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Obama auf Schmusekurs in Burma

Erstmals besuchte ein amtierender US-Präsident das südostasiatische Land. Zehntausende jubelten ihm begeistert zu.
Barack Obama gibt Aung San Suu Kyi einen Kuss auf die Wange.

Barack Obama hat am Montag einen historischen Besuch absolviert: Erstmals reiste ein amtierender US-Präsident in die ehemalige Militärdiktatur Burma. Die Begeisterung für den Staatsgast aus Amerika war riesig: In der Hafenstadt Rangun waren überall US-Fähnchen zu sehen, und die Menschen brachen spontan in "Amerika"-Rufe aus. Viele versuchten, mit ihren Handys Fotos von der vorbeirasenden Limousine mit dem Präsidenten zu machen. Einige Schaulustige hielten große Plakate hoch: "Sie sind unser Held" und "Mr Obama, wir lieben Sie!" stand darauf. Viele Burmesen setzen große Erwartungen in Obamas Stippvisite: So hielten Studenten und Mönche Banner mit der Aufschrift: "Bitte helfen Sie unserer Wirtschaft" in die Höhe.

Während seines Besuchs würdigte Obama die Reformbemühungen des südostasiatischen Landes. Er und Staatschef Thein Sein stimmten darin überein, dass die bisher eingeleiteten Reformen nur die ersten Schritte auf einem langen Weg seien, sagte Obama nach dem Gespräch mit dem burmesischen Präsidenten.

Der von dem seit März 2011 als Präsident amtierenden Thein eingeleitete Reformprozess biete viele Chancen, sagte Obama. Thein Sein ergänzte, beide Länder wollten ihre Beziehungen auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens und Respekts gestalten. "Wir stimmten während unseres Gesprächs darin überein, dass die Entwicklung der Demokratie in Myanmar und die Menschenrechte internationalen Standards angepasst werden sollten", sagte Thein.

Küsschen für Aung San Suu Kyi

Obama kam bei seinem sechsstündigen Besuch auch mit Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi zusammen. Die wie Obama mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Suu Kyi dankte dem US-Präsidenten für die Unterstützung der Reformen. Die schwierigste Phase im Demokratisierungsprozess trete ein, "wenn wir uns kurz vor dem Ziel wähnen", sagte sie mit kaum wahrnehmbarer Stimme nach dem Treffen. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht von Scheinerfolgen einlullen lassen, sondern dass wir wirklich für den Erfolg unseres Landes arbeiten. Obama nannte die jahrelang inhaftierte und unter Hausarrest stehende Suu Kyi eine "Ikone der Demokratie". Sie habe nicht nur ihre Landsleute, sondern die gesamte Welt inspiriert. "Heute schlagen wir im Verhältnis der USA zu Burma ein neues Kapitel auf", sagte Obama zu Suu Kyi, der die heutige Parlamentsabgeordnete umarmte und auf die Wange küsste.

Einen unangekündigten Zwischenstopp legte Obama in der Shwedagon-Pagode ein. Der Präsident, Außenministerin Hillary Clinton und die übrigen Delegationsmitglieder samt Leibwächtern betraten das Gebäude ohne Schuhe.

Am Vorabend seines Besuchs in Rangun hatte Obama Kritik von Menschenrechtlern zurückgewiesen, seine Reise in das früher international geächtete südostasiatische Land sei voreilig gewesen. Die USA hatten nach Beginn des Reformprozesses und der Freilassung politischer Häftlinge ihre Sanktionen gegen Burma gelockert. Eine vollständige Aufhebung der Strafmaßnahmen ist nach Worten eines ranghohen Vertreters der USA derzeit aber nicht möglich.

Amnestie für 52 politische Häftlinge

Zum Besuch des US-Präsidenten wurden 52 Häftlinge freigelassen, von denen die meisten aus politischen Gründen inhaftiert waren. Zu einer Rede, die Obama an der Universität von Rangun hielt, waren auch mehrere frühere Gefangene eingeladen worden. Dort beschwor er die Vision einer Zukunft ohne politische Häftlinge und sprach von guten Beziehungen zur USA. "Ich strecke eine Hand der Freundschaft aus", sagte Obama in einer Halle voller Studenten, die gebannt zuhörten.

Zugleich rief der Präsident zum Ende der Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya auf, deren Mitglieder von der Regierung nicht als Staatsbürger anerkannt werden. "Gewalt gegen unschuldige Menschen ist nicht zu rechtfertigen." An das kommunistisch regierte Nordkorea appellierte Obama, dem Beispiel Burmas zu folgen. Nach seinem Burma-Besuch reiste Obama am Montag nach Kambodscha weiter, wo er zu einem Treffen der Wirtschaftsgemeinschaft ASEAN erwartet wurde.

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