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Erschwingliche Kunst
12/11/2015

Kunst als Gastgeber

Stefanie Harig und Marc Ullrich haben vor zwölf Jahren Lumas gegründet.Ihre Idee? Anspruchsvolle Fotografie einem breiten Publikum zugänglich zu machen und die Werke zu erschwinglichen Preisen zu verkaufen. Das Galeriekonzept findet heute in über vierzig Standorten weltweit großen Anklang.

Es hat alles ganz harmlos mit einem Bild vom Flohmarkt begonnen. Stefanie Harig und ihr Mann Marc Ullrich haben es gekauft und 2003 damit den Grundstein für ein außergewöhnliches Galeriekonzept gelegt. Die gelernte Kunsthistorikerin und der Unternehmensberater wollten vor allem eines: Arbeiten von etablierten Künstlern und Newcomern einem breiteren Publikum näherzubringen und deren Werke zu moderaten Preisen anzubieten. Heute, zwölf Jahre später, ist der Name Lumas vielen bereits ein Begriff. "Bei der Gründung ging es uns primär um den Gedanken, Kunst für alle erschwinglich zu machen. Wir würden es heute eher als Demokratisierung der Kunst bezeichnen. Wenn wir diese beispielsweise in einem Museum betrachten, dann ist ihr Einfluss auf unser Leben nur punktuell und kurzlebig. Wenn man sich hingegen ein Bild kauft, wird es ein Teil unserer Welt. Ein gutes Gemälde holt einen da ab, wo man sich gerade im Leben befindet", erklärt Harig.

Weltweit gibt es über 40 Galerien.

Mehr als 1800 Arbeiten von 200 Künstlern wurden bislang feilgeboten. Der Unterschied zum Mitbewerb lag darin, dass Harig und Ullrich die Originale der Fotografen anstatt der marktüblichen Einer- und Fünferserien in höherer Stückzahl auflegten. Die Branche reagierte skeptisch, verstimmt und sprach sogar von einem unmoralischen Angebot an die Kreativen. Von einem Ausverkauf der Kunst war anfangs die Rede. Es ging sogar so weit, dass das Unternehmen mit einem Diskonthandel gleichgesetzt wurde. Allen Kritikern zum Trotz forderte gerade die Lücke des Erschwinglichen nach einer Lösung. Das Lumas-Konzept lieferte dazu die passenden Antworten. Mittlerweile umfasst das Portfolio nicht nur Fotografien, sondern auch Arbeiten aus der Malerei und Grafik. Collagen und Montagen zählen ebenfalls zum fixen Bestandteil des Sortiments.

In Wien gibt es Lumas bereits seit fünf Jahren.

Vor Kurzem wurde das Geschäft in der Wollzeile umgestaltet. Die neue Einrichtungskonzept The Collectors Home wurde von der Berliner Kreativagentur dan pearlman entwickelt und soll auf sämtliche Stores umgelegt werden. "Im Gesamtkonzept werden ähnlich der Wohnung eines fiktiven Sammlers verschiedene Räume definiert, die bestimmten Kunstrichtungen gewidmet sind. Klassische Werke finden sich so zum Beispiel in der Bibliothek. Daneben gibt es den ,Living Room‘ und eine ,Entrance Hall‘. Der Besucher soll durch die unterschiedlichen Räume wandern und so die verschiedenen Kunstwerke, Fotografien und Objekte entdecken", beschreibt Volker Katschinksi, Kreativdirektor bei dan pearlman.
Das Konzept soll vor allem junge Sammler und Kunstbegeisterte ansprechen. Obwohl es laut Stefanie Harig den typischen Lumas-Kunden gar nicht gibt: "Viele Leute fangen bei uns an zu sammeln. Wir kennen aber auch gestandene Sammler, die bei uns fündig werden, weil es eben dieses eine Bild nur bei uns gibt." Ein Portfolio-Team, bestehend aus zehn Kuratoren unter der Leitung von Heike Dander (siehe Interview S. 11), ist immer auf Talentesuche. Einmal pro Woche werden die Gründer über neue Errungenschaften informiert. Harig und Ullrich entscheiden mit, wer zum Sortiment passt und wer nicht. Das perfekte Bild muss vor allem eines sein: vielseitig.

Anfangs war es wichtig große Namen für die Editionen zu gewinnen.

Namen, die eigentlich nur einem kleinen Kreis und für viel Geld als Vintage-Print erhältlich waren. "Erwin Blumfeld, Horst P. Horst, Edward Steiche, Cecil Beaton, Man Ray oder Bert Stern waren ganz oben auf unserer Liste. Wir freuen uns, dass es uns tatsächlich gelungen ist, Werke dieser Künstler für uns zu gewinnen", sagt Harig. Die Unternehmensziele sind klar definiert: Nach Niederlassungen in Australien, Kanada und Saudi-Arabien will man auch weiterhin expandieren.

Auf die Frage welchen Fotografen Stefanie Harig und Marc Ullrich privat schätzen, finden beide schnell eine gemeinsame Antwort: "Olafur Eliasson. Er sucht bewusst den Kontakt zum Betrachter, seinem Umfeld und empfindet Kunst sowie seine Werke als Teil der Öffentlichkeit, der Gesellschaft – nicht als isoliertes Gebilde in einem Museum." Ein Kunst-Ansatz, den beide teilen.

Wann wissen Sie, ob ein Künstler zu Lumas passt oder nicht?
Ein genaues Rezept gibt es nicht. Es ist eine Mischung aus Erfahrung, Marktbeobachtung und Bauchgefühl. Generell setzen wir auf Diversität, denn wir müssen unterschiedliche Geschmäcker treffen. Wir sind ständig auf Messen unterwegs und machen auch viele Studiobesuche. Wir arbeiten mit bereits etablierten Kreativen, aber halten auch immer nach jungen Künstlern und Fotografen Ausschau. Die Initiativbewerbungen haben wir vor Jahren einstellen müssen.

Warum?

Weil es überhandgenommen hat und das waren viel zu viele Zusendungen. Und bei näherer Betrachtung hat es dann oft an der Qualität gemangelt.


Wie schwierig ist es, ein perfektes Portfolio zusammenzustellen?
Für einen Kurator liegt der Unterschied darin, dass wir die Bilder nicht für eine Ausstellung, sondern für ein Zuhause aussuchen. Der Mensch steht dabei noch mehr im Vordergrund. Lumas ist für viele unserer Kunden der erste Berührungspunkt mit Kunst. Schon allein deshalb müssen wir unser Sortiment sehr breit fächern. Wir sind ein zehnköpfiges Team mit Sitz in Berlin und wir suchen für alle Lumas Galerien weltweit das Portfolio aus.

Die Editionen in den Galerien sind immer nur in bestimmten Formaten erhältlich. Warum ist das vorbestimmt und wer trifft diese Entscheidung?
Der Künstler selbst. Er sagt, in welcher Größe seine Werke am besten zur Geltung kommen. Wenn wir zum Beispiel eine Reihe von einem etablierten Künstler in einer Galerie entdecken und diese in unser Sortiment aufnehmen möchten, dann versuchen wir gemeinsam ein Format zu finden, welches sich von dem in der Galerie abhebt. Bestes Beispiel dafür ist etwa Thomas Florschuetz. Seine Werke dürfen ausschließlich in einem braunen Vitrinenrahmen dargestellt werden. Aber es gibt auch Künstler, die uns diese Entscheidung überlassen. Bei noch nicht bekannten Fotografen ist es wiederum so, dass sie die Ausarbeitung der Bilder ihrem Budget anpassen. In so einem Fall übernehmen wir die Kosten und versuchen mit dem Künstler ein passendes Format zu finden.

Sie bieten auch eine Auswahl von prominenten Gastkuratoren an. Zuletzt stellte der kanadische Schauspieler Patrick J. Adams eine zusammen. Wie ist diese Idee entstanden?
Wir hatten von Beginn an viele berühmte Kunden. Vor knapp zwei Jahren haben wir uns gedacht, wir sprechen sie aktiv an, ob sie bereit wären, uns ihre Lieblingswerke zu kuratieren. Ihre Auswahl stellen wir dann in unserem Magazin vor. Patrick J. Adams ist selbst Fotograf und hat in England seine erste Selektion erst kürzlich vorgestellt.

Welchen Stellenwert hat die Wertsteigerung bei einem Lumas-Bild?
Das spielt eher eine untergeordnete Rolle und ist definitiv nicht die treibende Kraft. Viele unserer Werke erzielen nach dem Kauf bei Auktionen exorbitante Preise im Vergleich zum ursprünglichen Preis. Dass freut uns natürlich, ist aber nicht das von uns erklärte Ziel.

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