Gewalt in der Familie nimmt zu
Die Kriminalstatistik 2012 verzeichnet eine geringe Zunahme der Delikte gegenüber dem Vorjahr. Sorgen bereiten den Kriminalisten aber neben der rasant steigenden Internetkriminalität auch steigende Zahlen bei Gewalttaten. Mord und Körperverletzung passieren hauptsächlich im familiären Bereich. Mit einer neuen Strategie will das Bundeskriminalamt dem entgegenwirken.
Dienstag präsentierten der Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, und der Direktor des Bundeskriminalamts, Franz Lang, die Kriminalstatistik 2012. Insgesamt 548.027 Anzeigen bedeuten gegenüber dem Jahr 2011 eine Steigerung um 1,5 Prozent. Auch die Aufklärungsquote von 42,6 Prozent bewegt sich auf dem Vorjahresniveau.
82 Morde bedeuten aber eine Zunahme um 15,5 Prozent. Die Zahl der vorsätzlichen Körperverletzungen erreichte ein Rekordniveau (41.333, plus 2,3 Prozent).
Beziehungstaten
General Lang: „Diese Entwicklung fordert uns schon seit zwei Jahren heraus.“ Ernst Geiger, Leiter der Abteilung für organisierte und allgemeine Kriminalität, erläutert, dass sich Gewalttaten in den 90er-Jahren noch hauptsächlich im Rotlichtmilieu und im Bereich schwerer Sexualstraftaten abspielten. Hier hat eine Verschiebung stattgefunden. Eine Analyse ergab, dass es in 58,9 Prozent der Fälle eine Beziehung zwischen Tätern und Opfern gab – der Großteil im Familienbereich.
Bisher konnte die Polizei erst im Falle einer Eskalation tätig werden. Künftig sollen Polizisten schon im Vorfeld als Vermittler auftreten. Dafür hat Generalmajor Gerhard Lang, Leiter der Strategieabteilung im Bundeskriminalamt, die Aktion „Bündnis gegen Gewalt“ ins Leben gerufen. Ziel ist, die enge Vernetzung von Menschen (wie Lehrern, Ärzten, NGO-Mitarbeitern und vielen anderen), um Konfliktpotenziale frühzeitig zu erkennen.
Einbrüche
Stolz verweisen die Kriminalisten auf sinkende Zahlen bei den Kfz-Diebstählen, die um 13,8 Prozent auf 4446 gestohlene Fahrzeuge sanken. Auch die Haus- und Wohnungseinbrüche gingen um 0,9 Prozent zurück. Der Anteil der ausländischen Tatverdächtigen liegt bei 70,3 Prozent. Hier setzt das Bundeskriminalamt auf weitere Internationalisierung: Im April wird es eine „Pink-Panther-Tagung“ mit allen involvierten Staaten in Wien geben – auch mit Serbien, denn von dort kommen die weltweit agierenden Juwelier-Räuber.
Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl und sein Vize Karl Mahrer können eine lupenreine Aufklärungsquote von 100 Prozent vorweisen – was die Mordfälle betrifft. Nicht nur hier liegt Wien besser als der Bundestrend. Trotz 200.000 Anzeigen sei die aktuelle Statistik die beste der Bundeshauptstadt seit zehn Jahren, verlautet es aus der Polizeidirektion.
Mit 18 Morden verzeichnete Wien gegenüber 2011 einen Rückgang um drei Fälle. Raub auf offener Straße sank um 11,5 Prozent, Mobiltelefonraub um zehn Prozent und Handtaschenraub um elf Prozent.
Mit insgesamt 2505 Raubüberfällen gab es zwar rund 100 Überfälle weniger. Allerdings: Trafiken, Juweliere und Wettbüros wurden im vergangenen Jahr deutlich häufiger von Kriminellen heimgesucht. Das Bundeskriminalamt (Bericht oben) führt diese Entwicklung auf eine internationale Tätergruppe sowie auf die Beschaffungskriminalität aus dem Drogenmilieu zurück.
Wohnungsmarder
Mit 7700 Wohnungseinbrüchen wurde ein historischer Tiefststand gegenüber dem Jahr 2000 verzeichnet. Damals wurden noch mehr als 11.000 Wohnungstüren geknackt. Seither ist die Zahl konstant fallend. Ähnlich ist die Entwicklung bei den Kfz-Einbrüchen: 7435 Fahrzeuge wurden aufgebrochen. Im Jahr 2005 waren es noch 20.422 Fahrzeuge.
Die Wiener missachten aber gerne rote Ampeln. Die Anzeigen sind von 22.153 auf 31.003 gestiegen. Dafür fahren sie langsamer, denn die Radaranzeigen sind im vergangenen Jahr um 50.000 zurückgegangen.
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