Kultur/Buch

Thomas Oláh: Wo die wirklichen Flaschen daheim sind

Katholisch reimt sich hier auf alkoholisch und diabolisch. Frankenhayn heißt der Ort, in dem der Bub einen Sommer verbringen muss. Vati, Mutti und Bruder hatten einen Autounfall, nur er ist, bis auf eine Gehirnerschütterung, unversehrt geblieben und soll, wie zur Strafe, in diesen unheimlichen Ort, der so ähnlich wie Frankenstein heißt. Der Onkel, der ihn abholt, schaut aus wie der Krampus und der Bub weiß: Es geht in die Verbannung. Ins Dorf zu den Großeltern. Sie: geblümte Kleiderschürze, er: Fleischhaube (Glatze), die beiden schlafen in Betten wie in zwei Sarkophagen. Und dann die Cousins: Zwei richtige Flaschen. Apropos: Was hier auf den Tisch kommt, ist von monströser Größe: Zweiliterflaschen. Grotesk wie dieser ganze Sommer 1970.

Der Wiener Kostümbildner Thomas Oláh zeigt auch in seinem ersten Roman, dass er ein fantastisches Gespür für Ausstattung und den richtigen Ton hat. „Doppler“, soeben für den Deutschen Buchpreis nominiert, ist eine Empfehlung für alle, die das Dorfleben hassen.

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