Patrick Wolf: "Disco-Time" erst am Schluss

Sauber aber wenig experimentierfreudig zeigte sich Indie-Pop-Multiinstrumentalist Patrick Wolf am Sonntag in der Arena.

Ungewohnt bieder betrat Patrick Wolf Sonntagabend die Bühne der Wiener Arena im weißen Sakko und überraschte durch fast bürgerliches Auftreten, ist der Künstler doch vor allem für seine schrägen Bühnenoutfits bekannt. 

Zum Durchklicken ... So überraschend Patrick Wolfs Bühnenoutfit war: Seine Fans verzückte er dennoch gleich zu Beginn des Konzertabends mit dem Song "Pigeon Song" ... ... und gab im Anschluss mit dem etwas poppigeren "House" mehr Gas. Leider passte sich Patrick Wolf mit Fortdauer des Konzerts  musikalisch seinem Kleidungsstil an: Wie schon das aktuelle Album "Lupercalia" war die Show schön inszeniert und tadellos gespielt, jedoch... ... ohne jene Ecken und Kanten, die man aus früheren Konzerten kannte. Dafür standen diesmal auch wesentlich mehr Teenie-Girls in der ersten Reihe. Da war auch die instrumentale Vielfalt nur ein kleiner Trost: Auf der Bühne fanden sich neben Keyboard und Ukulele auch ... ... Klarinette und Saxophon, ... ... bis hin zu Geige und Harfe. Trotzdem spielte Patrick Wolf nur seine massentauglichsten Nummern und zeigte sich wenig experimentierfreudig. Da gab es kaum Abweichungen von den Studioversionen. Lockerer wurde es, als Patrick Wolf nach einigen Nummern das Jackerl endlich auszog, seinen Krawattenknoten lockerte, die ersten Knöpfe seines Hemds öffnete und pfauenhaft über die Bühne stolzierte - wie eine Pop-Ikone der 80er Jahre. So sang der Musiker neue Songs wie "The Time Of My Life", "The Days", das er über seine Zeit in Wien schrieb und "Bermondsey Street" ... ... und kramte auch alte Nummern aus seinem großen Repertoire hervor: "Tristan" wurde ebenso bejubelt wie "Magic Position". Bei "The Future", legte Patrick Wolf kurzerhand ein Hackbrett übers Knie, um sie mit den Fingern zu spielen. Schön war auch das Bühnenbild. Die Kulisse zeigte die Skyline einer Stadt, eine Anspielung auf Wolfs Lied "The City". Auch "House" wurde mit einer Art Bühnenbild gewürdigt: Da wurden zwei Miniaturhäuser aus Holz aufgestellt.

Bild: Hat sich das Bühnenbild an Tex Rubinowitz` Skyline von "Dorfers Donnerstalk" orientiert? Nach einer Stunde verschwand Wolf von der Bühne um im Glitzershirt zurückzukehren und gab "Together" zum Besten. Dabei erinnerte er an eine am Balkon stehende, die Arme ausbreitende Evita Peron. Erst am Ende der Show gab es ein wenig Wolf-Action: Der Brite schnallte sich zwei ausgestopfte Tiere auf die Schulter und gab nach eineinhalb Stunden mit "Armistice" die erste Zugabe, eine Nummer die von Geige, Harfe und Bass getragen wird. "City" widmete der Künstler dann Wien und bedankte sich bei dieser Gelegenheit bei seinen österreichischen Fans. Wien sei jedes Mal ein "Highlight" auf seiner Tour. Mit der letzten Zugabe gelang Patrick Wolf noch  ein später Höhepunkt: Mit den Worten "Disco Time!" läutete Patrick Wolf den zehn Jahre alten Song "Bloodbeat" ein. Damit konnten die neugewonnen Fans zwar wohl wenig anfangen, bei seinen langgedienten Fans kratzte er aber noch einmal die Kurve.
(KURIER) Erstellt am
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