschäftsmodell angeboten.“ Am Anfang steht eine Filialausschreibung durch Rewe. „Dann werden Bewerber selektiert und speziell ausgebildet, ehe es im Idealfall den Zuschlag gibt und die wirtschaftlichen Punkte abgewickelt werden. Dann ist man selbstständiger, eigenverantwortlicher Kaufmann in seinem eigenen Supermarkt.“
Vereinen, Firmen und Organisationen wie Feuerwehren bietet Richard Willax für Großveranstaltungen auch die Möglichkeit, Kunde auf Lieferschein mit Monatsrechnung zu werden. „Der Wunsch wurde vor Kurzem an mich herangetragen und von mir umgesetzt. Reaktionsschnelligkeit ist eben einer der Vorteile, wenn man sein eigener Chef ist.“
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