Wohnen
02.05.2018

Marva Griffin Wilshire: „Design ist eine Evolution“

Seit 21 Jahren organisiert Marva Griffin den SaloneSatellite und gibt damit jungen Talenten eine Bühne für ihre Designs.

KURIER: Sie haben den SaloneSatellite vor mehr als zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen. Warum war es Ihnen wichtig, Jungdesignern eine eigene Plattform während des Salone del Mobile in Mailand zu bieten?

Marva Griffin Wilshire: Das war nicht ich. Der SaloneSatellite war eine absolute Notwendigkeit für die Jungdesigner. Sie wollten Teil des Salone del Mobile in Mailand sein, um ihre Designs präsentieren und ihre Karrieren starten zu können. Deshalb wurde ich gefragt den SaloneSatellite zu gründen. Das war der einzige Beweggrund.

Dieses Jahr findet der SaloneSatellite unter dem Motto Afrika und Lateinamerika statt. Warum?

Der SaloneSatellite hat jedes Jahr ein spezielles Thema. Im vergangenen Jahr haben wir 20-jähriges Jubiläum gefeiert und die Design-Ikonen hochleben lassen. Die Aufgabe der Designer bestand darin, Stücke zu kreieren, in denen sie einen Teil ihrer Persönlichkeit ausdrücken. Für dieses Jahr habe ich beschlossen, Afrika und Lateinamerika unter dem Gesichtspunkt des entstehenden Designs zum Thema zu machen. Obwohl man dort eigentlich nicht von entstehendem, oder sich entwickelndem Design sprechen kann. Afrika hat die älteste Designkultur der Welt und Lateinamerika hat die präkolumbische Kultur mit den Mayas und den Azteken in Mexiko, den Inkas in Peru.

Warum gerade diese beiden Kontinente?

Über Afrika und Lateinamerika wird auf der ganzen Welt gesprochen. Vor zwei Jahren gab es eine wunderschöne Ausstellung bei Vitra unter dem Motto Afrika und vergangenes Jahr hat die Louis Vuitton Foundation in Paris etwas zum Thema Afrika gemacht. Überall ist Afrika. Auch in Washington gibt es ein Museum über die afrikanische Kultur. Ich selbst bin Südafrikanerin und wollte mit dem SaloneSatellite auch etwas beitragen.

Wie setzen Sie das um?

Innerhalb des SaloneSatellite gibt es eine Ausstellung von 18 afrikanischen und 18 lateinamerikanischen Designern. Ich habe die Cabana Brüder, Fernando und Humberto, eingeladen, um die Ausstellung gemeinsam zu kuratieren. Für die Afrikaner hat das Hicham Lahlou gemacht. Entstanden ist eine Ausstellung bestehend aus Videos, in denen die Jungdesigner zeigen und erklären, wie die Verbindung zu ihren Designs entsteht und wie sie an den Projekten arbeiten. Es ist sehr interessant.

Was entwerfen die jungen Designer unter 35 Jahren heute?

Das müssen Sie sie selbst fragen. Ich weiß es nicht. Gehen Sie zum SaloneSatellite. Die Jungdesigner kommen aus 40 Ländern, von Neuseeland über Afrika bis hin zu Nordfinnland, Kanada und Südamerika. Ihnen zuzuhören ist sehr interessant, weil jeder einzelne Designer eine andere Geschichte zu erzählen hat.

Wie hat sich das Design in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Es ist keine Veränderung. Es ist eine Evolution. Design ist die älteste Industrie der Welt und mit allem verbunden, mit dem die Menschen jemals in Berührung gekommen sind. Das beginnt bereits mit dem Bett, in dem sie geboren wurden. Für den SaloneSatellite 2018 haben wir alle Teilnehmer eingeladen, eine Umfrage zu beantworten, um besser verstehen zu können, wie ihre Designprozesse aussehen. Wir haben sie gefragt, was passiert, wenn sich Design und die digitale Welt treffen. Benutzen sie für ihre Entwürfe ihre Hände oder den Computer und glauben sie an Handwerkskunst? Die Antworten waren sehr überraschend.

Warum haben Sie gerade dieses Thema ausgesucht?

Alles ist digital wegen dem technologischen Fortschritt. Aber gerade die jungen Designer wollen den Computer nicht nutzen. Man würde das Gegenteil denken, aber nein, sie arbeiten lieber mit ihrem Kopf und ihren Händen.

Können Sie mir verraten, welche Designs dieses Jahr besonders außergewöhnlich sind?

Nein. Man muss reingehen und selbst sehen und spüren, was am besten gefällt.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft des SaloneSatellite?

(lacht) Ich lebe in der Gegenwart und achte darauf, was heute passiert. Die Leute fragen mich, was ich bei der Möbelmesse in Moskau und in China im Oktober 2018 geplant habe und ich sage allen dasselbe. Lassen Sie mich den SaloneSatellite in Mailand erst einmal ordentlich beenden. Danach werde ich mich ausruhen und dann muss ich erstmal nach New York City. Diese Stadt ist sehr wichtig für die Entwicklung von Designtrends und ich will sehen, was sie dort machen.

Ist New York City mit Mailand zu vergleichen?

Nein, niemals. Es gibt 300 Designwochen in der ganzen Welt. Sie versuchen irgendwie alle, den Salone del Mobile in Mailand zu kopieren, aber es gelingt ihnen letztlich nicht. Der Präsident des Salone del Mobile Claudio Lutti hat ein Manifesto verfasst. Darin hat er die Prinzipien niedergeschrieben und erklärt, warum der Salone del Mobile so einzigartig auf der Welt ist. Seit 57 Jahren machen wir das jetzt schon und in der Designindustrie ist nichts so wichtig wie der Salone del Mobile in Mailand.