Wohnen
13.11.2018

Sportstätten: Architektur für Weltmeister

IMMO zeigt sechs Projekte, in denen die Fusion von Sport und Architektur gelungen ist.

Funktional müssen sie sein und praktisch natürlich auch. Das ist aber noch lange kein Grund, um auf ästhetische Formensprache und einen stimmigen Material- und Farbenmix zu verzichten – egal ob es sich um große Sportanlagen für Weltmeisterschaften oder kleine Turnhallen für Schulen handelt.

Obwohl jeder Architekt dieser Aussage zustimmen würde, zeigt sich gerade in Sporthallen ein ganz anderes Bild: Dunkle Holzbretter an den Wänden und der Decke. Zu wenig Fenster und damit kaum natürliches Licht und der Boden ist in eine bereits vergilbte – früher aber einmal satte – Farbe getaucht.

Schluss mit der "designfreier Zone"

Sportstätten waren lange Zeit eine designfreie Zone“, weiß Architekt Harald Fux. Seit rund zwanzig Jahren saniert und plant er Architektur, die auf die jeweilige Sportart angepasst ist. Fux sieht einen steigenden gestalterischen Anspruch in der Planung von Sportanlagen in den vergangenen zehn Jahren – trotzdem bestehe noch sehr viel Nachholbedarf.

„Musste der grüne Boden einer Turnhalle erneuert werden, wurde früher nicht darüber nachgedacht und einfach derselbe wieder verwendet“, so Fux. Das sei heute eine ganz andere Herangehensweise.

Sportliche Herausforderungen

Die besondere Herausforderung der Sportarchitektur besteht in den unterschiedlichen Sportarten. „Ein Fußballer braucht etwas ganz anderes als ein Leichtathlet“, weiß Fux. Daher müssen Architekten bei jedem Projekt individuell auf die Sportler eingehen und eng mit ihnen zusammenarbeiten.

Was allerdings alle brauchen ist die richtige Portion natürliches Tageslicht. „Es ist schwierig Outdoorsportarten in Indoorräume umzudenken“, weiß Thomas Schnizer, der für die Kletter-Weltmeisterschaft in Innsbruck dieses Jahr eine einzigartige Kletterhalle inklusive Außenanlage entworfen und umgesetzt hat.

Gestaltungsfaktor Licht

Wie ein freundlicher, lichtdurchfluteter Raum aussieht, in dem die Menschen gerne Sport machen, sei immer die zentrale Frage. „Dabei ist die Raumsetzung ein komplexes Thema, denn das passende Licht lässt sich nicht durch das Abzählen von Fensterscheiben bestimmen“, erklärt Schnizer weiter. 

Harald Fux geht immer von sich selbst aus: „Ich will ja auch nicht in einem Loch trainieren.“  Deshalb müssen Funktion und Wohlbefinden, genauso wie Materialität, Klima und Akustik Hand in Hand gehen: „Alles muss perfekt aufeinander abgestimmt sein, damit die Menschen gerne an einem bestimmten Ort  trainieren.“

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Gute Aussicht

Im Februar 2019 ist es soweit – die weltbesten Athleten in den nordischen Sportarten  versammeln sich in Seefeld in Tirol und kämpfen um den Weltmeistertitel. Um diesem Spektakel den gebührenden Rahmen zu geben, ließen sich die Seefelder „Meissl Architects“ nicht zweimal bitten.

Gute Aussicht

„Mein Vater hat  bereits 1985 die WM–Halle gebaut und daher war uns dieses Projekt ein besonderes Anliegen“, so Alexander Meissl. Der Holzturm mit Glasfassade liegt im Auslauf der Schanze und ist der Mittelpunkt der Skisprungarena. Auf zwei Ebenen sitzen hier Wettkampfleitung, Platzsprecher und Zeitnehmer. Zusätzlich ist eine außen liegende Stahltreppe konzipiert, sodass  „jeder die Aussichtsplattform am Dach genießen kann.“

Mehr als ein Fußballstadion

Nicht nur die Fußballfans vom FK Austria Wien dürfen sich seit Juli 2018 über ein neues Stadion am Laaer Berg in Wien Favoriten freuen. Der Bau beinhaltet sechs Festsäle, 24 Logen, einen Kindergarten  und einen Bürotrakt. „Da im Stadion eine 365 Tage Nutzung gegeben ist und die Räume für vielfältige Veranstaltungen geeignet sein müssen, war die Umsetzung nicht ganz einfach“, erzählt Michael Mauch, der das Projekt mit Architekt Reinhardt Gallister umgesetzt hat.

"Dreigeteilt"

Es muss nicht immer eine Standardhalle sein. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, weiß Architekt Harald Fux von Raumkunst ZT. Umso größer war die Freude, als er 2016 die Sanierung einer Schulsporthalle in der Anton-Krieger-Gasse in Wien plante und feststellte, dass diese bereits aus drei getrennten Sälen besteht. „Die Aufteilung haben wir behalten und jeder Halle einen Schwerpunkt mit Infrastruktur gegeben“, so Fux. Eine Halle ist für Ballspiele reserviert, eine andere  für Geräteturnen und die dritte bedient „Funsportarten“. Darin findet sich die klassische Sprossenwand genauso wie eine Boulderwand. Fux: „Es ist wichtig, auf individuelle Nutzung zu achten, und bereitzustellen, was die Schule wirklich braucht.“

Lebendiger Gang

Der Auftrag klingt etwas eigenartig: Neben der Sanierung eines bestehenden Gymnasiums und dem Bau einer Sporthalle sollte auch ein unterirdischer Verbindungstrakt für die Schüler des Stiftgymnasiums Kremsmünster geschaffen werden. Die Kinder sollten das Schulgebäude nämlich nicht verlassen müssen, um zur Sporthalle zu kommen. Entstanden ist ein  „lebendiger Gang“, dessen Wände zum spielerischen Gestaltungselement werden. Die Idee von „Poppe Prehal Architekten“ wurde auf mehreren Ebenen umgesetzt: „Einerseits war uns das Spiel von Licht und Schatten sehr wichtig“, erklärt Helmut Poppe.  

Lebendiger Gang

Kontraste schaffen die Architekten mittels Falten in den Sichtbetonwänden. Durch diese Technik wird der Lichteinfall verstärkt und zusätzliche Strukturen im unterirdischen Raum geschaffen. Außerdem arbeiteten sie so viel wie möglich mit Tageslicht. „Die Sprossenwand ist beispielsweise nach hinten hin geöffnet und die Sporthalle  in Richtung Gang verglast“, so Poppe. Erlebbar wird der Gang auch durch Kletterwände, die  im Gang zu finden sind.  „Das Konzept funktioniert sehr gut. Kinder und Lehrer gehen nach wie vor gerne durch“, erzählt der Architekt.  

Alles in einem

599 Einwohner zählt die Gemeinde Kaunertal in Tirol. Sie liegt direkt am Gletscher und lockt viele Touristen an. Ist die  Zufahrt zum Berg aber wegen Lawinengefahr gesperrt, brauchen die Besucher eine alternative Beschäftigung – „und die bietet das örtliche Hallenbad“, weiß Architekt Michael Fuchs. Obwohl das Bad eine große finanzielle Belastung für die Gemeinde darstellt, ist es für  kleine Hotels und Privatzimmervermieter unverzichtbar. „Der Bau stammt aus den 1970er Jahren und wurde mit so wenig Geld wie möglich am Laufen gehalten“, erzählt Fuchs.

Alles in einem

Als eine Sanierung unvermeidbar wurde, konnte  Michael Fuchs mit seinem Büro „parc architekten“ den Architekturwettbewerb  für sich entscheiden und das Bad 2017 neu eröffnen. „Statt dem Außenbecken, haben wir eine Sauna und Ruheanlage auf dem Dach gebaut“, erklärt er. Diese Variante sei wesentlich  billiger in der Erhaltung und biete den Besuchern einen schönen Ausblick. Zusätzlich entstand im früheren Sauna-Keller eine Naturparkausstellung zum Thema Wasser, während sich das zugehörige Restaurant zum Dorfgasthaus entwickelt. Fuchs: „Wir konnten ein  nachhaltiges, gut geplantes Projekt realisieren.“

Modernes Wahrzeichen

Architekt Thomas Schnizer stand vor einer besonderen Herausforderung, als er sich entschied, am Architekturwettbewerb für eine neue Kletterhalle in Innsbruck teilzunehmen. „Ich habe mich gefragt, wie ein freundlicher lichtdurchfluteter Raum aussieht, in dem die Menschen gerne klettern“, erklärt er. Schließlich konkurrierte er nicht nur mit 60 anderen Entwürfen, die von Architekten aus ganz Europa eingereicht wurden, sondern mit etwas noch Größerem – nämlich dem Klettererlebnis am Berg.

Modernes Wahrzeichen

Es scheint ihm gelungen zu sein, denn das Kletterzentrum wird seit seiner Fertigstellung 2017 sehr   gut genutzt. Die Jury begründete ihre Entscheidung unter anderem mit der „einzigartigen Verbindung, die zwischen Funktion und Wahrzeichen geschaffen wurde.“