Vordenken bei der Dachterrasse

Wer die Ausstattung seiner Dachterrasse von Profis planen lässt, erspart sich meist viele Sorgen und noch mehr Geld. Die Gartenplaner Ulrike Seher und Herwig Bindar wissen mehr.

Sie lernten einander während ihres Studiums am Institut für Bodenkultur kennen und irgendwann war beiden klar: Sie wollten im Privatbereich arbeiten. Schnell gründeten Ulrike Seher und Herwig Bindar ihre Firma gruenhoch3. Obwohl sie eigentlich vom Klopfbalkon bis zum großen Garten alles machen, waren sie aufgrund der regen Nachfrage schnell auf Dachterrassen spezialisiert.

Im Bild: Gräser geben dem Außenraum Struktur, Bäume betonen die vertikale Linie und vergrößern optisch den Raum. Die Pflanzgefäße sind hier aus Zink Seit 2003 operieren sie von einem hundert Jahre alten Werkstättenhof in der Wiener Mollardgasse aus – und können dort bei Bedarf auf ein Netzwerk von Architekten und Handwerkern zurückgreifen. Im Interview mit IMMO erklären sie die größten dos & don’ts.

Im Bild: Gartenplaner Ulrike Seher und Herwig Bindar sind seit dem Studium ein Team Was machen die Leute beim Einrichten ihrer Dachterrassen eigentlich gerne alles falsch?

Ulrike Seher: Die Freude über den neuen Lebensraum ist meist so groß, dass die Leute viel zu schnell anfangen, sich dafür wahllos ein paar Dinge zu kaufen. Dabei wäre gleich am Beginn ein Konzept sehr wichtig. 

Im Bild: "Eine Terrasse soll auch im Winter lebendig sein." Ulrike Seher arbeitet oft und gerne mit der Farbe Rot Wir erleben dann sehr oft, dass da schon enorm viel Geld investiert wurde – etwa in falsche Pflanzen, die nicht winterhart oder für das exponierte Klima auf einer Terrasse nicht geeignet sind. Oder in falsche Pflanzgefäße – Terrakottatöpfe sind oft schon nach einem, spätestens aber nach zwei Wintern kaputt.

Im Bild: Pflanzgefäße sollten nie auf einem Holzboden stehen - besser ist ein Unterlage aus Kies Dazu kommt, dass für die Pflanzen nicht der Winter das Problem ist, sondern der Sommer, wenn es in den Behältern zu heiß wird. Wir isolieren unsere Gefäße mit Styropor, damit sich die Erde nicht so aufheizen kann.

Im Bild: Alpengarten für die Terrasse Häufig wird auch ein falsches Substrat verwendet – normale Gartenerde verdichtet sich nach kurzer Zeit und lässt den Wurzeln kaum mehr Luft. Wir verwenden stattdessen ein spezielles Dachgartensubstrat.

Im Bild: Pflanzentrog und Rückwand passen zusammen Bei vielen Aufträgen planen Sie die Möbel gleich mit. Gefallen Ihnen die Angebote anderer Firmen nicht?

Herwig Bindar: Nein, ganz im Gegenteil, da gibt es viele tolle Sachen und wir greifen auch regelmäßig darauf zurück. Aber vieles davon ist von der Dimension her einfach nicht geeignet. 

Im Bild: Sichtschutz mit integrierten Pflanzgefäßen,
Stauraum und Sitzmobiliar Oft werden von den Kunden Möbel gekauft, die für ihren Außenbereich viel zu groß sind. Dann stehen da sehr wuchtige Sachen herum, die im Gesamtkonzept alles andere als stimmig sind.

Im Bild: Auch auf kleinstem Raum bieten sich viele Möglichkeiten Auch beim Verlegen des Bodens und bei der Beleuchtung warnen Sie vor allzu schnellen Entschlüssen.

Seher: Wenn der Holzboden sofort verlegt wird, ist schon alles fix. Ideal ist es, wenn wir schon vorher hinkommen dürfen und uns gemeinsam von Anfang an überlegen, was es alles braucht. 

Im Bild: Von gruenhoch3 ausgeführte Dachterrasse mit Eichenboden und maßgefertigten Schienen für eine Segelplane als Sonnenschutz Holzboden muss zum Beispiel nicht auf der ganzen Terrasse liegen, das ist ja ein ziemlich teures Element. Man kann ihn etwa gut mit Kiesflächen unterteilen. Auch dort, wo die Pflanzgefäße stehen, brauche ich keinen Boden verlegen. Es ist nämlich gar nicht gut, die Tröge daraufzustellen, da das Holz immer durchlüftet sein sollte.

Im Bild: Holzboden, Kiesflächen und Pflanzgefäße ergeben ein harmonisches Gesamtbild Auch Beleuchtung, Dusche und Bewässerungsanlage sind schon im Vorfeld große Themen. Wenn ich mir das vorher überlege, kann ich alle Leitungen dafür unterhalb des Bodens legen. Im Nachhinein ist das dann alles meist sehr schwer. Apropos Bewässerungsanlage – ich kann ja sehr gut verstehen, dass die Leute ihre Blumen gerne selber gießen. Aber man muss wissen, dass es im Hochsommer schon genügt, ein einziges Wochenende nicht da zu sein und schon ist die ganze Pracht kaputt. Das sollte man sich besser ersparen.

Im Bild: Wasser ist im Freien ein großes Thema: Die Rückwand dieser Gartendusche wurde aus demselben Holz (Eiche) wie der Boden gebaut Obwohl Sie vom Namen her ja Gartenplaner sind, ist das Bauen von Möbeln bei Ihren Projekten genau so wichtig wie die Bepflanzung selbst. Warum?

Seher: Gerade auf Dachterrassen gibt es viele Kamine und Kaminschächte. Dazu braucht man Staumöglichkeiten. Wenn ich da nur vorgefertigte Möbel hinstelle, gäbe es viel zu viel toten Raum. Eine gute Planung muss versuchen, all diese Elemente optimal zu integrieren. Außerdem hat man ja meist auch nicht unbegrenzten Platz. Wenn es klein und verwinkelt ist, ist etwa eine Staubox mit integriertem Pflanzgefäß eine optisch ansprechende Lösung.

Im Bild: Bietet viel Stauraum: Die von den beiden Gartenplanern entwickelte "Sitzbox" ist wasserdicht und winterfest. Der Sichtschutz ist eine Erweiterung des Holzbodens Ein neuer, ansteigender Trend ist die Outdoor-Küche. Muss man da nicht im Winter wieder alles mühsam hineinräumen?

Bindar: Teilweise muss man natürlich einwintern, keine Frage. Wir sind im Freien, da muss man darauf Rücksicht nehmen, dass es in den kalten Monaten auch friert. 

Im Bild: Eine Outdoor-Küche in knalligem Rot und dahinter der Blick über Wien Es kommt darauf an, wie weit man geht – wir haben Terrassen über Wohnungen, wo es Warmwasser gibt. Da muss dann natürlich auch der Boiler abgebaut werden, das ist relativ aufwendig. Aber wir haben bei uns etwa ein Kühlschrankmöbel entwickelt, das wasserfest und winterhart ist.

Im Bild: In Zusammenarbeit mit einem Yachtbauer entstand diese Sonnensegel-Konstruktion für ein Badehaus bei Wien Was ist das beste Holz für draußen?

Bindar: Tropisch oder nicht tropisch, das ist immer die Frage. Das beste Holz ist natürlich Teak, mit ethischen Grenzen. 

Im Bild: Lebensraum mit Qualität: Vor allem zweigeschoßige Dachterrassen brauchen gut durchdachte Lösungen Von zertifizierten Tropenhölzern bis zu Wildschlägerungen ist alles am Markt. Wir arbeiten nur mit zertifizierten Produkten. Am liebsten verwenden wir aber heimisches Eichenholz. Das ist fast genau so gut, aber wesentlich nachhaltiger.

Im Bild: Viel Grün sieht nicht nur gut aus, sondern kühlt und spendet Schatten im Sommer.
(KURIER) Erstellt am
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