Wie werden wir übermorgen leben und wohnen?

Die Wohnung als Medizin, dörfliche Strukturen in der Stadt und unsichtbare Technologien: Trendforscher Harry Gatterer präsentiert seine Thesen zur Zukunft des Wohnens.

Ende September traf sich die Branche beim Bundestag der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in Krems. Zukunftsforscher Harry Gatterer sprach über das Thema "Wie man übermorgen lebt und wohnt" und präsentierte seine Forschungsergebnisse in sechs Thesen zur Zukunft des Wohnens. Die Wohnung als Nest. 

Selbstentfaltung und Selbsterkenntnis sind zentrale Bausteine einer zukunftsfähigen Gesellschaft, die private Wohnung ist Schule und Bühne für das tägliche Leben. "Die eigene Wohnung wird damit zum Lernraum in einer Gesellschaft, in der wir uns mit der Frage der eigenen Lebenskompetenz auseinandersetzen müssen", so Gatterer. Die Herausforderungen beginnen damit lange vor der Raumkonzeption. Die Fragen "Wo und wie möchte ich leben?" sind der erste Schritt. Wohnen als Arznei. 

Die Wohnung wird immer mehr zum "Gesunderhaltungsraum". Wie das geht? "Über eine kluge Planung der Tagesabläufe und über die gekonnte Auswahl neuartiger Materialien, ... ... wie zum Beispiel schmutzabsorbierende Wandfarben oder atmende Textilien. Aber auch über das Spiel mit der Natur: vom Indoor-Gardening bis zum Panoramafenster ins Grüne", erklärt der Trendforscher. Gemeinsam statt einsam. 

Wohnformen der Zukunft orientieren sich stark an Gemeinschaften: ob WGs, verdichtete Quartiersbildung oder Mehrgenerationenhäuser. Gerade die notwendige hohe Mobilität für die Bewältigung des Alltags macht neue Verdichtung erforderlich. Je mehr Technologie wir nutzen, desto weniger werden wir diese an der Oberfläche wahrnehmen. Damit wird Wohnen immer mehr zur Frage von intelligenter Oberflächengestaltung. Adaptierbare Grundrisse. 

Das Lebenskonzept der Menschen verändert sich im Lauf der Zeit mehrmals. Daher muss auch Wohnen Veränderung ertragen. "Es geht eben nicht mehr darum, das Leben in eine Form zu pressen, sondern die Form an Veränderung zu orientieren", ist Gatterer überzeugt. Home-Logistics. 

Stauraum war gestern, morgen kommt eine Phase der professionellen Home Logistic. Denn in einem privaten Haushalt befinden sich rund 25.000 Gegenstände – weit mehr, als die meisten vermuten. Und es werden fast täglich mehr. Dabei stellt sich aber die Frage, wie man mit dieser Flut an Gegenständen umgeht. Wie verortet und verstaut man diese und vor allem: Wie findet man sie später wieder? Da dieses Problem noch nicht optimal gelöst ist, hat der Siegeszug der Self-Storage-Konzepte bereits begonnen. Die wesentlichste Änderung: In Inseraten wird man zwei Indikatoren angeben müssen – den Heizwärmebedarf und den Gesamtenergieeffizienzfaktor des Gebäudes. Von der Idee, das ganze Energieausweis-Label im Inserat abzubilden, ist man wieder abgekommen.
(KURIER) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?