Zukunftsvisio­nen: "Wolkenstädte" in Berlin

Tomas Saraceno zeigt luftige Kugeln wie riesige Seifenblasen als Visionen einer künftigen Lebenswelt. Zu sehen bis 15. Jänner im Museum Hamburger Bahnhof.

Unter dem Titel "Cloud Cities" ("Wolkenstädte") zeigt der aus Argentinien stammende Künstler Tomas Saraceno in Berlin jetzt erstmals umfassend seine Vision einer künftigen Lebenswelt. In der historischen Halle des Museums Hamburger Bahnhof sind bis zum 15. Jänner zwei Dutzend seiner Installationen zu sehen - luftige Kugeln wie riesige Seifenblasen, gehalten von Spinnennetzen aus schwarzem Seil. Die Ballons werden einmal von Pflanzen bewohnt, andere können von Menschen betreten und "erlebt" werden. "Saraceno wird der erste sein, der uns ein Gefühl unserer Lebens abseits unserer Bodenhaftung zu geben vermag", sagte Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann vor der offiziellen Eröffnung am Mittwochabend. "Experiment bedeutet bei ihm das Ausloten von Gelingen und Nichtgelingen." Saraceno ist seit seinem Auftritt bei der Biennale in Venedig 2009 ein auch international beachteter Name. Für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen entwirft er eine neue riesige Rauminstallation, die vom kommenden Jahr an zu sehen sein soll. Die in Berlin gezeigten Arbeiten waren einzeln bereits zu sehen, in der Halle des Museums für Gegenwart bilden sie ein neues Gesamtwerk. Herzstück sind zwei riesige Luftblasen, in denen der Besucher auf einer kristallklaren hauchdünnen Folie mehrere Meter über dem Boden schweben kann. "Es soll spielerisch sein, es soll Spaß machen", sagte der Künstler. Bei jeder Bewegung, die der eine auf dem überdimensionalen Luftkissen macht, ist der andere mitbetroffen. "Ich freue mich, wie sich die Beziehungen der Menschen zueinander entwickeln." Kuratorin Britta Schmitz sagte, Saraceno gehe es bei seinen hängenden Gärten und schwebenden Ballonen um realisierbare Kunst. Er arbeite deshalb weltweit mit Kollegen und Wissenschaftlern zusammen, nicht zuletzt mit Spinnenforschern. "Diese Ausstellung will real zur Diskussion stellen, wie eine andere Welt aussehen könnte." Als Ergänzung und Kontrapunkt zu der Installation in der Haupthalle ist die Schau "Architektonika" zu sehen. Sie zeigt verschiedene künstlerische Positionen des 20. Jahrhunderts, die sich mit Architektur auseinandersetzen. Zuletzt hatte im Hamburger Bahnhof Carsten Höllers Schau "Soma" für Aufsehen gesorgt, die mit Kanarienvögeln und Rentieren einem alten Zaubermythos nachging.
(KURIER.at, apa / sog) Erstellt am
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