Hilton im Interview: Weniger ist mehr

Echte Werte: Der Designer Matthew Hilton sprach mit IMMO über kreative Freiheit, die Vorzüge des Materials Holz und seine Zusammenarbeit mit De La Espada.

Sie haben Ihr eigenes Business gestartet, weil Sie die kreative Kontrolle haben wollten. Warum war Ihnen das wichtig?

Matthew Hilton: Wenn man als Designer für andere Unternehmen arbeitet, bekommt man ein Briefing. Das wird niedergeschrieben, damit die Dinge, die man entwirft, auch der Strategie, der Struktur und der Art der Produkte der Firma entsprechen.
Das ist schon in Ordnung, aber mit den Erfahrungen, die ich über die Jahre gesammelt habe, hatte ich das Gefühl, dass ich gerne meine eigene Struktur entwickeln wollte. Ich konnte aber kein Unternehmen finden, das mich das machen lassen wollte. Auch aus kreativer Perspektive ist es natürlich umso spannender, je mehr Freiheit man hat. Außerdem wollte ich meine Erfahrungen endlich zu meinen eigenen Gunsten einsetzen, statt sie immer anderen zur Verfügung zu stellen – da steckte also auch ein egoistischer Gedanke dahinter. Jetzt arbeiten Sie mit dem Design-Management-Unternehmen De La Espada zusammen. Wie kann man sich das vorstellen?

Matthew Hilton: Ich stelle die Produkte vor, die ich in den nächsten sechs Monaten machen möchte. Wir diskutieren die Vorschläge und beschließen, was wir tatsächlich herstellen.

Im Bild: "McQueen Bed". Das hohe, gepolsterte Bett mit den Stahl-Füßen gibt es in verschiedensten Varianten Wenn wir uns für etwas entscheiden, dann machen wir es auch wirklich. Es gibt keine Vorschläge, Tests oder Prototypen – das ist meiner Meinung nach eine reine Verschwendung von Zeit, Ressourcen, Materialien – einfach allem. Man muss sich verpflichten und sich entscheiden, ob man etwas machen will oder nicht. Das kann manchmal ein wenig risikoreich sein und man muss hart daran arbeiten, aber es ist viel effizienter. Die Kooperation mit De La Espada ist genau so, wie ich das wollte. Natürlich hat jede Situation ihre eigenen Kriterien und es gibt immer Rahmenbedingungen, an die man sich halten muss. Aber das sind wenigsten solche, die ich mir selbst ausgesucht habe. Die Grenzen, innerhalb derer wir arbeiten, sind außerdem sehr breit gesteckt.

Im Bild: "McQueen Sofa". Das neue Design von Matthew Hilton ist in verschiedensten Stoff-Varianten erhältlich Was fasziniert Sie an der Arbeit mit Holz?

Matthew Hilton: Als ich begonnen habe, habe ich mir Folgendes überlegt: Was kann ich machen, damit sich mein Angebot (nicht nur visuell) von anderen unterscheidet. Ich hatte das Gefühl, dass die Lücke, die durch den Niedergang der dänischen Möbelindustrie hinterlassen wurde, noch nicht wirklich geschlossen worden war.

Im Bild: "Kimble Windsor Chair". Very british: Das Modell gibt es in Esche oder Walnuss Holz funktioniert sehr gut im wohnlichen Kontext, es ist einfach ein schönes Material zum Leben. Es ist sehr warm und jedes Stück ein Unikat. Was ich allerdings nie gemocht habe, sind Holzmöbel, die die Handwerkskunst zu sehr in den Vordergrund rücken. Natürlich bewundere ich die Fertigkeit und ich weiß, dass das viele Menschen mögen, aber ich bin der Meinung, dass man da sehr vorsichtig sein muss. Sonst wirkt ein Stück schnell altmodisch.

Im Bild: "Welles Table". Solid und doch filigran: Die schlanken Beine verleihen dem massiven Tisch Eleganz
Sie fertigen Ihre Entwürfe nur in geringen Stückzahlen. Warum haben Sie sich gegen Massenproduktion entschieden?

Matthew Hilton: Ich denke, das hat damit zu tun, welcher Mensch ich bin und welche Dinge ich selbst mag. Es ist eine Geschmackssache: Ich persönlich hätte lieber wenige, dafür hochwertige Dinge in meinem Leben, als viele von schlechter Qualität. Ich habe Produkte gern, die entweder langlebig sind oder sogar mit dem Alter besser werden. 

Im Bild: "McQueen Large Chest". Die bodenständige Kommode (hier in Walnuss) gibt es in zwei Größen Ich besitze zum Beispiel eine Kaffeemaschine, die ich mir in den 1980er-Jahren gekauft habe, die ich noch immer habe und sehr liebe. Als ich das Stück erstanden habe, war es sehr viel Geld für mich. Aber nach so langer Zeit hat es sich auf jeden Fall rentiert. 

Im Bild: "Different Trains Cabinet". Die Fronten des Schrankmoduls lassen sich nach Belieben arrangieren
(KURIER) Erstellt am
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