Chronik/Wien

Mehrheit der Schüler kann sehr gut lesen

Die Leseleistung der Wiener Volksschüler hat sich verbessert. Das ergab der Lesetest, der heuer an allen 267 öffentlichen und privaten Volksschulen in den vierten Klassen durchgeführt wurde. Insgesamt nahmen 15.279 Wiener Schüler daran teil.

Erfreulich ist, dass 71,3 Prozent der Kinder bei dem 40-minütigen Test ein „sicheres“ und weitere 16,2 Prozent ein „ausreichendes Textverständnis“ bewiesen.

Reduktion bei den Problemfällen

12,4 Prozent mussten dagegen als „leseschwach“ eingestuft werden. Darunter 553 Schüler, bei denen „keine messbaren Lesekompetenzen“ festgestellt wurden.

Für sie hat Brandsteidl drei Erklärungsansätze: Diese könnten einerseits so schwach sein, dass sie ohnehin durchfallen. Andererseits könnten sie „an der Schwelle zum sonderpädagogischen Förderbedarf“ stehen. Oder drittens: „Man weiß es nicht - die waren zum Teil beim Vortest im mittleren Bereich und sind beim Haupttest abgestürzt.“

Bildungsforscher Günter Haider, der den Lesetest leitete, führt als Erklärungsmöglichkeit an, dass diese Kinder den Übergang von der Alphabetisierung in den ersten beiden Volksschulklassen zum flüssigen Lesen und Textverständnis in der dritten und vierten Schulstufe nicht geschafft haben.

22 Schüler erreichten übrigens keinen einzigen Punkt bei den Multiple-Choice-Aufgaben. Dazu Brandsteidl: „Null Punkte zusammenzubringen ist nicht leicht, selbst wenn der Test auf Chinesisch wäre. Das könnten Testverweigerer sein."

Mehrheit spricht zu Hause Deutsch

Ein Erfolgserlebnis können Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl und Haider aber auch im Hinblick auf die schwächste Gruppe vorweisen: 12,4 Prozent sind um 6,2 Prozentpunkte weniger als 2013. VP und NEOS üben dennoch Kritik an der rot-grünen Bildungspolitik.

Brandsteidl begründet die Abnahme mit der Wiener Leseoffensive. Die Fördermaßnahmen beinhalten Intensivlesekurse, 1500 ehrenamtliche Lesepaten an Wiens Schulen sowie Gratis-Lesekurse im Sommer – für jene, die beim Lesetest am schlechtesten abschnitten.

In der Gruppe der Leseschwächsten machen Kinder deutscher Muttersprache etwa ein Drittel aus. Bei den besten Lesern liegt der Anteil der Kinder nicht-deutscher Muttersprache bei 16 Prozent. Von allen ausgewerteten Schülern gaben 57 Prozent an, daheim Deutsch zu sprechen. 43 Prozent nannte eine andere Sprache (primär Bosnisch-Kroatisch-Serbisch oder Türkisch).