"Der angeblich gute Knoten war plötzlich böse"

KURIER-Leserin Henriette Pavischitz erzählt von ihrem langen Weg zur Brustkrebs-Diagnose und wie wichtig es ist, sich geliebt zu fühlen.
Eine Reihe von Holzkugeln unterschiedlicher Größe liegen auf einem roten Bleistift.

Als Betroffene stelle ich mir die Frage, ob es Glücksache ist die richtige Diagnose zu einem möglichst frühen Zeitpunkt zu erhalten? Im Sept. 2011 konnte ich deutlich einen Knoten in meiner linken Brust tasten. Die Sonographie zeigte eine Verdichtung von 10mm im Durchmesser. BIRADS wurde mit 3 klassifiziert (mit hoher Wahrscheinlichkeit guter Befund) und eine Kontrolle in 6 Monaten empfohlen.

Im März 2012 wurde nach einer Sonographie eine 4cm (Länge DM) lange Strangbildung als narbige Veränderung des Grundgewebes beschrieben. Im Sept. 2011 wurde die Resistenz als unverändert zur Voruntersuchung beschrieben. Die BIRADS Klassifikation lautete 2 (gutartiger Befund, keine weitere Abklärung erforderlich). Die nächste Kontrolle sollte in einem Jahr sein. Im Frühjahr 2013 spürte ich den Knoten deutlicher und auch sonst fühlte ich mich verändert, was ich medizinisch abklären lassen wollte.

Untersuchung

Im Juni 2013 wurde nach einer Sonographie die Veränderung als - etwas kleiner geworden –beschrieben. Aufgrund meiner Angaben solle sicherheitshalber eine MR-Mammographie gemacht werden. Die chefärztliche Genehmigung der Untersuchung war nur ein Formalakt der Aufwand und Zeit kostete. Was aber, wenn er oder sie (habe nur die Sekretärin gesehen) die Untersuchung nicht genehmigt hätte? Das Ergebnis der MR-Mammographie war eine BIRADS Klassifikation 4 (suspekte Veränderung, Biopsie sollte in Erwägung gezogen werden)!!!

Nach vielen Telefonaten und Kontakten mit mehreren Krankenhäusern am 6. und 7. August 2013 konnte ich einen Biopsietermin für den 12. August 2013 fixieren, wobei von meinem nächstgelegenen Krankenhaus ein Termin erst für 6 Wochen später angeboten wurde! Dazu ist noch anzumerken, dass mir dieses Terminangebot einen Tag nach Hinterlegung der Unterlagen im Sekretariat der verantwortlichen Abteilung telefonisch von einer Sekretärin übermittelt wurde. Ohne dass mich ein Arzt/eine Ärztin gesehen oder mit mir gesprochen hätte. Die Biopsie war für mich zwar schmerzhaft, die Behandlung und Betreuung von Ärzten und Personal aber sehr gut. Noch am selben Tag konnte ich nach einer zusätzlichen Schmerztherapie und einem Kontrollröntgen der Lunge das Spital verlassen.

Gedanken nach der Diagnose

Eine Woche später ging ich, überzeugt ein gutes Ergebnis mitgeteilt zu bekommen, ohne Begleitung zur Befundbesprechung. Ein netter und verständnisvoller Arzt teilte mir jedoch mit, dass der Tumor böse sei, ich Krebs habe. Mit dem Gefühl, dass ich in jede Zelle meines Körpers einen Stich bekäme, schossen Gedanken wie – Ist das alles wahr? Vielleicht hat man sich geirrt. Was sag ich meiner Familie? – durch den Kopf. Nach den ersten Tränen kam die Besprechung der weiteren Vorgehensweise. Der OP Termin sollte in 4 Wochen, am 16. Sept.2013 sein.

Erst zu Hause wurde mir bewusst, dass die 4 Wochen Wartezeit zu sehr an mir zehren würden. Ich hatte Angst bei der Vorstellung wie es in mir aussieht. Ich hatte nur mehr den Wunsch, dass das Böse rasch herausgeschnitten wird. Wieder folgten viele Gespräche und Telefonate mit dem Ziel einen früheren OP Termin zu bekommen. Meine Gynäkologin teilte mir lediglich lapidar mit, dass andere noch länger zu warten hätten. Dabei bezweifle ich sehr, ob sie in meiner Situation ebenso denken würde. Dank der Hilfe eines netten Bekannten und einer verständnisvollen Ärztin hatte ich einige Tage später, am 26.8.2013 meinen OP Termin.

Wieder zeigte sich wie gut und nützlich es ist gute Freunde zu haben, und auch in schwierigen Situationen die Kraft aufzubringen etwas bewegen zu können. Die OP selbst überstand ich gut. Die Betreuung durch Ärzte und Pflegepersonal war sehr gut. Demnächst werde ich meine 6-wöchige Strahlentherapie beginnen und die 5 Jahre Hormontherapie werden auch vorbeigehen. Nach all meinen Erlebnissen innerhalb der letzten 2 Jahre stelle ich mir unter anderem die Frage, was die Mammographien und die Sonographien gebracht haben.

Gesundes Leben

Ein Knoten den ich vor 2 Jahren selbst getastet habe, der scheinbar auch etwas kleiner geworden ist und auch als gutartig befunden wurde erweist sich als bösartiger Tumor. Ich bin sehr froh, auf meine Empfindungen und mein Gefühl gehört zu haben. Dass es auch mich getroffen hat überraschte nicht nur mich. Ich bin Wellnesstrainerin, bewege mich mehrmals die Woche, bin normalgewichtig, ernähre mich lustvoll gesund zum Großteil aus dem eigenen Garten, habe nie geraucht und meine 2 Achterl Rotwein am Wochenende sind sicher von guter Qualität. Anscheinend habe ich einfach Pech gehabt. Ich habe auch nicht vor, irgendwo eine Ursache zu finden. Mein Mann und meine bereits erwachsenen Kinder sind mir eine sehr große Stütze.

Wenn man sich geliebt, geborgen und auch verstanden fühlt ist alles leichter. Für mich persönlich wäre es wahrscheinlich schlimmer allein und ungeliebt zu sein, als eine schwere Krankheit zu haben. Ich bin sehr glücklich, dankbar und auch stolz in einer intakten und harmonischen Familie zu leben. Auch meine Verwandten, Freunde und viele gute Bekannte tragen dazu bei dass es mir bereits wieder viel besser geht. Für mich ist es eine sehr große Unterstützung, dass sie an mich denken, mir Energie schicken oder für mich beten und mich dies auch wissen lassen. Über all die erhaltenen Blumen, Naschereien und Aufmerksamkeiten freute ich mich natürlich auch sehr.

Bei so viel Aufmerksamkeit muss ich ja gesund werden. Henriette Pavitschitz

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