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Circus-Roncalli-Zampano Bernhard Paul hält sich für "unkaputtbar"

Er ist zweifellos Österreichs Professor für Fantasie: Bernhard Paul, Arbeiterkind aus der Provinz (Wilhelmsburg, NÖ), studierter Grafiker, geborener Clown Zippo, Gründer und Direktor des Circus Roncalli, Hüter längst verloren geglaubter Schätze, dreifacher Vater – Adrian, Vivian, Lili – und heute, Freitag, 75 Jahre alt.

Sein Gesamtkunstwerk ist stets „ein sanfter Kuss auf die Seele“. Paul hält sich wie die Stones oder seinerzeit Picasso („malte noch mit 90“) und Chaplin („drehte mit weit über 80“) für „unkaputtbar“.

Er denkt also nicht daran, in Manegenrente zu gehen. Wovon er träumt: Ein öffentlich zugängliches Museum all seiner unzähligen wertvollen zirzensischen Memorabilia (Plakate, Requisiten, Nachlässe). Das wäre ihm mehr wert als sämtliche Titel.

Vielleicht gelang dem „Liebling der Götter“, wie ihn einmal die größte deutsche Künstleragentin titulierte, seine ganzvolle Karriere eben weil er überhaupt nicht einer Circusfamilie entstammte. Er wuchs als Sohn eines Fabrikarbeiters auf. Schwarz-Weiß der Alltag – aber wenn der Circus hier sein Zelt aufschlug, kam Farbe in das Leben des Jungen! Nahezu depressiv die Zeiten, wenn die Gauklerschar einpackte und weiterzog.

Diese Sehnsucht, dieses Fernweh! Und die Erkenntnis, dass es einen Mikrokosmos gibt, in dem man so leben kann, wie man ist, wie man aussieht, wie man sein mag. In den 1950er Jahren für einen jungen Menschen mit einem Gesicht voller Sommersprossen, feuerrotem Schopf und vielen Flausen im Kopf die Inkarnation von Paradies!

Als Koryphäe für alles, was Circus erst richtig schön macht, gilt der Wahl-Kölner ohnehin seit langem. Doch nicht nur das. Roncalli ist längst mehr. So machte Bernhard Paul das Varieté in Deutschland wieder lebendig – 1992 war er Mitbegründer des legendären „Wintergarten“ in Berlin, es folgten das Friedrichsbau-Varieté in Stuttgart und 1997 das Apollo in Düsseldorf, das in diesem Jahr 25 wird.

Bis heute von Roncalli betrieben, ist es seit vielen Jahren beliebte Destinationen für Live-Unterhaltung der Spitzenklasse. Paul gilt auch als Erfinder der bis heute erfolgreichen Dinner-Shows, einer Mischung aus Circuskunst und kulinarischen Köstlichkeiten in historischen Spiegelzelten, seitdem 1990 mit „Roncalli’s Panem et Circenses“ das erste Etablissement dieser Art seine Weltpremiere erlebte. Filme („Die dumme Augustine“, „Träume eines Clowns“), Fernsehserien und Buchprojekte sind ebenso Projekte von Paul wie unzählige Shows im In- und Ausland, die seine Handschrift tragen.

Nur einige seien hier genannt: „Clowns“ im Ronacher Wien und der freien Volksbühne Berlin, dutzende „Circus meets Classic“ Inszenierungen in den Konzertsälen der Republik, die HÖHNER ROCKIN RONCALLI SHOW oder die Mozarts „Zauberflöte“ gemeinsam mit George Tabori in Berlin. „Roncalli für Alli“ mag auch gelten, wenn es um den berühmten Historischen Weihnachtsmarkt auf dem Hamburger Rathausplatz geht, mit dem das Unternehmen seit 2000 jedes Jahr in der Adventszeit zwei Millionen Besucher anlockt.