12.12.2018

Dieselskandal: Autos sollen nach Update schlechter beschleunigen

© Bild: AP/ap

Gutachter des VKI geht mit VW-Umrüstung hart ins Gericht. VW bestreitet Vorwürfe.

Die 60 Millionen Euro schwere Sammelklage-Welle des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) gegen Volkswagen wurde gestern, Freitag, am Wiener Handelsgericht eröffnet. Doch in diesem Auftaktverfahren fuhr der VKI noch nicht mit einer Schadenersatz-Walze vor, sondern will dem Wolfsburger Autobauer mit einem rechtlichen Kniff ausbremsen. Die Konsumentenschützer haben VW auf Unterlassung nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) geklagt.

Demnach soll das Handelsgericht dem Konzern die Behauptung verbieten, dass mit dem Software-Update bei Schummelsoftware-Fahrzeugen „keine Verschlechterungen hinsichtlich des Kraftstoffverbrauchs, der Kohlenmonoxid-Emissionen und der Motorleistung verbunden sind“. Laut Klage ist diese Behauptung nicht nur „irreführend“, sondern „aus mehreren Gründen nachweislich unrichtig“. Dem VKI liegen Beschwerden Tausender Fahrzeugeigentümer ( Audi, Seat, Skoda,VW) vor, die eine Beeinträchtigung nach Aufspielen des neuen Motorsteuerungs-Programms feststellten. Darunter: „Probleme beim Beschleunigen“, „bei eingeschalteter Klimaanlage kaum Leistung“ und „Motorruckeln im unteren Drehzahl-Bereich“.

„Es sprechen alle Indizien dafür, dass es nach dem Update Nachteile gibt“, sagt VKI-Chefjurist Thomas Hirmke zum KURIER. „Wir haben dazu auch ein Gutachten eingeholt, das die Beschwerden bestätigt.“ Der Gutachter hat bei einzelnen Modellen nach der Umrüstung Leistungsabfall festgestellt. Oder anders gesagt: Die Autos sind beim Aufbau der Beschleunigung schwächer.

Deutliche Änderung

So sank bei einem VW Passat Alltrack (176 PS) nicht nur die Motorenleistung auf 163 PS, sondern auch die maximale Kraftübertragung (Drehmoment) wurde statt bei 1500 Umdrehungen erst bei 1900 Umdrehungen erreicht. „Das Ergebnis ist ein schwächeres Auto“, heißt es in der Klage. Dazu muss man wissen, dass das Drehmoment in Newtonmeter gemessen wird. So sank bei einem Audi Q5 das Drehmoment von 361 auf 336 Newtonmeter. Auch in die Gegenrichtung gibt es Veränderungen. So stieg bei einem Audi A4 (164 PS) danach die Motorleistung sogar auf 170 PS und das Drehmoment von 362 auf 370 Newtonmeter.

„Der VKI erstattet in seiner Klage ein umfangreiches Vorbringen, das ersichtlich der Stimmungsmache dienen soll“, heißt es in der Klagebeantwortung. Die Vorwürfe der Irreführung und Täuschung der Autobesitzer werden bestritten. Die technischen Maßnahmen bei den Fahrzeugen haben „keine negativen Folgen“. Der Konzern beantragte die Abweisung der Klage.