Die Welt von Hermès

Hermès steht für Qualität und Eleganz. Die neue Einrichtungskollektion La Maison ist ein gelungener Beweis.

Zaumzeug und Sättel für Pferde herzustellen war eigentlich die ursprüngliche Idee, der sich Begründer Thierry Hermès im Jahr 1837 widmen wollte. Heute würde man die Marke eher mit exklusiven, modischen Accessoires wie etwa der berühmten Kelly-Bag (benannt nach der Schauspielerin Grace Kelly) oder mit den Seidenschals Carré Hermès assoziieren. Die Kompetenz für qualitativ hochwertige Luxusartikel setzte das Familienunternehmen bald auch im Interieur-Bereich ein und gestaltete die erste Geschirrserie Pivoines im Jahr 1984. Heuer stellte das Unternehmen die neue Einrichtungslinie La Maison vor. Im IMMO Interview verrät Hélène Dubrule, Generaldirektorin von La Maison, wie man den hohen Ansprüchen gerecht wird und wie man zeitloses Design gewährleistet. KURIER: Hermès hat seit Längerem eine erfolgreiche Home-Accessoire-Linie. Wie kam es dazu, diese mit Interieur zu ergänzen?

Dubrule: Das Unternehmen hatte schon immer einen heimeligen Geist. In den vergangenen 30 Jahren hat Hermès mit den Geschirr-Serien einen einzigartigen Stil sowie eine art de vivre -Kollektion entwickelt. Im Jahr 1987 wurde die Pippa Sammlung von Rena Dumas geschaffen, eine Reihe von Möbeln, die die Ideen von Nomadentum und Reisen aufgegriffen hat. Jetzt ist unser Ehrgeiz, ein komplettes Universum für die Wohnraumgestaltung zu entwerfen. Wir bieten bereits einige Objekte für den Haushalt an, aber wir brauchen mehr, um unsere Struktur und unsere Vision hinzuzufügen. Die wichtigsten Kriterien bei der Herstellung der Möbel sind handwerkliche Präzisionsarbeiten, hohe Qualitätsansprüche und der spezielle Stil der diskreten Eleganz. Zunächst wollten wir für unsere Kollektion die Quelle unseres Know-hows zurückholen. Deshalb haben wir die Sammlung, die mit Jean-Michel Frank in den 1930er-Jahren produziert wurde, neu aufgelegt. Und wenn wir die Räume mit einer Möbelkollektion strukturieren, wollen wir das Haus auch mit Heimtextilien und Teppichen kleiden. Es soll ein Vorschlag entstehen, der sich zusammen mit dem bestehenden Sortiment ergänzt. Schlussendlich soll ein komplettes "art de vivre" für den gesamten Wohnbereich, mit dem Geist von Hermès entstehen. Wie würden Sie die neue La Maison Sammlung beschreiben?

Sie besteht aus drei Kollektionen, die alle den gleichen Geist haben. Es geht um wundervolle, von Hand verarbeitete Materialien, die Liebe zum Detail sowie die Verbindung zwischen Tradition und Moderne. Ein Hermès-Objekt soll nachhaltig sein und eine eigene Patina entwickeln. Unsere neuen Stücke transportieren genau diese Vision. Welche Designer haben Sie engagiert?

Einer ist Enzo Mari, er wurde auch zum Präsidenten der Jury für den ersten Emile-Hermès-Designpreis gewählt. Seine Arbeit konzentriert sich auf das Wesentliche. Er sucht nach den reinsten Linien, der Sublimation des Materials und schätzt unsere handwerkliche Tradition. Er hat es geschafft, extreme Einfachheit mit edelsten Materialien zu erreichen und das Ergebnis ist zutiefst Hermès. Mit Antonio Citterio hatten wir lange Diskussionen über die Tradition im Möbelbau. Er ließ sich von den Entwürfen von Jean-Michel Frank und Rena Dumas inspirieren. In unserem Conservatoire (Archiv) entdeckte er eine Sattel-Hilfe. Diese inspirierte ihn zum Entwurf einer Armlehne für einen Stuhl und einen Lounge-Sessel. Entstanden ist ein zeitlos elegantes Möbel mit sinnlichem Komfort. Seine Objekte erzählen einige Geschichten über Hermès. Es ist eine Hommage an den Dialog zwischen edlen Materialien, egal ob Leder, Holz, Metall oder Textilien. Seine Sammlung hebt die Verbindung zwischen Hermès, der Tradition und der Moderne hervor. Die dritte Sammlung ist ein Objekt, ein Stuhl, dieser soll unsere "Sattel"-Vergangenheit verkörpern. Wir haben sie dem künstlerischen Leiter des RDAI (Rena Dumas Architektur Intérieur) Denis Montel und dem Designer Eric Benqué anvertraut. Sie gestalteten etwas sehr Einfaches und zugleich Komplexes. Der Stuhl wurde mit Leder oder Canvas überzogen, so als hätte man diesen in eine Handtasche verwandelt. Der Entwurf steht symbolisch für unsere Signatur. Die Illustrationen der Carré Tücher sind einzigartig. Wie stark wird die Textil-Kollektion durch die Mode beeinflusst?

Wir lassen uns eher von unserem eigenen Stil inspirieren. Wir haben eine Reihe von Möbelstoffen und Tapeten designt. Hermès hat ein großes Erbe mit unzähligen Illustrationen, Mustern und Designs, die für Seidenschals oder Accessoires entworfen wurden. Es gibt Muster, die für berühmte Schals verwendet wurden oder aus unserem textilen Archiv stammen wie etwa Bibliothèque, Finish oder Beloved Indien. Sie wurden für die Innenraumgestaltung angepasst, um nun auch ein Haus mit gleicher Qualität und gleichem Stil einkleiden zu können. Für diese Kollektion wurden renommierte Designer verpflichtet. Sind solche Kooperationen auch in Zukunft vorstellbar?

Die Auswahl der Designer trifft unser Artdirector, Pierre-Alexis Dumas. Es ist immer eine Frage der menschlichen Begegnungen, der Geschichte des Dialogs und der gemeinsamen Visionen. Wenn wir mit externen Designern zusammenarbeiten, wollen wir ihre persönliche Interpretation von unseren Werte kennenlernen und diese dann in weiterer Folge in ein Projekt umsetzen. Bislang hat das sehr gut funktioniert und es wird auch sicherlich weiterhin ein wichtiges Thema für uns sein. Nachhaltigkeit spielt weltweit eine immer wichtigere Rolle in der Design-Branche. Wie wichtig ist dieses Thema für Hermès?

Uns ist das ein tägliches Anliegen. Erstens, weil unsere Objekte so konzipiert und hergestellt werden, dass nachhaltige Nutzung gewährleistet ist. Hermès-Objekte sollte man nicht wegwerfen, sondern reparieren. Zweitens ist uns die biologische Vielfalt wichtig. Rohstoffe wie Leder, Holz oder Kaschmir werden nach ökologischen Gesichtspunkten ausgewählt und ein schonender Umgang mit den Ressourcen soll unseren ökologischen Fußabdruck reduzieren. Die Mode von Hermès ist bekannt für die hochwertige Verarbeitung und Produktion. Welche Kriterien kommen bei der Fertigung von La Maison zum Tragen?

Wir setzen auf hochwertige Qualität und auf präzise Handwerkskunst. Verarbeitet werden Leder, Stroh- und Holz-Intarsien, Pergament, Seide oder anspruchsvolles Gewebe, Rosshaar, Metall, edle Hölzer oder auch Murmeln. In Kombination mit den Visionen der Designer werden diese Materialien von unseren Handwerkern verarbeitet, und das verleiht unserer Kollektion eine einzigartige Positionierung. Unser "savoir faire"-Ansatz ist der eines zeitgenössischen Handwerkers: Wir setzen auf ein Netzwerk von firmeninternen Erfahrungen und externen Partnern. Es ist die Begegnung dieser beiden Talente, die es uns ermöglicht, die qualitativen Anforderungen von Hermès zu erreichen. Im Hinblick auf die Möbel gibt es eine Zusammenarbeit zwischen unseren Partnern und unserer Leder-Entwicklungs-Abteilung, die den Prozess begleitet. Diese Abteilung bestimmt auch, welches Leder an unsere Gerbereien geliefert wird. Die gleiche Abteilung entwickelt alle Finishing- und Polster-Techniken, die direkt aus unserer Tradition als Sattel- und Lederwaren-Hersteller vererbt werden. Sie liefern unserern Herstellern eine sehr genaue Spezifizierung der Qualität. Einige von ihnen sind kleine Betriebe in Frankreich und andere sind größere Produzenten in Italien. Die gleichen Kriterien gelten für die Bereiche Heimtextilien, Accessoires und Geschirr, hierfür haben wir eigene Werkstätten in Frankreich. Hermès Ziel ist es, ein komplettes Universum für zu Hause mit dem höchsten Maß an Qualität für jedes Objekt anzubieten.
(KURIER) Erstellt am
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