Große Pläne: Die besten Einfamilienhäu­ser

Vom idyllischen Landsitz bis zum kleinen Stadthäuschen: Ein neues Buch präsentiert spannende und innovative Konzepte für den privaten Hausbau.

Wolkenkratzer und Opernhäuser erfreuen sich bei Architekten zumeist größerer Beliebtheit als Entwürfe für kleine, private Bauten. Wie spannend architektonische Entwürfe aber auch für Eigenheime umgesetzt werden können, zeigt das Buch "Die besten Einfamilienhäuser".

Im Bild: Gläserner Wohntrakt inmitten eines U-förmig gebogenen Baukörpers. Bei diesem Haus in Darmstadt wurde großer Wert auf barrierefreie Zugänge und die Möglichkeit eines späteren Lift-Einbaus gelegt Unter dem Motto "Simply the best" kürte die Jury des "HÄUSER-Awards" die innovativsten und qualitätsvollsten Architekturprojekte zu diesem Thema. Der Bildband stellt 24 Lösungen für individuelles Wohnen vor, die zum Wettbewerb eingereicht wurden. Die Bandbreite reicht von kleinen Stadthäusern und naturnahen Domizilen am Land bis hin zu Hausbooten und edlen Seevillen.

Im Bild: Im Wohnbereich wechseln sich offene Gemeinschaftszonen und private Rückzugsgebiete wie das Arbeitszimmer ab Ein Altersdomizil wünschten sich etwa die Bauherren eines Einfamilienhauses in Darmstadt. Das Team von netzwerkarchitekten realisierte unter dieser Vorgabe ein geräumiges Eigenheim, das sich bei Bedarf problemlos barrierefrei umrüsten lässt. Wegen der Hanglage des Grundstücks entschied man sich für einen U-förmigen Körper, der sich in den Boden schiebt. In der Mitte, vom Korpus umschlossen, befindet sich der Wohnbereich. Dieser wurde mit großflächigen Glasflächen gestaltet, wodurch die Innenräume hell und großzügig wirken. 

Im Bild: Die Fassade an der Terrasse lässt sich über eine Faltschiebeanlage komplett öffnen. Auch im Obergeschoß dominieren hohe Glasfronten und erlauben den Blick auf das Landschaftspanorama. Der Zugang zur Terrasse und zum Wellnessbereich wurde schwellenlos ausgeführt. Ein vertikaler Schacht an der Nordseite des Hauses ermöglicht bei Bedarf die Nachrüstung eines Lifts. 

Im Bild:Besondere Form für besondere Grundstücke – das Haus in Dresden verfügt über einen asymmetrischen Grundriss. Asymmetrisch legte der Architekt Philipp Stamborski den Grundriss für sein Stadthaus in Dresden an. Ausschlaggebend dafür waren die schwierigen Rahmenbedingungen des Grundstücks: Die schmale, schiefwinkelige Parzelle galt aufgrund ihrer trapezförmigen Fläche als äußerst ungünstig für Bauvorhaben.

Im Bild: Leisten aus Weißtanne umhüllen das Gebäude und sorgen im Inneren für spannende Licht- und Schattenspiele Stamborski reagierte auf die Herausforderung mit einer kompakten Gebäudeform, welche die kleine Fläche optimal nutzt. Im Hausinneren finden sich sowohl offene Raumstrukturen als auch individuelle Rückzugsmöglichkeiten für die Familienmitglieder. "Mit einfacher Konstruktion, intelligentem Energiekonzept, unprätentiösem Innenausbau und geringen Kosten ist dieses Einfamilienhaus ein hervorragendes Beispiel für nachhaltiges, energieeffizientes Bauen in der Stadt", lobte die Jury. Das Projekt wurde dafür mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Zum Sieger gekürt wurde der Entwurf des Bregenzer Büros Dietrich|Untertrifaller Architekten für ein ländliches Wohnhaus in Dornbirn. Auf einer Bergwiese mit Blick über das Vorarlberger Rheintal errichteten die Planer ein zeitlos schönes Haus in Holz und Glas mit 252 Quadratmetern Wohnfläche. Ein Schirm aus Weißtannenleisten bildet die äußerste Schicht des Objekts. Die Holzlamellen der Außenhülle filtern das einfallende Tageslicht und sorgen im Haus für spannende Licht- und Schattenspiele. 

Im Bild: Von nahezu jedem Raum ist die Loggia dieses Einfamilienhauses in Dornbirn zugänglich. Auch im Innenraum prägen warme Holztöne und wenige Farbakzente das Ambiente. Hohe Fensterfronten in den Zimmern lenken den Blick auf das umliegende Panorama, ein Großteil der Räume verfügt über direkte Ausgänge ins Freie. Die Energieversorgung erfolgt umweltschonend über eine Erdwärmepumpe.

Ebenfalls in Österreich entwarf das Büro Wolf Architektur auf 144 Quadratmetern ein Familiendomizil für drei Personen. Die vorgesehene Parzelle in Grieskirchen (OÖ) war lang und schmal, darüber hinaus lag sie im Schatten von Nachbarhäusern und Bäumen. 

Im Bild: Wohnen am Fluss – auch ein Hausboot kann durch geschickte Planung ausreichend Komfort und Platz bieten. Die Architekten konzipierten daher einen länglichen Grundriss, der im Erdgeschoß von einem kleinen Innenhof unterbrochen wird. Im vorderen Teil des Gebäudes befinden sich Carport und Abstellraum; der Zugang zum Haupthaus wurde überdacht. Die Wohnebene befindet sich im Obergeschoß und ist um ein zentrales Atrium gruppiert, dessen deckenhohe Glasfronten viel Licht hereinlassen. Die Außenhülle wurde aus Kostengründen in Stahlblechpaneelen aus dem Industriebau ausgeführt, erzielt aber durch ihre passgenaue Verarbeitung eine sehr edle Wirkung.

Im Bild: Das Oberdeck mit umliegender Sonnenterrasse beherbergt Küche und Essbereich. Als Hausboot am Ufer des Hamburger Eilbekkanals konzipierten die Architekten Rost. Niderehe ihr Eigenheim. Sie wollten ein Gebäude entwerfen, das den Charakter eines Boots mit dem Komfort eines Einfamilienhauses verbinden sollte. Als Materialien wurden Holz und Stahl als typische Elemente des Schiffbaus ausgewählt. Die Außenfassade des zweigeschoßigen Bauwerks wurde optisch schlicht in Lärchenholz gestaltet. Schlaf-, Wohn- und Arbeitsbereich befinden sich im Unterdeck, das Oberdeck bietet Raum für eine großzügige Küche mit Essplatz. Erweitert wird diese durch ein 80 Quadratmeter großes Sonnendeck, das den fehlenden Garten ersetzt. Das Obergeschoß kann vom Festland über einen Steg betreten werden und ist abnehmbar konstruiert, um das Hausboot brückengängig zu machen. 

Im Bild: Paneele aus Stahlblech als kostengünstige Alternative zur verputzten Fassade. Anspruchsvolle Lösungen und höchste architektonische Qualität zeichnen wohl alle Projekte aus, die das Buch "Die besten Einfamilienhäuser" übersichtlich präsentiert. Neben zahlreichen Fotografien liefern Detailinformationen wie Originalpläne und Angaben zu Wohnfläche, Baukosten oder Energiekonzept weitere Hintergründe. Der Bildband will ein Ansporn für qualitätvolle Architektur im privaten Bereich sein – Anregungen für eigene Projekte findet man genug. 

Im Bild: Raumhohe Schiebetüren aus Glas dienen als Zugang zur Terrasse und lassen viel Licht herein Buchtipp

"Die besten Einfamilienhäuser"
von den deutschen Autoren Hanno Rauterberg und Bettina Hintze präsentiert 24 spannende und kreative Architekturprojekte für private Bauherren.
Erschienen im Callwey-Verlag,
erhältlich um 61,70 Euro.
(KURIER / Michaela Hubweber) Erstellt am
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