Wohnen
13.09.2018

Wohnzimmer unter freiem Himmel

Außenräume erweitern das Zuhause. Wie die Terrasse mit der passenden Einrichtung zum Freiluft-Wohnzimmer wird.

Ein großes stylishes Sofa, ein Flatscreen, ein kleiner Kamin, Pflanzen, eine Kochgelegenheit und imposante Gemälde: Was nach der Beschreibung eines Wohnzimmers klingt, ist in Wahrheit die Ausstattung einer modernen Terrasse. „Die Ansprüche an Freiflächen sind mittlerweile gleich hoch wie die an Innenräume“, sagt Bernhard Kramer vom Architekturbüro Kramer und Kramer (siehe Interview). Die Terrasse wird zum erweiterten Wohnraum, in dem man sich genauso wohlfühlen möchte, wie in den anderen Bereichen.

Als Zimmer im Grünen ist dieser Raum ein wichtiges Bindeglied zwischen Architektur und Natur.

Damit das eine harmonisch in das andere übergeht, sollte man bei der Terrassengestaltung darauf achten, die Architektur von innen nach außen fortzusetzen. Das bedeutet, dass die Planung des Wohnraums, der Terrasse und des Gartens ergänzend gestaltet sein sollte und die Möbel dem Design und den Farben des Bodenbelags des Gebäudes entsprechen. Eine Bestandsanalyse gibt in erster Linie Aufschluss über die Möglichkeiten der Gestaltung. „Planungsobjekte geben mehr Freiheit im Vorfeld. Bei bestehenden Objekten lotet man die Möglichkeiten aus und passt sich an die Rahmenbedingungen an“, sagt der Gartenplaner Jörg Zecha von Argegarten.

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Kleine grüne Oase, Partyhochburg oder Relaxzone – welche Bedürfnisse hat man an die Terrasse? Das gilt es im Planungsprozess zu bedenken. „Dabei muss auch die Statik beachtet werden. Nicht, dass der schöne Kirschbaum letztlich zu Schäden am Gebäude führt“, betont Zecha. Da es sich um einen Outdoorbereich handelt, müssen auch die Wetterbedingungen in die Gestaltung miteinfließen. Bei starkem Herbstwind helfen meist nur bauliche Maßnahmen. Bei Sonnenstrahlung gibt es kreative Lösungen, die Schatten spenden. Pergolen, Lauben und Vordächer bieten einen schattigen Platz für Momente der Gemeinsamkeit, aber auch Schutz bei schlechtem Wetter.

Aus filigranen Metallkonstruktionen – bedeckt mit Bambus, Segeltuch oder als Brise Soleil – entstehen luftige Terrassenüberdachungen, die sich in die Architektur moderner Gebäude einfügen. Massivere Überdachungen aus traditionelleren Baumaterialien, wie etwa Holz, die mit Dachpfannen oder Schieferplatten bedeckt sind, passen hingegen perfekt zu Landhäusern. Reichliche Bepflanzung sorgt nicht nur für ein angenehmes Klima, sondern auch für den nötigen Wohlfühlfaktor. Je nach Geschmack und angepasst an die Statik kommen häufig große Pflanzentröge mit Blumen, Sträuchern oder Bäumen zum Einsatz. „Das Wichtigste dabei ist, die Wasserversorgung sicherzustellen. Das vergessen viele“, weiß Gartenexperte Zecha.

Verschiedene Lichtlösungen wie Strahler, Wandleuchten, Hängelampen oder Leuchtkugeln sorgen zudem für angenehmes Licht an lauen Herbstabenden. Sie tauchen Bäume und Blumenbeete in warmes Licht und lenken die Aufmerksamkeit auf die einzelnen Elemente im Garten. Gleichzeitig erhellen sie aber auch die Wege durch Garten und Terrasse: Lichtlösungen, die speziell für den Außenbereich bestimmt sind, sorgen damit für die nötige Sicherheit und Orientierung.

Kochen im Freien ist für viele Österreicher zu einer großen Leidenschaft geworden und nimmt immer mehr Einzug bei der Gestaltung von Terrassen. Wer Platz hat, installiert eine komplette Outdoor-Küche. Ob Steininseln, umgebaute Scheunen oder neu gestalteter Schuppen – Küchen im Freien sind vielseitig und unterschiedlich ausgestattet. Egal ob eine einfache Küchenzeile mit Herdplatte oder Kompaktmodule mit Hightech-Grillsystem: Je nach Kochlust und passend zum Gesamtkonzept der Terrasse stehen Cocktails und anderen Genüssen nichts mehr im Weg.

Damit die Terrasse zu einem Rückzugsort wird, an dem die Hektik des Alltags in den Hintergrund rücken und gar vergessen werden kann, sollte man bei Planung und Ausführung immer das Gesamtkonzept im Auge behalten und rechtliche, bauliche und gestalterische Möglichkeiten berücksichtigen. Claudia Weber