Utopien für das Überleben

In Zeiten knapper werdender Ressourcen erschaffen Architekten Projekte, die dem Menschen das Überleben auf einem unwirtlicher werdenden Planeten sichern sollen.

Riesenseerose
Phuket, Thailand – The Why Factory, Universität delft

Touristen-Attraktion: Die künstlichen schwimmenden Seerosen öffnen und schließen ihre Blütenblätter im Tagesverlauf und fangen auf ihrer verspiegelten Oberfläche das Sonnenlicht ein. Saubere Energie, aus der Strom gewonnen wird. Unter den Blättern gibt es Hotels, Restaurants und Strände. Die gigantische Wasserpflanzen-Siedlung folgt den warmen Meeresströmungen und
bietet bis zu 50.000 Menschen Platz. Wolkenschiffer
Irgendwo am Himmel/Studio Lindfors

Blick nach oben: Die Nomaden der Zukunft verlassen den Erdboden, um in den Wolken dahinzugleiten. Ihre Fluggeräte, die die enormen Energien der Jetstream-Winde nutzen, sind mit Windturbinen und Sonnenkollektoren zur Stromerzeugung ausgestattet. Mit dem in Trichtern gesammelten Regenwasser werden die Dachgärten auf den schwebenden Siedlungen bewässert. Eine Hoffnung,
wenn die Ressourcen auf der Erde zu Ende gehen. Schwimmende Gärten
Niederlande/Anne Holtrop, Roderick van der Weijden

Künstliche Insel: Im Isselmeer, einem riesigen Süßwassersee nördlich von Amsterdam, treibt eine begrünte Insel. Sie ist hügelig, beherbergt Gärten und eine Wellnessoase mit Bädern, Panorama-Saunen, Behandlungsräumen und Erholungsbereichen. Durch große Fenster gelangt man ins Freie. Die Besucher wandern durch eine vielfältige Landschaft. Das Wasser dient je nach Bedarf als Wärme- oder Kältespender. Multiplicity
Melbourne, Australien/John Wardle Achtitects und Stefano Boscutti

Auf höherer Ebene: Das Wachstum Melbournes in Richtung Peripherie ist begrenzt. Deshalb wächst die Stadt nach oben. Über den bestehenden Gebäuden entsteht eine Parallelwelt. Die neue Ebene verschafft den bereits existierenden Gebäuden Kühlung und produziert ihre Energie selbst. Luftschiffe transportieren täglich Millionen Menschen in
die obere Welt. Eco-Pod
Boston, USA/Höweler+Yoon Architecture

Leben in Waben: Dieses variable Veranstaltungs-Gebilde soll Stimulation für Ökonomie und Ökologie gleichermaßen bringen. In den Zwischenräumen entstehen öffentliche Miniparks und botanische Gärten, in denen anspruchslose Mikroalgen wachsen, aus denen Bio-Treibstoff gewonnen
werden kann. Cruise City
auf den Meeren der Welt/NL Architects

Friedensflotte: Flugzeugträger wiegen mehr als 70.000 Tonnen und zählen zu den schwersten Schiffen der Welt. Was bisher der Kriegsführung diente, wird zum Vergnügungsdampfer. An Deck findet eine ganze Kleinstadt samt Vergnügungspark Platz. Touristen schaukeln so über den Ozean, entdecken neue Weltgegenden und erleben Freizeit-Abenteuer an Bord. Hualien Beach Resort
Hualien, Taiwan – BIG/Bjorke Ingels Group

Die Terrassen als Spiegelbild der Berge: Ein luxuriöses Strand-Resort an der hügeligen Ostküste von Taiwan auf einem ehemaligen Industriegelände. Der Platz bietet spektakuläre Ausblicke, die es zu nutzen gilt. Die Gebäude sind so ausgerichtet, dass sie einen optimalen Blick aufs Meer im Osten, auf die Berge im Westen und den günstigsten Einfallswinkel für das Tageslicht ermöglichen. Die grünen Dächer lindern die Hitze und machen das feucht-tropische Klima erträglich. Und das alles mit einem extrem geringen Energieaufwand. Grünes Bauen im doppelten Sinn also. Zuflucht in der Wüste
Nevada, USA/Matsys

Grüne Löcher: Frank Herbert beschreibt 1965 in seinem utopischen Roman "Dune" eine Erde, die zur Wüste geworden ist. Die verbliebenen Einwohner flüchten in unterirdische Oasen, Sietch genannt. So etwas wurde auch für die Nevadawüste erdacht. Reiches Leben, der Dürre entflohen, auf zellenförmig angeordneten unterirdischen und begrünten Wasserspeichern. Die unbegrenzte Großstadt
Wien/Karl Dorfmeister, Otto Wagner, Adolf Loos

Was wäre, wenn...

... Karl Dorfmeister seine Pläne für eine Volksoper auf dem Kahlenberg 1903/04 verwirklich hätte (siehe Bild)? Ein Jugendstilpalast mit breiter Freitreppe und Rampen für die Wagenzufahrt. Auf den Berg führte damals die Zahnradbahn, die Höhenstraße war in Planung. ... Adolf Loos 1917 die Gartenbaugründe am Parkring vor dem Palais Coburg mit "Wolkenkratzern" verbaut hätte – als radikale Antwort auf Karl Kraus’ Bemerkung "Gemütlich bin ich selber?" ... Otto Wagner 1911 im 22. Bezirk seine Vision von der Großstadt verwirklicht hätte (siehe Bild) – strenge Raster mit 23 Meter breiten, geraden Straßen und 23 Meter hohen Häusern. "Eine moderne Großstadt darf weder das Aussehen des antiken Rom noch des alten Nürnberg haben", war Wagner überzeugt. Buchtipp

Utopia Forever – Visions of Architecture und Urbanism

Herausgeber: R. Klanten, L. Feireiss
Verlag: Gestalten
256 Seiten, 44 Euro

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(KURIER / Eva Gogola) Erstellt am
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