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Sein Fernbleiben sorgte für Kopfzerbrechen: Clinton war in Wien, kam aber nicht zur Veranstaltung, auf der er sprechen wollte.
Sein Fernbleiben sorgte für Kopfzerbrechen: Clinton war in Wien, kam aber nicht zur Veranstaltung, auf der er sprechen wollte. - Foto: EPA

Letztes Update am 05.12.2013, 17:59

Bill Clintons dubioser Gastgeber in Wien. Der ehemalige US-Präsident blieb der Gala fern, weil der bulgarische Organisator einen Tag zuvor zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden war.

Plötzliche Erkrankung? Frauengeschichten? Die online-Gerüchteküche rund um Bill Clinton brodelte Donnerstagfrüh heftig. War doch der Ex-US-Präsident am Mittwochabend, statt auf einer Gala als Festredner und Gratulant aufzutreten, auf einmal spurlos in Wien verschwunden. Während im Palais Liechtenstein andere Ehrengäste wie EU-Kommissionspräsident Barroso stundenlang vergeblich auf Clinton warteten, traf sich dieser mit US-Botschafterin Alexa Wesner, schlenderte über die Mariahilfer Straße und lief einem Redakteur des alternativen online-Magazins Paroli in einem Starbucks-Café vor die Kamera.

Während der Gala war Clinton allerdings nicht tatsächlich Kaffeetrinken, sondern zu Besuch in der US-Botschaft. Bestätigt wurde das von Botschafterin Alexa Wesner, die ein Bild mit ihr und dem ehemaligen Präsidenten twitterte.

Der Veranstalter, das sogenannte „Zentrum für globalen Dialog und Zusammenarbeit“, CGDC, flüchtete sich in mäßig glaubwürdige Erklärungen: Der Präsident werde am anderen Ende der Stadt festgehalten. Auch am nächsten Tag blieb man auf KURIER-Anfrage ziemlich wortkarg, Clinton werde „schon seine Gründe gehabt haben“.

Die hatte der Ex-Präsident tatsächlich. Clinton war – wie die ebenfalls eingeladene US-Botschafterin – offensichtlich in letzter Minute aus Washington gewarnt worden, mit wem er sich da eingelassen hatte.

Generalsekretär der CGDC ist ein bulgarischer Geschäftsmann namens Stamen Stantchev, und der war just am Vortag der Wiener Gala von einem Gericht in Rumänien zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, gemeinsam mit zwei rumänischen Ex-Ministern. Das Urteil gegen Stantchev ist noch nicht rechtskräftig. Es geht um, wie das Gericht es formulierte, die Gründung einer internationalen kriminellen Gruppe und Verrat von Staatsgeheimnissen. Von all diesen Affären will der ehemalige ÖVP-Minister Werner Fasslabend, der ebenfalls im CGDC-Vorstand sitzt, nichts gewusst haben. Man brachte die Gala einfach ohne Clinton irgendwie zu Ende.

Bereits einmal verhaftet

Stantchev, der auch in Österreich Geschäftsführer zahlreicher inzwischen liquidierter Ölhandels- und Beraterfirmen war, ist seit Jahren im Visier der Behörden. Er gilt als Zentralfigur dubioser Geschäfte rund um die Privatisierung rumänischer Staatsunternehmen aus dem Energiesektor. Stantchev soll dabei vor allem zum eigenen Vorteil gewirtschaftet haben. Der Geschäftsmann, der sich auf seiner Homepage und jener von CGDC als internationaler Berater präsentiert, war schon 2006 wegen ähnlicher Vorwürfe vorübergehend verhaftet worden. Das rumänische Amt zur Bekämpfung von Organisierter Kriminalität hatte schon im Vorjahr die Verhaftung von Stantchev gefordert.

(KURIER) Erstellt am 05.12.2013, 14:42

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