Free Billy: Charakter für IKEA-Möbel

Wohnst du noch oder hackst du schon? Eine Internet-Seite hat sich dem kreativen Umbau von IKEA-Produkten verschrieben - die besten Projekte zum Nachmachen.

Ein Virenscanner hilft gegen sie ebenso wenig wie eine Firewall. Doch keine Angst – die internationale Community der "IKEA-Hacker" hat es nicht auf Computer, sondern auf die Möbel des schwedischen Einrichtungshauses IKEA abgesehen. Diese werden adaptiert, beklebt, bemalt, zersägt und zweckentfremdet – je nach Können, Bedarf und Budget. Mehr als 2000 Ideen finden sich mittlerweile auf der Internetseite der IKEA-Hacker, welche die Malaysierin Mei Mei Yap 2006 ins Leben gerufen hat. Warum sich gerade IKEA-Möbel solcher Beliebtheit bei den Bastlern erfreuen, erklärt sich die Bloggerin unter anderem mit den günstigen Preisen des Möbelhauses. "Niemand würde schließlich ein teures Designerstück zersägen", meint Yap. "Darüber hinaus gehört die individuelle Gestaltung aber auch irgendwie zu IKEA dazu – die Hacker treiben es nur noch einen Schritt weiter." Handwerklich (noch) nicht so geübte finden für den Anfang auch jede Menge einfacher Ideen. So können etwa die Blumen-Übertöpfe "Skurar" mit wenigen Handgriffen zu schönen Hängelampen umgewandelt werden. Dazu mit einem Handbohrer eine Öffnung in der Größe der verwendeten Lampenaufhängung in den Boden der Pflanzentöpfe bohren. Die Glühbirnenfassung durch das Loch führen und mit dem Kabel an der Decke befestigen. Damit es im Inneren der Töpfe nicht zu heiß wird, lieber Energiesparlampen statt Glühbirnen verwenden.

Noch einfacher klappt das Ganze mit Muffin-Backformen aus Papier. Diese kann man mit Messer oder Schere kreuzweise am Boden einschneiden und als Schirm für kleinere Lämpchen, zum Beispiel für Lichterketten, verwenden. Die Spiegel "Malma" inspirierten zahlreiche User dazu, diese zu verzieren und umzugestalten. Die Bandbreite der zu verwendenden Materialien ist nahezu unbegrenzt: So können etwa Glasperlen, Mosaikfliesen, Kunstblumen oder Holzreste verwendet werden. Eine Userin aus Belgien schraubte kleine Ösen in die Holzoberfläche der Spiegel, wodurch diese nun zur Aufbewahrung von Ohrringen und anderem Schmuck verwendet werden können. Eine Uhr wird zum Tisch: Verwendet wurden für diesen Hack die Wanduhr "Bravur" und ein alter Tisch. Die Tischplatte zuerst auf den passenden Durchmesser der Uhr zuschneiden, danach alles in der gewünschten Farbe lackieren. Nach dem Trocknen wird die Uhr mit starkem Klebstoff auf die Tischplatte geklebt – fertig. Um den Batteriewechsel zu vereinfachen, kann vor dem Ankleben der Uhr an passender Stelle ein Loch in die Tischplatte gesägt werden. Andernfalls muss die Uhr entfernt und wieder angeklebt werden, wenn die Batterien leer sind. Eine kreative Idee für die Kleideraufbewahrung im Schlafzimmer ist der IKEA-Hack "Bedroom Dress Boys". Ausgangsmaterial waren die zwei Sessel "Bertil", die mit einer Handkreissäge so in zwei Hälften gesägt werden, dass die Rückenlehne intakt bleibt. Diese dient nämlich später dazu, die Kleider aufzuhängen. Die Befestigung an der Wand erfolgt mittels einer Methode, die Fachleuten als "Französischer Keilverschluss" bekannt ist. Für alle Nicht-Experten: Dazu werden aus Holz zwei ineinandergreifende Keile gefertigt und an der Wand beziehungsweise an den Sesselhälften angeschraubt. Dadurch können diese dann an der Wand eingehängt werden. Wer möchte, kann die Sessel natürlich noch lackieren. Vorsicht – wohl eher etwas für Waghalsige ist ein IKEA-Hack mit dem simplen Namen "Rustic stool". Der Hocker "Oddvar" aus Kiefernholz wurde dabei mit der sogenannten Holzbrenntechnik verändert. Benötigt werden dazu ein Propanbrenner, Sandpapier und Klarlack. Mit mittelgrobem Sandpapier wird der Stuhl zunächst abgeschliffen. Vorsichtig und mit kleiner Flamme wird dann der Brenner verwendet, um dem Holz eine dunklere Färbung zu geben. Achtung: Den Brenner bitte nur im Freien verwenden. Die Flamme sollte für eine gleichmäßige Färbung ständig bewegt werden. Nachdem die gewünschte Farbe erzielt wurde, das Holz noch einmal mit feinem Sandpapier bearbeiten. Zum Schluss den Stuhl noch mit Klarlack beschichten. IKEA-Hacking eignet sich auch gut, um "Überbleibsel" alter Möbel neu zu verwenden, statt sie wegzuwerfen. So können etwa alte Tischbeine oder Schrankbretter Ausgangspunkt für neue Stücke sein. Die Steher von zwei alten Couchtischen, die an Sperrholzplatten montiert wurden, können so einen schönen neuen Sofatisch ergeben. Allen, die sich gerne selbst einmal als IKEA-Hacker versuchen möchten, rät Profi Mei Mei Yap, zunächst einfach zu beginnen: "Schon die Veränderung von Farbe, Stoff oder Dekoration kann große Wirkung haben." Ihr wichtigster Tipp aber: "Kreativ sein – und Spaß dabei haben."

www.ikeahackers.net Viele Menschen bauen ihre Möbel doch lieber "regulär" auf. Die besten Tipps, damit die Montage auch gelingt:

Viele Kunden haben Spaß daran, ihre Möbel selbst aufzubauen, ist IKEA-Customer Relations Managerin Sabine Kleinhagauer überzeugt: "Da kann man spielen und ausprobieren – ein bisschen wie Lego für Erwachsene." Ihre Tipps, damit alles klappt. - Unbedingt zuerst die mitgelieferte Aufbauanleitung lesen: Die meisten Probleme ergeben sich, wenn man versucht, einfach loszulegen.
- Unterstützung von Freunden holen: Große oder klobige Möbelstücke sollte man lieber zu zweit aufbauen.
- Die richtige Wandbefestigung besorgen: Dübel sind bei IKEA nicht immer beigepackt, weil man je nach Beschaffenheit der Mauern unterschiedliche Ausführungen benötigt. - Inbusschlüssel werden bei IKEA mitgeliefert, fingerschonender und schneller ist allerdings ein Akkuschrauber.
- Benötigte Zusatzwerkzeuge wie Schraubenzieher oder Hammer sind in der Anleitung angegeben.
- Nach dem Aufbau die Schrauben von Zeit zu Zeit nachziehen, damit die Möbel auch lange stabil bleiben.
- Wer die Anleitung verloren hat, findet sie auf www.ikea.at. Zudem ist sie über das IKEA-Contact Center erhältlich – hier auch von Produkten, die nicht mehr im Sortiment sind.
(KURIER / Michaela Hubweber) Erstellt am
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