Wohnen
23.03.2018

Thonet-Sessel: Biegen, nicht brechen

Sigmund Freud saß darauf, die traditionellen Kaffeehäuser Wiens wären nicht dasselbe ohne ihn: den Wiener Kaffeehaus-Stuhl.

Eine gebogene Rückenlehne aus Holz: Was heute unspektakulär klingt, revolutionierte um 1900 die österreichische Hauptstadt und prägt seither die Wiener Kaffeehaus-Kultur. Der Stuhl Nr. 14, der mittlerweile die Nummer 214 trägt, hat seinen Erfinder Michael Thonet zu einer Legende unter den Kunsttischlern gemacht und steht etwa im Hawelka und im Café Jelinek für die Gäste bereit.

Jahrelang tüftelte der Designer in seiner Werkstatt, bis es ihm schließlich gelang das massive Buchenholz mittels Wasserdampf zu biegen und in einen eleganten, zeitlosen Klassiker zu verwandeln. Da der Sessel außerdem in alle Einzelteile zerlegt werden kann, wird der „Wiener Kaffeehaus-Stuhl“ seither problemlos in die ganze Welt exportiert.

Holz ist allerdings nicht das einzige Material, für das Michael Thonet und seine Nachfahren ein Händchen haben. In den 1930er-Jahren zählten sie zu den führenden Stahlrohrmöbel-Produzenten. Zu verdanken hatten sie diesen Erfolg einer Zusammenarbeit mit Designer Mart Stam und der Entwicklung des freischwingenden Stuhls ohne Hinterbeine. Heute mischen Thonet-Designer gerne verschiedene Materialien miteinander. Erst kürzlich erschien eine neue Kollektion aus Stahlrohr und Bugholz, die auch eine neue Interpretation des Stuhls mit der Nummer 214 enthält.