Endstation: Eine Skihütte als Filmlocation

"Am Ende des Tages" ist ein spannender Kinofilm aus Österreich, der auch von der Architektur des Drehortes lebt: Eine moderne Skihütte in Galtür wurde zur Filmlocation.

Am Höhepunkt des Film ist nichts mehr so, wie es anfangs schien: Das junge Eheglück hat seine Unschuld eingebüßt, ein aufstrebender Politiker (Simon Schwarz) ist demaskiert und der ehemalige Schulkollege (Jedermann-Star Nicholas Ofczarek) zückt seinen letzten Trumpf. Drei Menschen, zwei Autos, die Straßen von Tirol und ein Haus – mehr braucht es nicht, um die Handlung einer der besten Produktionen der jüngeren österreichischen Filmgeschichte voranzutreiben. Am Ende des Tages ist ein fahrendes Kammerspiel im Stil französischer Autorenfilme. Im letzten Drittel begleitet der Zuschauer die Protagonisten zum finalen Showdown: Ein Haus in den Bergen soll Schutz bieten, doch das psychologische Unwetter spitzt sich hier nur noch mehr zu. In langen Kameraschwenks beeindruckt vor allem die Architektur des Gebäudes: Keine neureiche Landhaus-Villa, keine Sound of Music-Romantik, sondern eine moderne, souveräne Ästhetik zwischen Feld und Bäumen. Insider kennen das Objekt aus einschlägigen Architektur-Plattformen. Es ist die im Jahr 2007 fertiggestellte Skihütte Addis Abebar in Galtür, geplant von Ventira Architekten. Das junge Büro, bestehend aus der Dornbirnerin Felicitas Wolf und dem Paznauner Wolfgang Juen, baut regelmäßig in Tirol – so etwa bereits mehrere Hotels und einen Supermarkt. "In diesem Fall sollten alle Wege möglichst kurz, zentriert und mit wenig Aufwand machbar sein", erklärt Wolfgang Juen. "Vor allem aber wollte der Bauherr keine klassische Skihütte im Stil
einer Kuckucksuhr." Das schlichte Gebäude ist verkleidet mit weißen, unregelmäßig geschnittenen Eternitplatten. "Im Winter verschmilzt es dadurch mit dem Schnee", betont Juen, "und im Sommer ragt es wie ein Kristall aus der Landschaft hervor." Die drei hervorstehenden Erker weisen auf die Hausberge von Galtür, die Balunspitze und die Gorfenspitze, hin. Man befindet sich auf 1700 Meter über dem Meeresspiegel, auch der Wind ist da ein großes Thema. "Zum Schutz haben wir die Terrasse ins Gebäude eingeschnitten und außen mit Glaswänden versehen. Trotzdem wird ein Rundumblick gewährt." Für die Dreharbeiten wurde das gesamte Gastro-Ambiente zu einem Privatdomizil umgebaut. "Die große Schank haben wir mit einem Bücherregal verkleidet, den Rest komplett ausgeräumt und mit Möbeln eingerichtet, wie ich dachte, dass man sie in so einem Privatdomizil hätte", erzählt Peter Payer, Regisseur von Am Ende des Tages. Einen Monat lang hatte die Produktionsfirma (Prismafilm) die Hütte angemietet, tatsächlich dort gedreht wurde fünf Tage lang. "Das hat auch damit zu tun, dass wir das Haus als Covermotiv verwendet haben", so Payer. Das bedeutet in der Filmsprache: Wann immer für Außendrehs zu schlechtes Wetter war, konnte das Team auf Innenaufnahmen in der Hütte ausweichen. Entscheidend für die Wahl des Gebäudes war letztlich die Geschichte. "Ein schönes Haus mitten im Ort wäre dafür auch zu lieblich gewesen", erklärt Payer. "Es musste eine hoch in den Bergen gelegene Stelle sein, an der es nicht mehr weiter geht und man trotzdem noch die Berge als Grenze vor sich sieht – eben nur mehr Abgrund und Wand." Immobilien als Filmlocation werden regelmäßig gebraucht. Gesucht werden Wohnungen, Häuser und Gebäude, die sich als fiktives Büro eignen. "Wichtig ist dabei immer, dass es genug Platz gibt", erklärt Reinhard Kostner von der Filmproduktionsfirma JERKfilms. "Ein Filmteam mit all seinen Leuten und der benötigten Technik ist groß. Sobald man auf umliegende Gebäude ausweichen muss wird alles natürlich entsprechend teurer." Auch Regisseur Peter Payer betont, dass letztlich immer logistische Überlegungen mitspielen: "Eine Nähe zur Autobahn erleichtert vieles. Das ganze Team kann nicht für jeden Drehtag über komplizierteste Wege zu einem Drehort anreisen." Und was kann man sich als Anbieter einer Immobilie erwarten? "Die Preise variieren, je nach Vereinbarung", so Reinhard Kostner. Er empfiehlt, sich an eine der großen, seriösen Location-Agenturen zu wenden. "Die haben seriöse Standards." Wie wichtig ist Architektur im Film? "Ich messe ihr eine sehr große Bedeutung zu, weil sie die Atmosphäre entscheidend mitbestimmt", sagt Payer. Es gehe immer darum, in allen ästhetischen Belangen Entsprechungen zu den Figuren zu finden. "Alles andere, wie das verwendete Auto oder die Kleidung, muss am Schluss so selbstverständlich wirken, dass es dem Zuschauer gar nicht besonders auffällt." Peter Payer, Regisseur von "Am Ende des Tages", über die Wahl der richtigen Film-Location und gute Architektur:

"Die Wahl des Drehortes geht immer von der Geschichte und den Figuren aus. Man sagt also nicht: Das ist ein schönes Haus, das nehmen wir. Man überlegt vielmehr, wie so ein Ort in dieser Geschichte aussehen muss und macht sich dann auf die Suche.
In diesem Fall war es das Elternhaus der jungen Frau. Sie ist die Tochter reicher Leute und es war klar, dass so eine Familie in Tirol eher nicht in einer protzigen Villa mitten im Ort lebt, sondern sich an einem abgelegenen Platz ansiedelt, wo man keinen neugierigen Blicken ausgesetzt ist.
Das hätte natürlich auch ein schöner alter Hof sein können. Aber für die Story war es wichtig, dass so ein Gebäude schon sehr weit oben steht, wo es nicht mehr weiter geht. Es gibt dann nur noch den Abgrund und die Mauer der Berge, so spitzt sich auch ästhetisch alles zu. Für die Dreharbeiten haben wir die Skihütte zu einem Wohnhaus umgebaut. Bei guter Architektur sieht man sofort, dass sich jemand etwas gedacht hat. Das merkt man bei unserem Objekt auch: Wie ein Kristall ragt es aus Berglandschaft hervor."

www.amendedestages.at Meine Immobilie im Film: Was kann ich tun?

Wer seine Wohnung, sein Büro oder sein Haus für Dreharbeiten zur Verfügung stellen möchte, kann sich an eine private Location-Agentur wenden oder eine der öffentlichen Film-Datenbanken in den Bundesländern kontaktieren. Die Preise variieren stark, je nach Vereinbarung. In der Werbung werden für voll eingerichtete Immobilien rund 1500 bis 2500 Euro pro Tag bezahlt.

www.filmlocations.at
www.filmfest-wien.com
www.photolocation.at
www.cinetirol.at
www.cinestyria.com
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