Wirtschaft/Karriere

So finden Sie Motivation für das neue Jahr 2021

Das Jahr 2020 stellte selbst die größten Optimisten auf die Probe. Wirtschaftsprognosen wurden ständig nach unten korrigiert, die Zahlen der Arbeitslosen wurden immer höher, das psychische Nervenkostüm dünner. Die dunkle Jahreszeit und der zweite Lockdown kurz vor Weihnachten nahmen vielen dann noch das letzte bisschen Zuversicht auf ein gutes Jahresende. Es war schlimm, keine Frage. Heute ist das neue Jahr 2021 zwei Tage alt geworden. Und damit ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um loszulassen.

Loslassen, das Alte ziehen lassen, um den Blick auf das zu richten, was vor uns liegt – ein erfrischender Gedanke. Ganze 363 Tage in unseren neuen Kalendern sind noch blank und bereit, mit neuen Ideen und Zielen befüllt zu werden. Also, raffen wir uns auf, packen wir es an. Es ist Zeit, den inneren Optimisten wieder zu wecken und zu stärken. Auch Forscher sagen: Optimismus ist nur zum Teil genetisch veranlagt. Einen sehr viel größeren Anteil machen Erziehung, Ereignisse aus unserem Leben und das soziale Umfeld aus.

Pflege und Übung

Optimismus ist also erlernbar, dazu braucht es nur etwas Pflege und Übung. Dass es sich lohnt, zeigen Studien immer wieder. Optimisten sollen nicht nur gesünder sein, sondern auch ein längeres Leben haben. So weit, so gut. Doch wie kann man optimistisch sein angesichts der hohen Arbeitslosigkeit? Vielleicht muss man sich beruflich anders aufstellen, seine Karrierepläne neu denken, sich von der anvisierten Beförderung verabschieden, einen angestrebten Jobwechsel auf Eis legen.

Im Dezember waren die Sorgenfalten auf der Stirn der Österreicherinnen und Österreicher dementsprechend tief, zeigt ein Report des Meinungsforschungsinstituts Ima. Neben der wirtschaftlichen Unsicherheit, dem Ansteckungsrisiko und der emotionalen Belastung, fürchteten viele auch drohende negative Veränderungen in der Gesellschaft. Hinzu kommen finanzielle Ängste – rund jeder Neunte ist von Einbußen betroffen.

Neues Jahr, neue Pläne

Doch es machen sich auch Veränderungen bemerkbar. Einer Xing-Umfrage zufolge hätten viele das Corona-Jahr auch genutzt, um sich über ihre Zukunft und das, was sie wirklich wollen, Gedanken zu machen. Die persönliche Weiterentwicklung steht bei mehr als der Hälfte ganz oben auf der Wunschliste.

Zu besonderen Anlässen – und der Jahreswechsel ist so einer – überdenken Menschen oft ihre Lebenssituation. Nicht umsonst haben wir die rituellen Neujahrsvorsätze erfunden. Doch wie geht man das am besten an? Für den individuellen Weg helfen ein paar Kniffe aus der Psychologie.

Erster Schritt: Akzeptanz

„Noch sind die Menschen sehr getrieben von der Pandemie“, glaubt Bärbel Wardetzki, Psychotherapeutin und Autorin. Wir würden noch nach dem richtigen Umgang mit dem ungebetenen Wandel suchen. „Der erste Schritt beginnt mit der Akzeptanz“, erklärt Wardetzki. Es klingt banal, ist aber oft gar nicht so einfach: Bis zur Akzeptanz sei es ein schmerzhafter Prozess, doch wer an diesem Punkt angelangt sei, habe die schwerste Phase hinter sich, führt die Expertin aus.

„Das ist die Phase des Widerstands. Man wehrt sich gegen die Veränderung. Wir werden von unseren Gefühlen überrannt, Wut, Trauer, Hilflosigkeit kommen hoch und wir wünschen uns das Alte und Bekannte zurück.“ Wer diesen Tiefpunkt überwunden hat, beginnt, seine Komfortzone zu verlassen, und stellt sich den Veränderungen, macht sie handhabbar. „Man beginnt, loszulassen, schaut nach vorne und ist bereit, wieder anzupacken“, so die Expertin.

Kein Widerspruch

Wie das geht, damit hat sich Wardetzki eingehend in ihrem Buch „Loslassen und Dranbleiben“ beschäftigt. Seit 2019 ist es auf dem Markt und heute ist das Buch aktueller denn je. Dass Loslassen und Dranbleiben sich nicht gegenseitig ausschließen, erklärt sie so: „Ungebetenen Veränderungen begegnen wir, indem wir Bisheriges loslassen, was nicht mehr funktioniert, und trotzdem dranbleiben an Zielen und Wünschen.“

Übertragen auf den Arbeitsmarkt hieße das: Liegt die eigene Branche komplett brach, müsse man eingestehen, dass der Weg in eine Sackgasse führt. „Krampfhaftes Festhalten bringt einen nicht weiter. Eventuell ist ein Umorientieren sinnvoll. Im Loslassen werden wir wieder kreativer und handlungsfähiger.“

Guideline zum Neustart

Sie rät, sich nur Dinge vorzunehmen, die einem auch wirklich am Herzen liegen. Zweitens: Nicht zu viel auf einmal. Besser, seine Pläne in kleine Schritte zerlegen und Ziele setzen, die erreichbar sind. Drittens: Rückschläge einkalkulieren und nicht daran verzweifeln. Hilfreich sei auch, sein Leben nach anderen schwierigen Situationen zu durchforsten, die man bereits gemeistert und somit wieder präsent hat. „Wenn wir diese Kräfte früher hatten, haben wir sie heute auch noch, sie gehen nicht einfach verloren.“

Selbstverantwortung und emotionale Intelligenz, also am Ende immer auf sich selbst zu hören, sind laut Expertin wichtig im Umgang mit Veränderungen. „Die Verantwortung, wie ich meine Probleme löse, kann ich keinem in die Schuhe schieben. Wenn nichts mehr geht, ist die Hilfe von außen aber sinnvoll.“ Der Mensch liebt die Routine – doch manchmal ist ein plötzliches Ausbremsen gut, glaubt Wardetzki. „Der Blick auf die Welt und die Bedürfnisse ändern sich, man richtet sich neu aus.“

Viele Menschen stehen nun genau vor so einer Schwelle: suchen sich einen neuen Job, planen den nächsten Karriereschritt, möchten sich weiterbilden oder beruflich umsatteln. Expertinnen und Experten haben uns erklärt, wie es am besten gelingt:

1. Jobsuche

Zugegeben: Die Ausgangslage für Arbeitssuchende könnte besser sein. Hunderttausende sind auf Jobsuche, freie Stellen gibt es wenig,  der Wettbewerb am österreichischen Arbeitsmarkt ist höher als sonst.  Für Bewerber und Bewerberinnen heißt das: Geduld und Ausdauer aufbringen. Experten vermuten, dass Bewerbungsverfahren aufgrund der gewachsenen Menge pro Ausschreibung in die Länge gezogen werden.  Andreas Fida-Taumer, Klinischer- und Gesundheitspsychologe sieht die Sache aber positiv: „Der Jahreswechsel eignet sich gut für einen Neubeginn. Man ist motivierter, sich neue Ziele zu überlegen, das geht im normalen Alltag oft unter.“

Plötzliche Arbeitslosigkeit sei ein großer Schock, hier müsse sich jeder neu sortieren, so der Experte. Damit es man nicht in ein Loch fällt, rät er vor allem zu Struktur: „Einen Tagesplan machen, zu fixen Zeiten aufstehen, festlegen wann man auf Stellensuche geht.“ Wichtig sei auch die Freizeitplanung sowie eine Beschäftigung abseits der Jobsuche.  Studien belegen, Menschen identifizieren sich über ihre Arbeit, dort erlebt man Erfolge und Anerkennung,  Arbeitslosigkeit wird als Kontrollverlust erlebt. Gute Abhilfe:   „Ehrenamtliche Tätigkeiten. Sie steigern das Selbstwertgefühl.“

2. Jobwechsel

Der Jahreswechsel löst bei vielen den Drang nach einem beruflichen Neubeginn aus und  üblicherweise deckt sich die Wechselwilligkeit auch mit Umfrageergebnissen. Diese fallen wegen Corona  gedämpfter aus als sonst  – ist 2021 also ein guter Zeitpunkt für den beruflichen Abflug? Generell sei ein Jobwechsel immer fordernd und ein Aufbruch ins Ungewisse, relativiert Karriereberaterin Sonja Rieder: „Vor allem, wenn man ins Blaue kündigt.“ Das rät sie übrigens nur jenen mit starken Nerven, sowie jenen, die generell einen guten Marktwert haben, und unlängst auch Jobangebote gekriegt haben. Für  jene die Sicherheit brauchen, sei es besser, erst dann zu wechseln, wenn schon Gespräche geführt wurden und es ein konkretes Angebot gibt, rät Rieder.  

Wichtig sei, den Druck aus dem Prozess rauszunehmen, nicht zu weit vorauszudenken und zu reflektieren, ob der Wechsel Sinn macht, oder nur eine kurze Laune ist. „Es gibt aber so etwas wie den ,Point of no Return“, den Menschen oft lange Zeit überschreiten. Innerlich haben sie schon gekündigt“,  so Rieder. „Dann sollten sie nicht mehr lange warten, sonst kommt man in eine Abwärtsspirale.“  Der häufigste Grund für einen Jobwechsel  sei Routine.  „Viele haben das Gefühl, sich nicht mehr weiterentwickeln zu können, dass es keine Aussicht auf Verbesserungen gibt.“

3. Beruflich umsatteln

Corona hat die Wirtschafts- und Arbeitswelt hart an die Wand fahren lassen – die plötzliche Kopfwäsche hat aber auch dazu geführt, dass neue Geschäftsmodelle entstanden sind, Betriebe in der Krise neue Produkte auf den Markt brachten, sich ein neues Standbein suchten. Aber auch für Arbeitnehmende wurde mitunter klar: Oft rennt man Dingen hinterher, die einem vielleicht gar nicht gut tun, und die der Erwartungshaltung anderer entsprechen. Auch Thomas Ratka, Vizerektor der Donauuniversität Krems weiß aus Erfahrung, dass viele seiner Studierenden die Krise nutzen, um sich “beruflich neu zu erfinden.“

Sich für einen anderen Beruf zu entscheiden, ist eine große Veränderung. Ein innerer Check könne helfen, herauszufinden, was zu einem passt,  so Psychotherapeutin Bärbel Wardetzki: „Wo sind meine Kompetenzen, was kann ich gut, was mache ich gerne, in welche Richtung zieht es mich? Gibt es Fähigkeiten, die ich auch in einem anderen Beruf einsetzen kann und die dort auch verlangt werden?“ Eine andere bewährte Methode ist die  „SWOT-Analyse“. Neben der Persönlichkeitsanalyse schaut man sich dabei an, welche Berufe gefragt sind, wie groß die Konkurrenz ist, wie gut bestimmte Branchen dastehen, berücksichtigt Chancen und Risiken.  Wardetzki: „Wir sollten aber mehr auf die innere Fülle schauen und verorten, wo am Arbeitsmarkt eigene Kompetenzen gefragt sind.“

4. Beförderung

Karriereknick im Homeoffice? Das muss nicht sein. Klar – die Bedingungen sind anders, da man bei der Vergabe von Projekten nicht mehr zur rechten Zeit am richtigen Ort sein kann, es keine spontanen Brainstormings mit dem Vorgesetzten in der Kaffeeküche gibt. Was aber nach wie vor gleich bleibt, ist: auf sich und seine Leistungen aufmerksam zu machen. Karriereberaterin Sonja Rieder empfiehlt: „Wer weiterkommen möchte, muss klare Signale aussenden, seine Leistungen sichtbar machen und dabei ist es wichtig, den Kontakt mit dem Chef oder der Chefin zu suchen und nicht auf deren Initiative zu warten. Eigen-PR ist hier das A und O.“ Ein Anruf oder eine Video-Konferenz eignen sich dafür genauso.  

Denn: Einfacher wurde die Arbeit mit teilweise 100 Prozent Homeoffice nicht – im Gegenteil. Oft wuchsen die Aufgabenbereiche und jedenfalls die Selbstverantwortung. Und nach wie vor haben Unternehmen Bedarf nach Mitarbeitenden, die alles im Blick haben, Ideen für eine bessere virtuelle Zusammenarbeit haben,  Lösungen für Probleme nennen und somit gibt es auch Bedarf nach Beförderungen. Trotzdem solle man immer auch nach seiner Persönlichkeit gehen, rät die Expertin. „Für manche ist eine Konzernkarriere das richtige, anderen fehlt irgendwann die Gestaltungsfreiheit  – wenn das Umfeld nicht passt, wird es schwerer, beruflich aufzusteigen.“ Wie sich die eigene Karriere entwickelt, hängt laut der Karriereberaterin also stark mit dem eigenen Charakter zusammen. Sich für eine gewisse Position zu verbiegen,  funktioniert langfristig gesehen nicht.

5. Weiterbildung

Viele Arbeitnehmende sind bildungsinteressiert – das Problem ist oft die verfügbare Zeit, die neben dem Job nicht ausreicht.  Thomas Ratka,  Vizerektor der Donauuniversität Krems, rät,  auf das Kurskonzept zu achten, falls man sich weiterbilden möchte. Berufsbegleitende Studiengänge würden oft später zwischen 18 und 22 Uhr stattfinden, richten sich damit eher an jüngere TeilnehmerInnen, so Ratka.  „Weiterbildungsstudenten sind im durchschnittlich 40 Jahre alt, bevorzugen längere Blöcke am Wochenende und zeitlich flexibleren Kompetenzerwerb durch Anreicherung mit Blendes Learning.“ Ratka ist überzeugt, dass der Anteil der Weiterbildungszeit im Erwerbsleben in Zukunft wachsen wird. „Derzeit verbringen wir noch einen Großteil in der Ausbildung. Aber die Halbwertszeit des Wissens wird immer kürzer, Weiterbildung wird in Zukunft vergleichsweise mehr Bedeutung zukommen.“

Auch für die Karriere ergeben sich einige Vorteile: Man lerne transdisziplinäres Denken, und sei in der Lage, Denkmuster anderer Bereiche und Berufe anzunehmen. „Ein Mediziner kann sich durch eine juristische oder wirtschaftliche Weiterbildung für einen Job auf der Managementebene qualifizieren.“ Außerdem erweitere man sein Netzwerk. Der beste Zeitpunkt für eine Weiterbildung ist höchst individuell. Viele verbinden sie mit einer Beförderung, einem Jobwechsel – und Krisen:  „Im Vergleich zum  Vorjahr haben wir um 30 Prozent mehr Weiterbildungsstudierende.“ 

6. Mehr Motivation im Job

Die Freude an der Arbeit ist wie die Freude in einer Beziehung: Zu Beginn sorgt ein Verliebtheitsgefühl für anhaltende Glücksgefühle, die mit der Zeit etwas nachlassen. „Diesen Anfangszauber gibt es auch im Job, allmählich verblasst er“, sagt Arbeitspsychologin Christine Hoffmann. Zwar gebe es im Arbeitsalltag genügend Reize die Freude und Motivation auslösen können, generell richte der Mensch seine Aufmerksamkeit aber eher auf jene, die bedrohlich oder herausfordernd sind, erklärt die Expertin. Das Gute ist, wir  können unseren Denkprozess umpolen. „Tagesreflexionen können helfen, seinen Fokus auf Positives zu lenken“, so Hoffmann. „Welche Dinge in der Arbeit bereiten Freude? Welche Tätigkeiten erachtet man als sinnerfüllend, welche Aufgaben stiften einen Mehrwert für die Gesellschaft?“

Manchmal sorgen bestimmte Tätigkeiten für einen Durchhänger. „Dinge die unangenehm oder langweilig sind, am besten sofort erledigen. Schiebt man sie vor sich her, gehen die Gedanken automatisch immer dorthin“, rät Hoffmann. Ein Trick: Das Unangenehme, etwa das Ausfüllen einer Liste, mit etwas Angenehmen, zum Beispiel mit einer Tasse Kaffee, verbinden. Wer Homeoffice und Homeschooling parallel schupft, dem rät sie: „Weg von den Idealvorstellungen, definieren Sie    Arbeitserfolge neu, indem Sie  drei Dinge priorisieren, die Sie auf jeden Fall erledigen möchten, sowie bewusst Feierabendrituale einführen.“