Solide Handarbeit: Einrichten mit Holz

Behaglich, schön und ökologisch besonders wertvoll: Kein anderes Material wird so vielen verschiedenen Ansprüchen gerecht wie Holz. Ein neuer Bildbandführt die stilistische Bandbreite beim Einrichten vor.

Die Liebe zum Holz haben alle Menschen gemeinsam“, betonte der dänische Architekt Hans Wegner, "Egal, woher sie kommen, sie alle verspüren den Drang, ihre Hände über Holz gleiten zu lassen, es zu halten, zu riechen und genaue Bekanntschaft mit dem Material zu machen."

Kein anderer Designer wurde für seine Holzmöbel so berühmt wie Hans Wegner, der in den 1930er-Jahren zuerst eine Tischlerlehre absolvierte, bevor er in Kopenhagen Architektur studierte. 

Im Bild: Der massive Esstisch ist aus Eichenholz gefertigt und wird zum Hauptdarsteller Die Originale seiner Entwürfe werden heute um Höchstsummen bei Antiquitätenmessen angeboten. Etliche seiner poetischen und vielseitigten Eichen-Modelle werden bis heute von den Firmen Fritz Hansen und Carl Hansen produziert. Sie alle sind vor allem eines: Hommage an den Werkstoff Holz.

Im Bild: Küche aus massivem Eichenholz Kein anderes material ist so vielseitig und beeinflusst unser Leben so sehr wie Holz. Es gewinnt mit zunehmender Alterung an Schönheit und es kann – je nach Bearbeitung – rustikal, hochelegant oder extrem modern wirken. Es befriedigt unsere Sehnsucht nach Nachhaltigkeit und Handwerk. Es greift sich wunderbar an und wir holen uns damit die Natur ins Haus. 

Im Bild: Relax-Chairaus Rattan von Poul Kjaerholm Moderne architektur wäre in den meisten Fällen ohne Eiche, Lärche oder Fichte undenkbar. So bezeichnet etwa der bekannte Südtiroler Designer und Architekt Matteo Thun das von ihm erbaute Wellnesshotel Vigilius Mountain Resort als "Holzhaus der Moderne". 1500 Meter oberhalb von Meran gelegen ist das mit Lärchenlamellen verkleidete Gebäude schon von Weitem sichtbar. Die ökologische Gesinnung ist hier, wie auch bei vielen anderen aktuellen Projekten, Programm.

Im Bild: Sitznische aus Teakholz, auch der Fußboden besteht aus massiven Eichendielen "Naturnahe Bauweise und ein schonender Umgang mit heimischen Ressourcen führten ab den 1990er-Jahren zu einem Bau- und Einrichtungsstil, der den kühlen Funktionalismus der Moderne mit den warmen Materialien aus der Natur versöhnt", schreiben die Autoren Wim Pauwels und Simona Heuberger in ihrem soeben erschienenen Buch Wohnen mit Holz (Callwey Verlag). Ein reichhaltiger Bildband, der anhand vieler unterschiedlicher Beispiele zeigt, was alles möglich ist – und wie gut dies aussehen kann. 

Im Bild: Auch die Nische ist aus Teakholz. Durch weiße Wände und Möbel wirkt Holz klar und modern. Auch einem neuen alpenländischen Stil wird dabei gehuldigt: "Er lässt die Zirbelstube und den Herrgottswinkel weit hinter sich und präsentiert sich stattdessen hell, jung und aufgeräumt", heißt es etwa dazu.

Die unregelmässige Struktur und warme Farbtönung des Naturproduktes bilden ein Gegengewicht zur architektonischen Strenge und Linienführung vieler moderner Haus- und Wohnungsprojekte. 

Im Bild: Das maßgefertigte Sideboard ist aus Teakholz. Ein einfacher Trick, den sich schon die Minimalisten in den 1990er-Jahren zu eigen machten. Damals kürte der britische Architekt John Pawson, allgemein auch als Meister der Leere betitelt, nicht Beton, sonder die Douglasie zu seinem Lieblingsmaterial. Heute wissen Profis: Holz braucht starke Farben – oder ganz viel Weiß. In luftigen und lichtdurchfluteten Räumen werden so etwa Eichendielen oder ein Tisch aus Nuss zum Hauptdarsteller. 

Im Bild: Minimalistische Treppe aus Eichenholz Dabei darf kombiniert werden: In einem Haus mit Holztreppe müssen nicht alle Böden auch aus diesem Material sein: Im Essbereich kann man etwa schwarzes Linoleum einsetzen – und so wiederum die warme Eiche bei Stiegen und Möbeln hervorheben.

Die neue Romantik kommt im Bildband auch nicht zu kurz: Es handelt sich dabei um Recycling oder eine spezielle Bearbeitung, die Neuem eine nostalgische Patina verleiht. 

Im Bild: "Circle Chair" in geölter Eiche von Hans Wegner. So baut etwa der niederländische Designer Piet Hein Eek spannende Möbel aus einem Material, das keiner mehr haben will, nämlich Abbruchholz. Ihm geht es um die vernarbte Struktur, Unvollkommenheit wird hier zum Stilprinzip. Abblätternde Farbreste verleihen seinen Schränken eine Poesie, die man bei Hochglanzfronten nicht findet.

Im Bild: Sideboard mit Holzmosaik von Piet Hein Eek. Das Alte, Benutzte und Gebrauchte ist überhaupt gefragter denn je: Trendbewusste Interior-Experten bezeichnen diesen Einrichtungs-Stil als Shabby Chic oder Vintage. "Ein Überseekoffer aus Holz, ein weiß lasiertes Küchenbuffet oder ein Ohrensessel mit abgewetzten Ecken erzählen Geschichten und machen das Zuhause zu einer Bühne für uns selbst", schreiben die Autoren Pauwels und Heuberger.

Alles in allem kann man sagen: Holz muss gut verarbeitet sein – dann jedoch kann ihm kein anderes Material ernsthaft das Wasser reichen. 

Im Bild: Meilenstein des dänischen Holz-Designs – "Pfauenstuhl" aus dem Jahr 1947 von Hans Wegner Buchtipp

Wim Pauwels, Simone Heuberger:
"Wohnen mit Holz". Mit vielen modernen Bildbeispielen.
Callwey Verlag, Euro 61,70

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