Wohnen
14.11.2018

Tischler mit Taktgefühl: Designer macht Möbel aus Instrumenten

Der musikalische Tischler Samuel Karl lässt Cellos an der Decke schweben und verwandelt Zithern in Uhren.

Fische schwimmen in Trommelbecken, Weinflaschen sind am Gitarrenhals fixiert und die Garderobe besteht aus Trompeten. Samuel Karls Messestand fällt auf.

Obwohl sein Standort etwas ins Eck gedrängt wurde, locken die geöffneten Schubladen, die aus den Trommeln ragen, die Besucher an. Kreativ gebastelt hat der Oberösterreich schon immer gern. Außerdem ist er Hobbyschlagzeuger und spielt seit seiner Kindheit in der örtlichen Musikkapelle.

Im Frühjahr diesen Jahres hat der 25-Jährige seine Leidenschaften nicht nur zum Beruf, sondern mit seinem Unternehmen „Ausgespielt“ gleich zu einem neuen Berufsfeld gemacht. Seither stellt Samuel Karl Möbel aus alten Musikinstrumenten her. Über Ideen, Kreativität und Handwerk erzählt er im KURIER-Interview.

KURIER: Wie sind Sie auf die Idee gekommen Möbel aus Instrumenten zu bauen?

Samuel Karl: Ich habe schon immer gerne getischlert. Als ich in der dritten Klasse der HTBLA Hallstatt war, haben wir die Aufgabe bekommen, ein Geschäft einzurichten. Ich habe mir ein Musikgeschäft ausgesucht und dafür ein Kassapult – inklusive Schubladen und allem, was dazu gehört – aus einer alten Schlagzeugtrommel gefertigt. Dabei sind mir auch andere Ideen gekommen.

Was kam danach?

Ich habe viele Musikinstrumente verbaut und als ich mit der Schule fertig war, habe ich acht Möbelstücke aus Instrumenten gehabt. Da ich nicht wusste, ob sich das überhaupt verkauft, habe ich sie im Februar 2016 auf der Messe Wohnen und Interieur ausgestellt – und das ist sehr gut angekommen.

Welche Musik-Möbelstücke sind seither im Sortiment?

Zu Beginn waren es Gitarren und Trommeln mit Schubladen. Ich habe auch einen Weinständer aus einem Gitarrenhals gefertigt oder ein Aquarium aus einer Trommel. Auf Kundenwunsch habe ich ein Kinder-Cello in einen Lampenschirm umgebaut, oder Leuchten aus Schlagzeugbecken und einen Gitarrenverstärker zu einem Geheimfach gemacht.

Was war der speziellste Auftrag?

Ein Kunde hat die Zitter des Großvaters am Dachboden gefunden und wollte sie zu einer Wanduhr umbauen lassen. Dabei ist ein schönes Unikat mit Geschichte entstanden. Oder zum 50. Geburtstags des Obmanns eines Musikvereins habe ich ein Tenorhorn in eine Stehlampe umgebaut.

Ist die Nachfrage nach diesem speziellen Handwerk am Land größer als in der Stadt?

Ich bin viel auf Messen in den Städten unterwegs. Da bemerke ich, dass unterschiedliche Instrumente nachgefragt werden. Am Land sind Blasinstrumente beliebt, Trommeln und Gitarren dafür eher in der Stadt. Interessenten gibt aber zum Glück überall.

Welches Instrument wollen Sie unbedingt noch umbauen?

Auf meiner Liste steht noch ein Klavier und das Instrument eines berühmten Künstlers würde ich auch gern umgestalten.

Was würde aus dem Klavier werden?

Ich versuche immer, etwas ganz Neues zu machen – ein paar Ideen habe ich schon im Kopf.