Wien trifft Mailand: Die jungen Wilden

IMMO präsentiert heimische Designer, die heuer auf der Mailänder Möbelmesse iSaloni ausstellen.

Sandra Haischberger, feinedinge*Fein, elegant und filigran – die Stücke aus dem Atelier feinedinge* sind außergewöhnlich und zeitgenössisch poetisch.Eine Konstante lässt sich bei den Arbeiten von Sandra Haischberger immer wieder finden – Porzellan.  Egal, was sie entwirft – dem Material bleibt sie immer treu. Ihre  Entwürfe überraschen mit wundervollen, teils fantasievollen und  femininen Formen. Sie wird heuer zum zweiten Mal an der österreichischen  Sonderausstellung in Mailand während der Möbelmesse teilnehmen. Vor Ort wird sie unter anderem das Service "Alice" präsentieren. "Ich finde die Idee als Gesamtheit aufzutreten  fantastisch. Das Image des österreichischen Designs ist noch immer ein  bisschen verstaubt, mit solchen Veranstaltungen sorgen wir dafür, dass  wir es nun endgültig verabschieden." Katharina Mischer und Thomas Traxler, Mischer TraxlerDas Design-Duo beweist  Experimentierfreude und sorgt mit seiner Arbeit für Denkanstöße. Außergewöhnlich,  innovativ – Katharina Mischer und Thomas Traxler haben sich  auf das Entwickeln von Gebrauchsgegenständen, Möbeln, Installationen  und vielem mehr spezialisiert. "Für uns beginnt das Thema Design nicht  erst bei der Formgebung. Es  fängt darüber hinaus bei Fragen an wie:  Warum entsteht ein Objekt?  Welche Hintergründe birgt der  Herstellungsprozess?" Im Gegensatz zu  anderen Studios stellt das Duo  gemeinsam mit stilwerk  limited edition  design gallery by Engelhorn &  Turkiewicz kein  Massenprodukt vor,  "Collective Works" ist  ein Statement,  welches  Produktionsprozesse hinterfragt und beleuchtet. Fragen wie:  Müssen  Prozesse immer Menschen weg rationalisieren, stehen  dabei im   Vordergrund. Dejana KabiljoEs ist alles ganz anders und nichts ist so, wie es scheint – die Entwürfe von Dejana Kabiljo bestechen durch Extravaganz. 
Experimentierfreude und Ideenreichtum. Die Arbeiten von Dejana Kabiljo sind alles andere als gewöhnlich.  Egal, ob es um einen Hocker mit Haaren, wie etwa das Modell  "PRETTYPRETTY" oder die Sitzmöglichkeit ... ... "LetThemSitCake!",  die aus echten Mehlsäcken mit falschem, saftigem  Schokoguss, handelt –  nichts scheint einfach nur zu sein –, der Zugang  ist avantgardistisch.  Und was macht für Dejana Kabiljo gutes Design  aus? "Gutes Design, ein  Begriff der Nachkriegszeit, ist  verantwortungsvoll und durchdacht. Alles  nüchterne und aufrechte  Attribute, die dem oberflächlichen Styling, das  der Steigerung der  Verkaufszahlen dient, entgegengesetzt werden."  Auf  der österreichischen  Sonderausstellung präsentiert sie unter anderem  Fatty – ein softes  Sitzmöbel.  Peter und Bernd Kohlmaier, Kohlmaier WienMaßgeschneiderte Lösungen für Designer und Architekten zählen zur Spezialdisziplin der Wiener Polsterei. 
Der Kundenkreis zieht sich von privaten zu großen Auftraggebern aus Gastronomie und Hotellerie bis hin zu Architekten und Designern. Die Brüder Peter und Bernd Kohlmaier haben das Unternehmen im Jahr 1989 gegründet. Damals verfolgten sie den Gedanken einer klassischen Werkstatt für  Raumausstattung mit dem Hauptaugenmerk auf die Renovierung von  Polstermöbeln. Im Jahr 1993 hat man begonnen, eigene Möbel zu entwerfen. Der Wunsch, sich künftig mehr mit der Entwicklung von ästhetischer   Gestaltung auseinanderzusetzen, endete in engen Kooperationen mit   Designern und Architekten. Auf der Messe werden sie heuer den Entwurf   "Neubau Chair" des österreichischen Designers Thomas Feichtner   präsentieren. Unter anderem produziert die Firma auch   die berühmten Enzi-Möbel der ppag Architekten für den Innenraum. Thomas und Oskar Maitz, PerludiDie Entwürfe von Perludi sind schlicht. Designer Thomas Maitz will Kindern Neues bieten und Werte schaffen. 
Möbel für den Nachwuchs kommen eigentlich fast immer zu kurz. Selten widmet man den kleinen Stücken viel Aufmerksamkeit. Doch Unternehmen wie Perludi arbeiten daran, dies zu ändern. Die Entwürfe von Thomas Maitz (mit seinem Sohn Oskar) stehen für Authentizität, Einfachheit und Funktionalität, ohne dabei den ästhetischen Anspruch zu verlieren.  "Es darf keine Erwachsenen-Fantasiewelt im Mini-Format entstehen. Wir versuchen keinen Trends hinterherzulaufen, wir wollen Wertigkeit  schaffen." Als Marke ist das Grazer Unternehmen bereits sehr gut  etabliert. Entwürfe wie etwa das Schaukelpferd  "Constantin", ... ... der  Schreibtisch "Caspar" oder das Sitzmöbel "Pauli",  welches zum  Regal  umfunktioniert werden kann, sind nur  ein kleiner  Auszug  aus dem Perludi-Portfolio. "Mein Ziel ist es, in zehn  Jahren  die Marke  Perludi weltweit unter den Top-Five-Brands der  Kindermöbel  zu finden." Die gemeinsame Präsentation auf der Sonderausstellung in  Mailand sieht    Thomas Maitz als angenehme Notwendigkeit: "Vor Ort geht es  darum,    Kontakte zu knüpfen, neue Händler kennenzulernen und neue  Produkte zu    positionieren." Mario Erhart, Tischlerei ErhartMario Erhart inszeniert Zweck mit Design und Kunst mit Natur. Typische ländliche Charakteristik wird von ihm neu interpretiert. 
Seit Generationen ist die Tischlerei Erhart im tirolerischen Gnadenwald in Familienhand. Der jüngste Nachwuchs, Mario Erhart, hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, dem alteingesessenen Betrieb mit zeitgenössischen Entwürfen ein frisches Facelift zu verpassen.  Seine Entwürfe sind ausdrucksstark (im Bild Modell "Jogl"). Mario Erhart  verarbeitet ausschließlich Massivholz: "Für mich ist das Material  wichtig. Es ist natürlich, ehrlich und gleichzeitig sehr dominant." Sein  Stil steht für eine Kombination aus typisch ländlichen Einflüssen  mit  modernen Elementen. Wo wird der gelernte Tischler in zehn Jahren  sein?  "Das weiß ich  nicht, meinem Holz werd’ ich auch noch in zehn  Jahren treu  bleiben." Patrick StreitlerVon der Kunst zum Design – der gebürtige Vorarlberger gestaltet außergewöhnliche Lichtobjekte.Ursprünglich  kommt Patrick Streitler aus dem Bereich der Kunst und arbeitete früher  im skulpturalen Bereich, doch irgendwann wurden dann daraus Lichtobjekte  und schlussendlich entstanden Entwürfe ... ... wie "Schindel".  Der Designer hat jedoch einen kleinen Heimvorteil, da  er selbst auch in  Mailand lebt und arbeitet. "Das Designverständnis ist  hier einfach mehr  ausgebildet, sie haben die Ästhetik im Blut.  Österreichisches Design in  Mailand zu präsentieren ist eine gute Idee,  da man sich hier als Einheit  sehr gut präsentieren kann." Valentin VodevValentin Vodev verbindet Praktisches mit Ästhetik und achtet darauf, dass die Funktionalität dabei nicht zu kurz kommt, sondern viel mehr im Vordergrund steht. 
Der Designer kombiniert Innovation mit angewandter Produktlogik. "Es ist mir wichtig, dass jedes Stück etwas Einzigartiges aufweisen kann. Nur dann hat es für mich einen nachhaltigen Mehrwert – das macht für mich einen guten Entwurf aus."  Seine Ausbildung absolvierte er auf der Angewandten in Wien und am britischen Royal College of Art in London. Vodev arbeitete bereits mit international bekannten Designern wie Ron  Arad oder Sebastian Conran zusammen. Mit seinem Entwurf "Victoria" will er auf der diesjährigen Möbelmesse in Mailand punkten. Die  Inspiration für das Modell entstand in London.  Die mobile Hausbar ist  eine Hommage an die britische Picknick-Kultur,  das Modell kann man unter  anderem auch an einem Fahrrad anhängen. "Bei der iSaloni geht es  nicht so sehr um den Verkauf. Viel mehr geht   es um neue Kontakte und  darum, zu sehen, womit sich die Designwelt im   letzten Jahr beschäftigt  hat." Valentine Troi, superTEX CompositesNeuer Werkstoff, neuer Wind und neue Werte: superTex Composites. 
Der Zugang zum Design war für die Tiroler Architektin Valentine Troi ein ganz untypischer. Begonnen hat alles mit der Entwicklung eines neuen Werkstoffes – splineTEX®. Mit ihrem vierköpfigen Team war sie auf der Suche nach einem neuen, frei  formbaren Strukturelement. "Anfangs haben wir das Material für unsere  eigenen Bedürfnisse entwickelt. Nun sind wir in der Lage, selbst  Entwürfe wie etwa den "splineTextable" zu gestalten. Mit der  Fertigung von Möbelstücken können wir den Werkstoff effizient  präsentieren und hervorheben." Gutes Design hat für sie mit  Überraschungen zu tun – ohne Mehrwert ist  sie schwer zu begeistern. Ihre  Zukunftsvision? Den Werkstoff weiterentwickeln und damit immer  komplexer und anspruchsvoller zu  gestalten. Peter HusslDie zweite Generation des Traditionsunternehmens sorgt für frisches Design.
Gemeinsam mit seiner Schwester Beate trat Peter Hussl in die Fußstapfen seines Vaters. Der Betrieb war einst nur Zulieferer, bis man sich Mitte der 1990er-Jahre dazu entschloss, eigene Stühle und Tische zu produzieren. Die Gestaltung übernimmt der Chef, in Zusammenarbeit mit externen  Designern selbst. Der Stil steht für zeitlose, elegante Modelle wie etwa  der Stuhl "ST6N-2". "Wir bleiben bei dem, was wir  können, und dem Material Holz treu. Es  geht uns viel mehr darum, dass  unsere Entwürfe nachhaltig und  qualitativ hochwertig sind." Das  Tiroler Unternehmen wird heuer das erste Mal in Mailand während   der  Möbelmesse ausstellen. "Ich finde es spannend und fahre mit vielen    Wünschen nach Italien. Die Erwartung liegt klar darin, dass wir neue    Kontakte knüpfen und unser Produkt einem breiten Publikum präsentieren    können." Sascha Mikl, Martin Schnabl und Michael Tatschl, breadedEscalopeDas Wiener Gestaltungskollektiv überrascht  und provoziert. Ihre Entwürfe sind geprägt von experimentellen Ansätzen.  Sascha Mikel, Martin Schnabl und Michael Tatschl (von links)   sind breadedEscalope. Die Gruppe bewegt sich zwischen angewandten und  bildenden Praktiken  und versucht dabei, vor allem die soziale Relevanz  in den Vordergrund zu stellen.   Sie schaffen spannende Zugänge zu ihren  Projekten, wie etwa der Stuhl  "Love me Bender" oder die "Inefficient  Vase".   Mailand findet das Kollektiv spannend: "Wir  haben viele  vielversprechende  Talente, die auch international gezeigt  werden  müssen. Wer mitreden  will, darf sich nicht verstecken. ... ... Es ergibt  sich  durch die  Gemeinschaftsausstellung zusätzlich eine  seltene   Gelegenheit, auch  einmal die österreichische Szene  untereinander besser   kennenzulernen." Andreas Wolsegger und Romed Brugger (Tischlerei Forcher), Horst Philipp, Nina Mair und Georg Öhler (Pudelskern)Kreativität trifft Handwerk: "auí alpine living" von Pudelskern für die Tischlerei Forcher. 
Gerhard Forcher leitet nun seit über zehn Jahren das 83 Jahre alte Familienunternehmen – die Tischlerei Gabriel Forcher. Um nicht nur ein klassischer Handwerksbetrieb zu bleiben, ... ... versuchte Forcher, traditionelle Fertigungstechniken mit Ästhetik und  funktionellem Design zu verbinden und entschloss sich dazu, selber  produzierte Möbelserien ins Sortiment aufzunehmen.  Die Idee, das  talentierte Tiroler Kreativ-Trio Pudelskern zu   engagieren, stammt von Romed Brugger, Produktentwickler, und Andreas  Wolsegger, Verkaufsleiter. Durch  diese spannende  Kooperation entstand  die innovative Möbelserie "auí  alpine living". Das Designbüro Pudelskern ist heuer unter anderem auch für die Gestaltung der Sonderausstellung in Mailand verantwortlich.

Die Außenwirtschaft Österreich veranstaltet im Rahmen der Mailänder Möbelmesse vom 17. bis 22. April die Sonderausstellung "Austrian Design – raw and delicate". IMMO zeigt heimische Möbel- und Produkt-Designer, die ihre Koffer schon gepackt haben.

(kurier) Erstellt am
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