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Wien etabliert sich als Europas Krypto-Hotspot

Vorstand Helmut Ettl besorgt über den Zuwachs bei Verbraucherkrediten.
FILE PHOTO: FILE PHOTO: Representations of cryptocurrencies Bitcoin, Ethereum, DogeCoin, Ripple, Litecoin are placed on PC motherboard in this illustration taken

Das Vorjahr markierte einen Wendepunkt für den österreichischen Kryptomarkt. Mit der Vollanwendung der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCAR) hat sich Österreich zu einem der führenden Krypto-Standorte Europas entwickelt. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) legte nun erstmals Zahlen vor.

Bis Jahresende 2025 erteilte sie acht Zulassungen an Anbieter von Kryptowerte-Dienstleistungen (CASPs), mittlerweile ist bereits die neunte durch den Prozess. „Europaweit stehen wir bei 92 zugelassenen CASPs – das heißt, zehn Prozent befinden sich in Österreich“, erklärt FMA-Vorständin Mariana Kühnel. Besonders bemerkenswert: Bybit und KuCoin, zwei der weltweiten Top-ten-Kryptobörsen, haben sich in Wien niedergelassen. Die Dimensionen des beaufsichtigten Sektors umfasst 6,7 Millionen registrierte Nutzer. Rund eine Million Nutzer handelte 2025 aktiv. Die verwahrten Vermögenswerte erreichten einen Gegenwert von 4,4 Milliarden Euro. Das Transaktionsvolumen belief sich auf über 17 Milliarden Euro. Fakt ist auch: Nur 18 Prozent der Kunden stammen aus Österreich, ein Viertel aus Deutschland und 17 Prozent aus Frankreich. Auffällig ist die Demografie: 64 Prozent der Nutzer sind unter 40 Jahren.

„Wir wollen vor allem Anbieter in Wien haben, die Compliance nicht als nice-to-have, sondern als strategischen Erfolgsfaktor empfinden“, so Kühnel. Die Behörde stellt dabei dieselben Anforderungen wie an andere Finanzsektoren: tragfähige Governance-Strukturen, eindeutige Verantwortlichkeiten, angemessene Eigenmittel und wirksames Risikomanagement. Auf europäischer Ebene treibt die FMA mit den italienischen und französischen Schwesterbehörden eine Initiative voran, damit die großen Kryptobörsen künftig durch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) überwacht werden.

Weg in die Schuldenfalle

Indes bereitet die rasante Zunahme von Konsumkrediten in Österreich der FMA zunehmend Sorgen. Besonders der Bereich „Ratenkauf“ und sogenannte „Buy now, pay later“-Angebote stehen im Mittelpunkt einer bedenklichen Entwicklung, so FMA-Vorstand Helmut Ettl. „Mit einem Klick am Handy“ können Verbraucher heute Elektronik, Mode und Lifestyle-Produkte auf Kredit kaufen – eine Funktion, die fatale Folgen haben kann. „Vom Klick zur Schuldnerberatung ist es nicht weit“, warnt Ettl. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ende 2025 beliefen sich die Verbraucherkredite in Österreich auf 22,5 Milliarden Euro – ein Zuwachs von 14 Prozent. Besonders problematisch: Die Zinsen in diesem Segment sind sehr hoch, und bei Zahlungsverzug fallen sehr schnell zusätzliche Gebühren an, die die Schuldenspirale beschleunigen.

Als Reaktion auf diese Entwicklung hat der Nationalrat Ende Mai 2026 das Verbraucherkreditgesetz novelliert, die Änderung tritt im November in Kraft. Die FMA erhält dadurch erweiterte Befugnisse: Sie kann künftig die Kreditvergabe aus Sicht des kollektiven Verbraucherschutzes überwachen. Sorgen bereitet der FMA auch die Finanzierung gewerblicher Immobilien durch Banken. So sollen die notleidenden Immo-Kredite im Verhältnis zu den gesamten Krediten von einem Prozent auf acht Prozent gestiegen sein.

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