Eine Villa von Doctor House

Der Stuttgarter Architekt Alexander Brenner gilt als der Villen-Experte schlechthin. Demnächst baut er auch in Wien. IMMO hat mit ihm über gute und schlechte Häuser gesprochen.

Über Geld spricht man in dieser Liga nicht. Aber es ist anzunehmen, dass die von Alexander Brenner gebauten Ein- und Mehrfamilienhäuser teuer sind. Sie können allerdings auch mehr, als man gemeinhin erwartet: eine klare Formensprache, unsichtbare Garagen, beste Handwerksqualität, multifunktionale Räume, Stauraum ohne Ende und insgesamt ein Gebäude, das sich auch noch Generationen später bewähren soll. Dafür heißt dann so ein Projekt auch nicht Haus, sondern Villa. Und der Stuttgarter Architekt scheint derzeit so etwas wie der Meister dieses Bautypus zu sein.

Im Bild: Optimale Nutzung eines schwierigen Grundstückes: Villa Heidehof in Stuttgart Allzu viele Kompromisse sind seine Sache nicht. Wer von Pomp und Trara, Säulen und Türmchen träumt, muss sich an andere Stellen wenden. In den Anfangsjahren konnte Brenner sein Büro nur gerade so über Wasser halten, mittlerweile gelten seine an die Ästhetik der Bauhaus-Bewegung anknüpfenden Entwürfe in gehobenen Kreisen als Statussymbol. 

Im Bild: Für das Haus Bop in Gerlingen wurden alle Materialien nach baubiologischen Gesichtspunkten ausgewählt. Herr Brenner, Sie bedienen fast ausschließlich einen sehr gehobenen Kundenstock. Sind solche Menschen schwieriger?

Alexander Brenner: Nein, auf keinen Fall, aber da wir ja nur eine begrenzte Anzahl von Projekten machen können und diese bis hin zur Baustelle betreuen, möchte ich natürlich eine möglichst gute Verständigung zwischen Architekt und Bauherren. Wenn zum Beispiel jemand zu mir kommt und sagt, dass er zu Hause eine mallorquinische Terrasse haben möchte, weil ihm diese während seines Urlaubs so gut gefallen hat, der Innenraum aber so aussehen sollte wie bei seiner Lieblingshütte in Lech, dann können wir ein solches Projekt leider nicht übernehmen.

Im Bild: Geheizt wird mit Erdwärme. Worauf kommt es beim Bauen an?

Brenner: Wenn sich jemand ein Haus baut, denkt er ja am Beginn oft, dass er da jetzt alle positiven Erfahrungen seines bisherigen Lebens einbauen kann. Das ist gerade im hochpreisigen Segment sehr gefährlich. Ich versuche, meine Haltung zu diesen Dingen zu vermitteln. Also von einer Steinmauer im spanischen Stil abzuraten, wenn die Steinmauern, die es seit jeher in der Gegend, in der das Haus stehen soll, gibt, ganz anders aussehen.

Der Großteil meiner Auftraggeber ist zum Glück erwachsen, wie ich das immer nenne, also meist 50 Jahre und mehr. Die verfügen schon über viel Lebenserfahrung. Sie wissen, wie sie wohnen wollen, haben oft schon einmal gebaut und wollen sich jetzt etwas wirklich Schönes und Solides gönnen. Meine Auftraggeber sind auch fast immer Leute, die aus eigener Kraft viel erreicht haben. Das ist etwas anderes als schnelles Geld.

Im Bild:  Die Gänge bieten viel Schrankraum. Wie man hört, verabschieden Sie sich oft schon wieder sehr schnell von potenziellen Kunden.

Brenner: Ja, das passiert ab und an, weil mir gegenseitige Achtung, Respekt und Verständnis sehr wichtig sind. So kam zum Beispiel vor Kurzem ein Bauinteressent zu uns ins Büro, grüßte meine Mitarbeiter nicht und wies sofort darauf hin, dass er wenig Zeit habe. Ich war dann ziemlich schnell der Meinung, dass es besser wäre, wenn er sich wieder von seinem Chauffeur abholen lassen würde.
Mir ist ein anständiger, offener Umgang sehr wichtig, weshalb ich auch meinen Auftraggebern von Anfang an immer die Wahrheit sage. Die sind in der Regel begeistert, weil sich das sonst fast niemand mehr traut.

Im Bild: Haus Dornhalde in Stuttgart ist eine Lösung mit vier Ebenen auf einem extrem kleinen Grundstück. Wie entwickelt man für Menschen das perfekte Haus?

Brenner: Ich sehe mich nicht als Erfüllungsgehilfe, der lediglich die Wünsche der Bauherren aufzeichnet. Als verantwortungsvoller Architekt habe ich sogar die Pflicht, meine Bauherren darauf hinzuweisen, was zu Widersprüchen führen wird. Gleichzeitig muss ich ihnen Dinge anbieten, die sie vielleicht glaubten, gar nicht haben zu wollen oder die sie noch gar nicht kennen.

So hatte sich etwa ein Stuttgarter Ehepaar darauf geeinigt, dass sie das ganze Haus nur in Schwarz-Weiß wollten. Als ich diesem Paar vorschlug, eine über vier Stockwerke gehende Wand rosa zu machen, waren sie im ersten Moment schockiert. Heute ist das ihre Lieblingswand und sie selbst haben daraufhin einen farbigen Teppich und mauvefarbene Wohnmöbel ausgesucht. Ich habe ihnen sozusagen die Freude an der Farbe zurückgegeben.

Im Bild: Eine rosa Wand erstreckt sich über alle vier Stockwerke. Überhaupt versuche ich, durch intensive Interviews die Menschen kennenzulernen und zu verstehen, noch lange bevor ich irgendeinen Strich zeichne.

Man muss einerseits alle Tagesabläufe durchspielen, man muss wissen, ob da noch viele Kinder oder Enkelkinder kommen sollen, ob es Haustiere gibt, ob Personal hier wohnt, ob man sich später auf ein Stockwerk zurückziehen können und den Rest vermieten oder an seine Kinder weitergeben will. Noch viel spannender ist es aber herauszufinden, von welchen Dingen jemand früh geprägt wurde und welche Wünsche und Träume ihn bis heute antreiben.

Im Bild: Villa Strauss in Stuttgart wurde für drei Generationen einer Familie geplant. Wir hatten vor Kurzem jemanden, dessen Jugendzimmer, das er über alles geliebt hat, mit einer Brettschalung verkleidet war. Wir haben dieses Thema dann beim Neubau bei der Garagentorverkleidung wieder aufgenommen und daran erfreut er sich jeden Tag.

Andere Auftraggeber sind große Fans der 1970er-Jahre und hier haben wir Anklänge an diese Zeit im Schwimmbad aufgenommen und mit Glasfliesen in kräftigen Rot- und Orangetönen gearbeitet. Was sollte man Ihrer Meinung nach beim Bauen auf keinen Fall machen?

Brenner: Der größte Fehler ist, wenn man glaubt, dass man mit den einfachsten und billigsten Handwerkern das beste Ergebnis erzielen könnte. Das glauben leider heute viele. Aber ich muss ganz im Gegenteil mit den Besten ihres Fachs arbeiten, nur so kann ein gutes Gesamtwerk entstehen. Bisher waren Sie fast ausschließlich in Deutschland tätig, da vor allem in Stuttgart. In Kürze bauen Sie aber erstmals auch in Wien. Wollen Sie expandieren?

Brenner: Ja, demnächst machen wir ein Projekt in Brunn am Gebirge, darauf freue ich mich schon. Es gibt ja in Österreich eine ganz großartige Bautradition. Ich glaube, dass wir uns da wohler fühlen werden, als wir dies zum Beispiel mal anders in Spanien erlebt haben. Dort kam es der Baufirma auf ein paar Zentimeter mehr oder weniger nicht so an. Diese Ungenauigkeit liegt mir nicht. 

Im Bild: Die Villa Heidehof in Stuttgart. Die Überdachung der Balkone schützt vor Wind und Wetter und vermittelt Geborgenheit. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass wir in Marokko bauen würden, weil es dort eine lange und solide Handwerkstradition gibt, im Gegensatz beispielsweise zu Dubai oder Abu Dhabi. Dort sollten wir vor Kurzem 2000 Villen entwerfen, aber die dortige Art zu bauen macht aus meiner Sicht weniger Sinn, da die Qualität der Ausführung ein ganz wesentlicher Teil unserer Architektur ist. Ich habe in meinem Büro deshalb die Devise ausgegeben: Österreich und Marokko ja, Abu Dhabi und Spanien lieber weniger.
Es gibt ja heute viele Architekten, die bis in alle Winkel dieser Welt bauen, mir liegt Österreichisch aber einfach näher als Koreanisch.

Im Bild: Der Holzverbau an der Kaminwand sorgt im Winter für Behaglichkeit. Wie sieht eigentlich Ihre Villa aus?

Brenner: Da werden Sie sich jetzt wundern: Ich wohne noch in einem Altbau. Mein Traumhaus gibt es erst auf dem Papier. Zur Person Alexander Brenner:

Kaum ein anderer Architekt in Europa setzt sich derzeit so formbewusst und konsequent mit dem Bautypus Villa auseinander wie Alexander Brenner. Seine Bauten gelten als bis ins kleinste Detail durchmodellierte Wohnskulpturen. Stilistische Vorbilder sind die klassische Moderne, darunter vor allem der österreichische Architekt Lois Welzenbacher (1889–1955).

Seit zwanzig Jahren unterhält Brenner ein Büro in Stuttgart. Villen von ihm stehen in Stuttgart, München, Frankfurt, Zürich und demnächst auch in Wien.

www.alexanderbrenner.de
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