Tattoo-Messe: Sterne, Schmerzen und Sucht

Zum achten Mal pilgerten Tätowierte, und solche, die es noch werden wollen, zur Tattoo-Convention nach Wien um alles übers "Pecken" zu erfahren.

Am Wochenende hörte man in Wien das Surren der Tätowiernadeln von der Burggasse bis zum Westbahnhof: Von 5. bis 6. November fand im Arcotel Wimberger die achte Tattoo-Convention statt. 

Zum Druchklicken... Dort gaben sich mehr als 50 Tätowierer aus über 15 Ländern ein Stelldichein und zeigten vor Live-Publikum, was sie mit Nadel und Farbe fertig bringen. Der Andrang war groß, für die Tattoo-Artists gab es reichlich zu tun. Verschnaufpausen gönnten sie sich kaum, denn an jedem Messestand wurde beinahe ununterbrochen gestochen. Zwischendurch gab es auch musikalisches Unterhaltungsprogramm auf der Bühne, doch das große Interesse galt in jedem Fall Nadel und Farbe. Auffallend war, dass die Haut der Tattoo-Artists oft selbst am meisten geschmückt war. Der 23-jährige Erix tätowiert für "Dye Hard Ink" in Wien. "Seit drei Jahren habe ich meine offizielle Lizenz. Stechen tu ich aber schon seit meinem 15. Lebensjahr" gab er zu. Er erklärte: "Oft ist es schwieriger ein kleines Tattoo zu stechen als ein großes, da die viel detailreicher sein können. Aber ein kleines chinesisches Zeichen, schaffe ich in zehn bis zwanzig Minuten." Deshalb wäre es auch nicht so einfach feste Preise für Tattoos feszulegen, erläuterte Erix, "das kommt immer auf den Aufwand an, aber für ein fünf mal fünf Zentimeter großes Motiv, sollte man ungefähr um die 100 Euro rechnen." "Trends kommen immer mit Generationen" erklärte der Tätowierer weiter, "in den 80er Jahren wollten viele Menschen große Ritterburgen gestochen haben." "In den 90er Jahren waren es die Gesäßtribals" sagte Erix, worauf seine Kollegin laut auflachte. "Na, ich kann ja in den Medien nicht `Arschgeweih` sagen," so der 23-Jährige mit einem Augenzwinkern. "Im Moment sind es die Sterne, die in allen Größen, Farben und Variationen die verschiedensten Hautstellen zieren" sagte der Tattoo-Artist. Ein Trend, von dem manche Tätowierer anscheinend schon genug haben, wie ein Schild bei einem Messestand beweist: "Sterne ausverkauft". Auf die Frage, nach dem schrägsten Tattoo, das Erix jemals gestochen hat, erinnerte er sich: "Schwer zu sagen. Einmal habe ich jemandem ein  AMA-Gütesiegel auf den Hintern tätowiert." Eine junge Frau ließ sich gerade ihr siebentes Tattoo stechen, als sie erzählte: "Man kann nicht sagen, dass der Schmerz mit jedem Tattoo nachlässt. Es ist eigentlich jedes Mal anders, das kommt immer auf die Stelle an, an der man tätowiert wird". Für sie habe jedes ihrer "Peckerl" eine persönliche Bedeutung und erinnere sie an Erlebtes. Eigentlich hatte sie schon den Tätowierer ihres Vertrauens gefunden. Nach ihrem Umzug von Deutschland nach Österreich musste sie sich aber auf die Suche nach einem Neuen machen und ließ sich kurzerhand auf der Messe stechen. Eine Grenze gibt es für sie nicht: Die Anzahl der Tattoos, die sie sich künftig noch stechen lassen will, ist nach oben offen,.... ... denn "Tätowieren macht auf jeden Fall süchtig." Das bestätigt auch Christian: "Hat man eines, will man mehr." Er ist Piercer im Tattoo- und Piercing-Studio "Jaks" in Maria Enzersdorf. Sein erstes Tattoo hat er vor 25 Jahren bekommen, heute zieren einige mehr seinen Oberkörper. Piercings hat er selbst nur in den Ohren, obwohl er gestand: "Für Piercings gibt es keine ungewöhnlichen Stellen. Nur intime." Zentrales Thema im Gespräch war auch hier die Pein: "Bei großflächigen Tätowierungen vergisst man manchmal den Schmerz sogar,... ...früher oder später kommt man aber immer an eine Stelle, die eine Qual ist. Man würde es nicht glauben, aber der Hintern tut höllisch weh." Dabei wären die Umrisse nur halb so schlimm, wirklich schmerzhaft sei das Auffüllen und Schattieren der Kunstwerke, so Christian. Das Interesse an Tattoos bleibt jedenfalls ungebrochen, wie der große Andrang an der Convention zeigte, denn Tätowieren wird sowohl bei Männern als auch bei Frauen immer populärer.

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(KURIER.at) Erstellt am
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